Mein Jahresrückblick 1991
(Teil meiner Autobiografie "Ich habe gelebt !" Letzte Aenderung: Version 1.0 vom 25. Jan. 2022)

Binningen, 31. Dez. 1991

Daniela in Rom (1991)

Liebe Freunde in nah und fern

Zwei grausame Kriege haben das vergangene Jahr überschattet, der Golfkrieg und der nicht minder unverständliche Bürgerkrieg resp. serbische Eroberungskrieg in Jugoslavien.

Erstmals in meinem Leben bin ich bewusst und direkt von kriegerischen Ereignisse betroffen worden, denn mehrere Jahre habe ich wunderbare Ferien in Istrien (Kroatien) verbracht. Noch vor 2 Jahren besuchten wir zusammen mit Ulagas das Naturschutzgebiet der Plitvizer-Seen, welches sich inmitten des heutigen Kriegsgebiets befindet.

Jahreswechsel 90/91

Der Jahreswechsel 90/91 wurde für Maria und Bernhard Bäumer, Milena und Bogdan Ulaga, Fritz Gerber und Monica Graf, Elisabeth von Flüh mit ihrem Franz, Ingrid und Georges Himmelsbach sowie 8 kleineren und grösseren Kindern wiederum zu einem schönen Erlebnis.

Schmunzelnd erinnere ich mich an die oft linkischen Lambada-Verrenkungen unserer Glieder. Das Wasser läuft mir heute noch im Munde zusammen, wenn ich an die wunderbare Curry-Hühnersuppe von Maria, an den feinen Mousse-aux-Chocolat von Milena und die duftige Käseplatte von Ingrid denke. Der Gault Millau hätte für diese Köstlichkeiten gegen 20 Hüte wenn nicht Schildmützen verteilen müssen.

Nicht mehr wegzudenken ist die uneigennützige und wohltätige Tradition der Männer, gemeinsam am 1. Januar bei mir aufzuräumen und anschliessend wie es sich gehört, die reichlich vorhandenen Speise-Reste (Hühnersuppe, Lachs und Champagner, Mousse etc) aufzuessen und leerzutrinken! Ja, Ordnung muss sein!

Skiferien

Vom 16. - 24. Februar verbrachte ich mit Katja und Daniela, sowie mit Isabelle Frede, einer Freundin von Daniela, wiederum bei schönstem Wetter und besten Schneeverhältnissen unsere Skiferien in Bellwald im Wallis. Es war ein Vergnügen, wie meine beiden Mädchen resp. Fräuleins mich beim Skifahren forderten. Nun wurde über die Buckel gesprungen und nicht mehr über die Piste geschlichen!

Dank Ruth habe ich meinen geistigen Horizont erweitert

Ende Januar lernte ich mit Ruth eine Person kennen, die mein Leben grundlegend verändern sollte. Wie schrieb ich doch in einer meiner ersten Tagebuch-Einträge "Ruth ist eine intellektuelle und musische Frau. Sie liebt und lebt mit und für die klassische Musik. Kann ich da mithalten?"

In der Zwischenzeit habe ich aber auch festgestellt, dass Ruth noch viele andere Qualitäten und "Schwächen" hat. Sie liebt Camping und die italienische Lebensweise inbegriffen das "dolce far niente", den Wein, den aktiven Sport, geniesst den Garten und macht wunderbare Fotos ....

Ruth hat mich gelehrt, über mich nachzudenken; sie hat in mir aber auch die Liebe zur klassischen Musik wiederaufgedeckt, die seit meiner späteren Jugendzeit schlummerte. So besuchten wir zusammen unter anderem die Opern "L'Elisir d'Amore" von Gaetano Donizetti, die Verdi-Oper "La Traviata" mit der Rumänin Ana Felicia Filipe in der Rolle als Violetta Valéry und in den Sommerferien "Aida" in den Caracalla Thermen. Ein ganz besonderes Erlebnis war bestimmt das Galakonzert am 23. Nov. des London Philharmonic Orchestra unter Leitung von Sir Yehudi Menuhin mit seinem Sohn Jeremy als Klavier-Solist.

Anfang Mai leisteten wir uns eine "Studienwoche" in Paris. Eindrücklich und gleichzeitig einzigartig war die Camille Claudel-Ausstellung im Musée Rodin, wo man die Werke beider Künstler nebeneinander bewundern konnte. Wer hat wem wohl die Ideen kopiert? Ganz besonders fasziniert war ich vom Musée d'Orsay mit all den bekannten Kunstwerken von Van Gogh, Cézanne, Monet, Sisley etc.

1. - 26. Juli: Sommerferien in Italien (Grosseto, Rom, Neapel)

Wegen des Krieges in Jugoslavien entschlossen wir uns, umzuplanen und unsere Wohnwagen-Ferien in Italien zu verbringen. Ich wollte Erinnerungen aufleben lassen und meinen Kindern die römischen Stätte zeigen, die ich in meiner Jugendzeit 3mal bereiste.

Am Montag um 15:30 fuhr ich mit meiner Beifahrerin Daniela ab in Richtung Süden. Am Zoll Chiasso hatten wir zwar Probleme, denn empörte Lastwagen-Chauffeure sperrten die Zufahrt zum Zoll, sodass wir über Como ausweichen mussten. Nach einigen Stunden unruhigem Schlaf auf einer Raststätte nach Mailand langten wir am Dienstag-Mittag an unserem ersten Etappenziel auf dem Camping-Platz Maremma inmitten dem Naturschutzgebiet bei Grosseto an. Dort wollten wir uns ein paar Tage von den beruflichen und schulischen Strapazen erholen.

In der Realität sah diese Erholung so aus, dass ich am 2. Tag mit einer geschwollenen Backe aufwachte und aussah wie der Frankenstein. Der Zahnarzt Dottore Agostino Mangiaracina in Castiglione della Pescaia war wahrscheinlich ein Meister seines Faches. Er sprach im Gegensatz zu mir nur italienisch, aber bereits 2 Stunden später waren 2 Eiterzähne extrahiert (wie es auch auf italienisch heisst). All dies kostete nur Lire 130'000 oder Fr. 202.--.

Am Freitag, 5. Juli fuhren wir weiter nach Rom, was ohne Probleme gelang. Nur leider habe ich irgendwo eine Abzweigung verpasst, denn ich landete mit dem über 11 Meter langen Auto-Wohnwagen-Gefährt zwar nicht auf dem Petersplatz, aber nicht weit davon entfernt mitten im Mittagsverkehr der Stadt Rom. Dank meiner 10 Finger und den paar italienischen Brocken wie "destra, sinistra, diritto, dove und grazie" fanden wir aber dennoch den Zeltplatz "Tiber" in Prima Porto etwas ausserhalb Roms. Ein Aufsteller besondere Art war in dieser Situation, als mich ein italienischer Lastwagenfahrer nach dem besten Weg zum Olympiastadion fragte. Tante grazie, non capisco! (Cavallo!)

Am Montag, 8.Juni kamen Katja und Ruth nach, sodass wir wieder komplett waren.

Rom hat nicht nur viele Museen, Rom ist ein Museum und kann Zeugen aus allen Perioden seiner fast 3'000-jährigen Geschichte vorweisen, wie das monumentale Kolosseum, das Forum Romanum, die Piazza Navona mit dem wunderbaren Fontana dei Fiumi (Vierflüsse-Brunnen) von Bernini, die Peterskirche und die modernen Einkaufsstrassen rund um die spanische Treppe. Wusstet Ihr, dass nicht die Peterskirche die ranghöchste Kirche der katholischen Welt ist, sondern die Lateran-Basilika? Wir sahen uns viel an. Wir eilten von Ort zu Ort und übertrieben auch ein wenig. Auch Rom ist eine weitere Reise wert!

Der Höhepunkt in Rom war aber bestimmt die Freilichtaufführung der Verdi-Oper "Aida" unter Leitung von "unserem" Nello Santi in den Caracalla-Thermen. Vier Stunden dauerte das Spektakel, wobei die Grösse der Bühnen-Anlage, der Aufwand an mehreren hundert Komparsen und Chormitgliedern, die über die Bühne reitenden Pferde-Wagen beim Triumphzug und schlussendlich auch die italienische Mentalität der begeisterten Zuschauer überwältigend waren.

Nach einer Woche Rom gings weiter in Richtung Neapel, wo wir in "Baia Domozia" einem der wenigen aussergewöhnlichen 1. Klasse-Campingplätze den Rest unserer Ferien verbrachten. Von hier aus machten wir Ausflüge nach Pompeji und zum Vesuv. Typische Märkte besuchten wir in Gaeta und Cellole. Wusstet Ihr, dass Lucius Munatius Plancus, der Gründer von Augusta Raurica und damit von Basel, in Gaeta begraben liegt? Wir haben dies leider auch erst in Basel von einem Taxifahrer(!) erfahren.

Vermischtes

Ich wünsche Euch Allen schöne Festtage und fürs 1992 beste Gesundheit, Zufriedenheit, Lebensfreude, Erfolg, liebe Freunde und ein Wiedersehen.

Mit vielen lieben und herzlichen Grüssen
Euer Max Lehmann

 

Autobiografie von Max Lehmann
Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen
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