Mein Jahresrückblick 1993
(Teil meiner Autobiografie "Ich habe gelebt !" Letzte Aenderung: Version 1.0 vom 25. Jan. 2022)

Binningen, 31. Dez. 1993

Liebe Freunde in nah und fern

Wie schnell vergeht doch die Zeit. Wie schnell vergisst man! Wie schnell gewöhnt man sich an einen Zustand! 2½ Jahre dauert bereits der Krieg in Jugoslavien. Seit 5 Jahren bin ich (mehr oder weniger) wieder Single. Seit ½ Jahren wohnt Katja bei mir und ich werde am diesjährigen Silvester 51 Jahre alt.

Jahreswechsel 1992/93

Am 31. Dezember vor einem Jahr konnte ich im Kreise von 20 Freunden, 3 Kindern und 1 Ungeborenen (im 2. Monat) aus aller Herren Länder (Deutschland, Holland, Slowenien, München, Baselland) meinen 50. Silvester feiern. Ganz besonders gefreut haben mich der Besuch von Rudi und Mausi Hofmann aus Köln, sowie meiner Schwester Christine Graf mit ihrem Arnold und Kindern aus Rebstein im St.Galler-Rheintal.

Grosse Freude haben mir meine Freunde bereitet, weil sie keine Mühe gescheut haben, mir einen unvergesslichen Abend zu bescheren.

25. Feb. - 6. März: Skiferien und Basler Fasnacht

Es zeugt zwar nicht von grosser Phantasie, 11 mal in Bellwald die Skiferien zu verbringen, aber es ist hier oben so gemütlich und erholsam. Diesmal bestand die Expedition aus Daniela und Isabelle Frede, Katja und ihrem Reto, der am 5. März seinen 20. Geburtstag feierte. Und wiederum machten Daniela und ich eine Stipp-Visite an die Basler-Fasnacht: Um 4 Uhr waren wir am "Morgestraich" und nachmittags genossen wir den Umzug ("Cortège" genannt), bevor wir wieder nach Bellwald zurückfuhren.

1. Mai: Walliser Südrampe Hohtenn - Visp mit Edith und Pfupf Seitz

Wenn Ihr die berühmten "heiligen Wasser" im Wallis sehen wollt, dann kann ich die wunderbare 5-7-stündige Wanderung von Hohtenn nach Visp bestens empfehlen. Die teilweise in den Fels gehauenen Wasserleitungen den steilen Hängen des Wallis entlang, die seit Hunderten von Jahren für die Bewässerung der Felder benutzt werden, sind beeindruckend.

25. Juni - 17. Juli: Ferien auf Solaris

Wenn ich jetzt, beim Schreiben dieses Berichtes aus dem Fenster schaue, dann ist es kalt, es schneit und auf den umliegenden Hügeln liegt Schnee. Meine Erinnerungen sind jedoch in der Wärme auf Solaris, wo ich dieses Jahr fast alle meine Freunde wieder traf.

Der Schreck bei der Abfahrt, als wir feststellten, dass Daniela die Identitätskarte zu Hause vergessen hatte, blieb glücklicherweise der einzige Schreck. Die Irrfahrt in und durch Triest blieb eine Episode, die durch die vielfältige Schreibweise der Wegweiser wie Jugoslavia, Istria, Croatia, Koper, Capodistria etc und deren unterschiedlichen Richtungen nicht verwundern durfte.

Es gab wieder ein paar Geburtstage zu feiern: der des Reinhardt aus München und wie gewohnt der von Doris aus BL (=Balingen und nicht Baselland). Als Bewacher des Bratens zu Ehren von Doris wurde ich ausersehen und bewaffnete mich zu diesem Zweck mit einem Glas Wein und der dazu gehörenden Flasche.

Pfifferlinge oder Eierschwämme, wie wir diese geschmackvollen Pilze nennen, bildeten mehrmals zusammen mit Reis eine wunderbare Malzeit. Als wir Mausi und Rudi einluden, ich kann es ja nun beichten, rutschte mir die Pfanne mit 1 kg essbereiten Pilzen vom Gas-Rechaud auf den Boden. Ich reagierte geistesgegenwärtig, schöpfte die Pilze samt Sauce vom Boden in die Pfanne zurück, kochte kurz nochmals auf und servierte den hungrigen Gästen "das Spezial- Menue à la Max".

Die Wiederholung des letztjährigen Ausfluges zu den beiden berühmten und sehenswerten Bergdörfern/-Festungen Motovun und Groznjan wurde zu einem unerwarteten Erlebnis, denn zum ersten Mal erlebten wir die indirekten Auswirkungen des Krieges für die Bevölkerung: Der Fremdenverkehr war zusammengebrochen, Hotels, Gallerien und Geschäfte waren geschlossen. Es fehlte in Motovun das Geld für den Unterhalt der Parkanlagen, wobei dies nicht erstaunte, wenn man für einen guten echten Espresso im besten Hotel nur 25 Rappen bezahlen musste.

Der internationale Tennis-Match des Jahrhunderts um die Tennis-Vorherrschaft auf Solaris zwischen Lucio aus Leifers/Italien und mir hat endlich stattgefunden: die erste Begegnung gewann Lucio bei starken Sturmböen 6:0, 4:6, 6:2. Die Revanche bei regulären Verhältnissen musste nach 1 Stunde bei unentschiedenem Stand von 6:6 abgebrochen werden, weil der Platzwart den Tennisplatz spritzen wollte! Warum nannte man mich von nun an wohl "Speedy Gonzales"?

Schlussendlich darf die Fortsetzung der Liebes-Geschichte von Daniela und Maurizio aus Triest nicht verschwiegen werden. Oh, wie habe ich die beiden doch benieden!

Sport

Wie Ihr alle wisst, nimmt der aktive Sport in meinem Leben eine wichtige Rolle ein. Ich brauche die Bewegung und den Ansporn, mich zu messen. Auch dieses Jahr ging es mit meinen Tennis- Künsten wieder ein wenig aufwärts.

Am 4. September gewann ich mein erstes Tennis-Turnier und damit meinen ersten Pokal, das Trost-Turnier der offenen Herren-Meisterschaften des Tennisclub Birsmatt (im Final gegen den Studenten Philip Walter 6:3, 6:2).

Unvergesslich bleibt aber auch meine Niederlage in einem verrückten Spiel gegen Philip Graf mit 6:1, 1:6, 6:1.

2. - 9. Okt.: Verrückte Tage in St. Tropez

Das unbeschwerte und etwas verrückte Leben, die prächtigen Tahiti- und Pampelonne-Strände, die interessanten und attraktiven Leute, sowie die wunderbare Lage der kleinen Hafenstadt St.Tropez haben mich schon immer fasziniert.

Diesen Herbst hat es mich wieder einmal gepackt. Der Wohnwagen wurde angehängt und ab ging es zusammen mit Vreni in Richtung Süden auf den Zeltplatz Les Tournels bei Ramatuelle. Seine terrassenförmig angeordneten Standplätze erlaubten einen weiten Blick über das Hinterland und die Bucht von Pampelonne.

Wir haben vieles erlebt: himmlisches Essen und prickelnde Atmosphäre, eine zugelaufene schwarze Kleiderpuppe in Port Grimaud, abschüssige Gässchen in Fayence, schöne und elegante Menschen, libanesisches Essen in Gogolin, beeindruckendes Vasarely-Museum in Aix-en-Provence, beängstigendes Hochwasser und unheimliche Überschwemmungen im Rhone-Tal.

Vermischtes:

Meine Muter ist inzwischen 82 Jahre alt und immer noch rüstig. Leider lassen seit ein paar Monaten die Sehkräfte Ihrer Augen nach. An meinem Geburtstag hat sie mir ein wunderschönes Gedicht gewidmet, dessen erste zwei Zeilen ich Euch allen als Neujahrswunsch entbieten möchte:

Ich wünsch Euch Glück, dem sagt man so!
Alles Gute! Bleibt gesund und froh!

Mit vielen lieben und herzlichen Grüssen
Euer Max Lehmann

 

Autobiografie von Max Lehmann
Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen
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