Jahresrückblick 1995
(Teil meiner Autobiografie "Ich habe gelebt !" Letzte Aenderung: Version 1.0 vom 25. Jan. 2022)

Binningen, 31. Dez. 1995

Liebe Freunde von nah und fern

In den letzten Jahren habe ich meinen Jahresrückblick im Dezember geschrieben und um Neujahr verschickt. Dieses Jahr verspürte ich lange Zeit keine Lust, denn ich und Silvia...... Aber nun ist er geboren.

So verlief auch das ganze vergangene Jahr: Ich taumelte und torkelte von einem schönen Höhepunkt und Erlebnis zum anderen. Kurzum das 1995 war für mich ein Spitzenjahrgang!

Silvia
25. Juli 1959
Löwe

Jolanda
24. Aug. 1984
Jungfrau

Tubias
1. Juli 1986
Krebs

Julian
26. Feb. 1990
Fisch

Die diesjährigen 95er-Weihnachten feierte ich bereits zum zweiten Mal mit Silvia und ihren drei Kindern Julian, Tobias und Jolanda. Ich habe die neue Familie liebgewonnen. Ich bin glücklich. Silvia zeigt viel Einfühlsamkeit und Verständnis. Wir ergänzen uns blendend (glaube ich). Unser Glück trübt leider ein Wermutstropfen. Katja hat sich mit meiner neuen Beziehung nicht abfinden können und zog Mitte Jahr sogar in das Schwesternhaus des Kinderspitals, wo sie ihre Zweitausbildung zur Kinderkrankenschwester macht. Warum lässt mich meine Vergangenheit nicht in Ruhe?

Mein Tagebuch

Viele wissen nicht, dass ich all meine Erinnerungen für diesen Jahresbericht aus meinem persönlichen Tagebuch hole. Es ist von Hand geschrieben, zum Teil verschlüsselt oder unleserlich.

So steht zum Beispiel auf der 1. Seite des 1995: "Bogdan schiesst eine Rakete in die Tanne. Er sollte mehr üben. Die Rekrutenschule hätte ihm gut getan!" (Für meine EU-Freunde als Erklärung: dies ist die Basis-Ausbildung des Schweizer Militärs und dauert jetzt noch 15 Wochen).

Auf der 2. Seite des Jahres 95 findet sich eine kurze Notiz: "Grosse Aufregung. Tobias und Jolanda haben kein Tram-Billet, um von der Kunsteisbahn nach Hause zu fahren. Sie kennen den Heimweg nicht! Müssen Taxi nehmen!"

Ich finde auch Hinweise über meine Schwierigkeiten und Anstrengungen, mich mit der neuen Familie und den damit zusammenhängenden Einschränkungen abzufinden. Wie ich lernen musste, dass Verbote nur dort einen Sinn machen, wenn es für die Kinder eine verständliche Begründung gibt. An einer Stelle finde ich die Bemerkung "Ich glaube, ich war ein zu strenger Vater bei meinen beiden eigenen Kindern!" Ja, Silvia war mir weit voraus in der Erziehungsmethodik. Sie brauchte anfänglich viel Diplomatie und Verständnis mit mir. Ich habe viel gelernt und glaube heute, ich war ein recht guter Schüler. Ich wurde kein Sultan mit viel Macht und vielen Frauen, sondern ein Sultaninchen (Ausspruch von Jolanda!).

Schlussendlich finde ich im Tagebuch unerwartete Schwächen oder Stärken, indem ich Wetten gewinne: Bereits stehen 1 Fl. Champagner und 1 Magnum-Eis auf meiner Soll-Seite....

Mein und andere Geburtstage

Im 1995 konten wir weitere Mitglieder unseres Bekanntenkreises in den Club der Uhu’s (=unter Hundert = 50) aufnehmen. Bei Bogdan wars am 14. März soweit, und bei Max Tschopp am 5. Nov. Am 6. Dez. erreichte dann auch meine Schwester Christina dieses Erlebnis-Alter und versprach uns, dass sie im Frühjahr, wenn es durstiger sein wird, zum Fest einladen werde (was hiermit schriftlich vermerkt sei!). Im 1996 wirds dann auch Bernhard Bäumer treffen! Der 1. März wäre ein Freitag-Abend!

Ich habe bereits im vergangenen Jahresbericht das Geheimnis gelüftet, dass ich meinen Geburtstag zweimal feiere. Das erste Mal, wie es sich gehört, am Silvester, und dann jeweilen am 2. Mittwoch im Januar auf der Kunsteisbahn, wo ich hinter dem Eisfeld eine Pseudo-Buffet aufbaue. Diesmal waren es 90 Lachsbrötli (1.3 kg Lachs) und 7 Flaschen Champagner. Für die Sicherheit der mehr oder weniger geübten Schlittschuh-Läufer sorgte der Sanitätsdienst der Sandoz.

Wie kam es zu dem Einsatz? Ich schrieb aus Jux einen dramatisch formulierten Antrag an den Werkarzt, ob er den Rettungsdienst für eine "heikle Nachtübung der Informatiker" sicherstellen könne. Und, oh Schreck.... Bei unserer Ankunft auf der Kunsteisbahn stand ein vollausgerüstete Sandoz-Rettungswagen samt 2 Sanitätern bereit!


Max mit "Bibeli"

Blutiges und andere Krankheiten

Sommerferien (5 Wochen)

Dieses Jahr haben wir geplant, dass ich bereits vor den Schulferien 2 Fitness-Wochen mit Tennis und Jogging verbringen werde. Wegen Silvias Lungenentzündung fuhr ich ein paar Tage später am Dienstag, 20. Juni nach meinem geliebten Istrien, wo ich fast alle meine Freunde traf. Ueberrascht war ich ob meines geringen Benzinverbrauchs mit dem Wohnwagen: 10.7 liter/100 km. Auch das neue, offene Vorzelt hat sich bewährt.

Die ersten Ferien-Tage waren jedoch alles andere als angenehm: Grosse Unwetter mit Regen und Sturm drückten das Vorzelt von Rainer und Doris zusammen. Bei 12°C Aussentemp. musste geheizt werden! Dennoch, war es toll und voller Ereignisse: Pfifferling-Essen, Geburtstage von Willi Reimers (57 Jahre) und Reinhardt Brandstätter (51) mit seinem Münchner-Fanclub!

Am Freitag, 30. Juni fuhr ich über Venedig quer durch die Toscana nach Rom auf den Camping Tiber, wo der Neger (=Info für Eingeweihte) immer noch zur Metrostation fährt. Endlich, mein Herz klopfte voller Aufregung und Sehnsucht, am Sonntagmorgen, 2. Juli um 09:23 Uhr entstieg dem Nachtzug von Basel meine Silvia, strahlend, in weissem Sommerkleid.

Während einer Woche schauten wir uns Rom an, und nicht nur den Petersplatz sondern auch all die römischen Ausgrabungen. Ich war überrascht, dass Silvia die römischer Kultur derart interessierte. Ich musste mein ganzes Wissen aus der Schule und von mindestens 6 Rom-Besuchen zusammenkratzen.... Es blieb auch noch genügend Zeit zum Shopping: Wer hat denn schon bei 35°C im Schatten eine dick gefütterte Lederjacke für den Winter gekauft?

Am Freitag, 7. Juli verschoben wir uns weiter in Richtung Süden nach Baia Domizia, etwa 35 km vor Neapel, wo wir uns mit weniger Kultur und umsomehr “dolce-far-niente” erholen wollten. Strand, Wein, Essen, Temperatur etc waren wundervoll. Schade war, dass die Qualität des ruhigen Spitzen- Camping-Platzes durch überlaute Disco-Musik der Höffmann-Jugend-Gruppe beeinträchtigt wurde.

Beeindruckt haben uns die beiden Ausgrabungen in Pompeji und die private Führung durch Herkulaneum. Pompeji wurde bekanntlich durch heisse Asche ziehmlich stark zerstört, während Herkulaneum durch einen 12-30 m dicken vulkanischen Schlammstrom recht gut konserviert wurde. So sind dort auch Holzgeräte wie z.B. Eingangstüren, Schiebetüren und Schränke erhalten geblieben. Zu schaffen machte uns vor allem in Pompeji die hohen Temperaturen. Silvia trug wohlweislich zum Ausgleich des Wasserhaushalts immer eine Flasche Mineralwasser auf sich.

Nach insgesamt 5 Wochen am Samstag, 22. Juli waren wir wieder zurück in Basel. In unserer Abwesenheit hat unsere liebe Nachbarin Frau E. Stulz unsere Zimmer- und Balkon-Pflanzen behütet und vorallem etwa 15 kg Himbeeren gepflückt. Sie meinte "Ich kann keine Himbeeren mehr sehen!"

Lipstick

Im Frühjahr nahm Silvia als freie Mitarbeiterin im Therapie-Center Neubad ihren Beruf als Kosmetikerin wieder auf und im Herbst begann sie eine 1-jährige Kosmetik-Weiterbildung. Dann aber überschlugen sich die Ereignisse....

Am 21. Sept. einigten wir uns mit Renate Altermatt und Dario Caloni, das Kosmetikstudio "Lipstick" im Gundeli (Solothurnerstrasse 42, unmittelbar bei der Gundeldingerstrasse) käuflich zu übernehmen. Mit einem Abschieds- und Eröffnungs-Apéro am 6. resp. 19. Oktober weihten wir zusammen mit etwa 70 Personen Silvias "Lipstick" ein!

Silvia ist voller Tatendrang und echt stolz auf ihre Selbständigkeit. Es ist ein schöner, heimeliger Salon an bester Lage. Mit Liebe dekoriert sie die Schaufenster individuell nach Ihrem Geschmack und ihren kreativen Ideen. Am 11. November genoss ich meine erste kosmetische Gesichts-Behandlung und schlief dabei ein !!!

An dieser Stelle möchte wir Leonore und Anette danken, die sich einmal je Woche Silvias Kinder annahmen und verpflegten.

Amsterdam

Zwischen den beiden "Lipstick"-Aperos fuhren wir vom 8. -13. Oktober mit der Eisenbahn im Schlafwagen nach Amsterdam, wo wir nicht nur eines der reichsten Museen der Welt, das Rijksmuseum mit Rembrandts Meisterwerk “Die Nachtwache”, besichtigten, sondern auch das nicht minder bekannte Sex-Museum und Madame Tussaud’s Wachsfigurenkabinnett mit den beiden Traum-Männern Arnold Schwarzenegger und Bon Jovi. Im weltberühmten Concertgebouw genossen wir ein Mittagskonzert und abends vergnügten wir uns indisch oder an den indonesischen Reistafeln bestehend aus etwa 8-10 Platten pro Person.

Sport

Nicht nur mit dem Fahrrad sind wir durch den Wald gebiked, sondern auch zu Fuss, was man joggen nennt. Auch bei Regen, denn durchs Spritzen, Ausrutschen und Stürzen wurde der Erlebniswert sprich Spass massiv erhöhte. Silvia und ich genossen es, gemeinsam durch den Wald zu traben und zu plaudern. Tennis ist zu kurz gekommen. Ich habe es nur in den Ferien und im Winter in der Halle gespielt. Ski-, Velo-, Schlittschuhfahren und Rollerblades bildeten weitere Randsportarten.

Mein persönlicher Schwerpunkt lag im 1995 eindeutig auf dem Langstreckenlauf. Wegen Erkältungen kam ich zwar nur auf 430 Trainigs-km, überstand jedoch neben einem 11 km Berg-Lauf meinen ersten Halb-Marathon (21.1 km) rund um den Greifensee mit einer Zeit von 1 Std. 54 Min.

Bis zum km 15 ging alles problemlos. Ich hatte keine Mühe und sah mich bereits am Ziel..... Aber dann kam innert wenigen Minuten der Hammermann. Meine Beine schmerzten, die Muskeln brannten (sie waren übersäuert), sie schienen sich um meine Knochen drehen zu wollen, jeder Schritt wurde zur Qual und musste bewusst vollzogen werden. Aber ich erreichte dennoch trabend das Ziel. Ich war echt stolz auf mich. Ich habe mich überwunden und meinen Kopf besiegt. Im 1996 will ich mich gezielter auf 2-3 derartige Halb-Marathons vorbereiten! Obwohl ich mich im Mittelfeld klassierte, waren die kenianischen Spitzenläufer etwa 50 Minuten schneller! (Bem: Ich könnte deren horrendes Tempo nur knapp 400 m mitgehen!).

Vermischtes:

Ich wünsche Euch allen fürs 1995 wunderschöne Stunden, spezielle Erlebnisse, unerwartete Ueberraschungen und Begegnungen, Zeit für neue Erkundungen.........

Mit vielen lieben und herzlichen Grüssen
Euer Max

 

Autobiografie von Max Lehmann
Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen
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