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Mai 06 2017

6. – 13. Mai 2017: Ich war mal kurz weg – in Gatteo Mare (Italien)

Radrennwoche mit dem VC Dornach

16% Anstieg zum Monteleone

In den vergangenen Jahren fuhr ich jeweilen Anfangs Mai 1 Woche in die Toskana nach Follonica zu einer Radrennwoche mit Basler Freunden. Dieses Jahr habe ich mich dem Veloclub VC Dornach angeschlossen und diesen am Samstag, 6. Mai in Gatteo Mare (I) in der Nähe von Cesenatico im Hotel Capitol resp. Spiaggia getroffen. Dabei waren aus meinem Basler Freundeskreis Renato B. und Ruedi R.

Die Hinfahrt von Istrien war mit 465 km akzeptabel, wie auch das Reisewetter. Aber am Nachmittag begann es dann zu regnen. Der Wetterbericht für die nächsten Tage verheisst nichts Gutes. Ich werde sehen und berichten.

Als grosse Ueberraschung traf ich Franca und Carlo Rossi, sowie Lotti und Ralph Thoma, mit denen ich vor 2 Jahren im thailändischen Hua-Hin einige Ausfahrten machte. Unvergessliche Erinnerungen kamen auf.

Gatteo Mare ist zur Zeit zu über 80% ausgestorben. Die meisten Hotelpaläste sind geschlossen, bis auf ein paar wenige, die sich auf den Radsport spezialisiert haben. Aber auch bei den meisten Gelaterias oder Pizzerias sind die Läden unten. Der Strand ist ebenfalls leeer, nicht einmal Sonnenschirme sind installiert. Alles ist im Aufbau begriffen. Die Saison soll erst Mitte Mai beginnen und bis Mitte September dauern, also nur 4 Monate..

Sonntag, 7. Mai 2017: Bedeckt, kühl, kein Regen, Ausfahrt über 62 km, 588 Höhendifferenz

Die erste Ausfahrt vom Sonntag führte uns nach Sagliano über 62 km. Es war kühl. Ich trug 4 Schichten Kleider übereinander beginnend vom doppelschichtigen Stopper-Unterleibchen, 2 Rennshirts, davon eines mit langen Aermeln und darüber den Windstopper. Es war eine schöne Tour, zwischendurch aber etwas steil mit 14-17%. Diese Teilstrecke machte ich zu Fuss.

Unterwegs in Savigniano kamen wir an einem echt tollen Trödler-Markt vorbei. Da gab es alles zu finden, was irgendwann in den letzten 100 Jahren in einem Haushalt benutzt wurde. Um alles optisch noch schöner zu machen, schien in dieser Zeit die Sonne.

Abends landeten wir wie beim VC Dornach üblich beim Pippo zum Bier. Dort kaufte ich von einem Marokkanner Händler 9 Paar Radsocken zu 10 Euro. Diese sollten eine zeitlang reichen.

Montag, 8. Mai 2017: Sonnenschein, kühl – warm, Ausfahrt 62 km, 559 m Höhendifferenz

Walter Stegmann aus Heimberg bei Thun war diese ganze Woche unsere Guide. Er machte es unterstützt von seiner Ursula bestens. Einzig das Wort „Monte“ sollte er aus seinem Wortschatz streichen, denn wiederum ging es auf einen Monte, nämlich auf den „Monteleone“ …. mit vielen Steigungs-Prozente, die es in sich hatten! Steigungen haben aber den Vorteil, dass es auch wider runter geht. Im Aufstieg war ich eher ein schwer schnaufendes Sorgenkind, während ich in der Abfahrt nur den Renato zu fürchten hatte.

In Anbetracht der Wärme habe ich meine Winter-Kleidung um eine Schicht, den äusseren Windstopper, reduziert. Dank der verbliebenen 3 Schichten fühlte sich mein Körper wohl: „wie in Thailand“ meinte er.

Nach meiner Ankunft im Hotel und dem üblichen Waschen meiner Rad-Kombis brachte ich mein Look-Rennrad zum Nanni, dem Orts-Velohändler zur Revision. Mein Rad hat es bitter-nötig. Bestimmt muss die Kette ausgewechselt werden. Morgen wird es voraussichtlich regnen, so brauche ich den Renner nicht. So nebenbei habe ich mir eine ¾-Rennhose der italienischen Kult-Marke „Castelli-Evoluzione“ zu Euro 84 gekauft. Ich glaube, dies war ein guter Preis.

Dienstag, 9. Mai 2017: Regen, Gewitter, Nachmittags besser, Zeit für Shopping

Meine Meteo-App hatte es drohend angekündigt. Pünktlich um 8 Uhr ein Wolkenbruch mit Blitz und Donner. Es schüttete aus Kübeln, wie es nur im Süden giessen kann.

Was tun? Guter Rat war teuer. Renato hatte die Idee: Wir fuhren mit dem Auto ins Decathlon Shopping Center für Sportartikel und anschliessend in den Lebensmittel-Markt in der Nähe, wo ich Prosecco, Salami und Parma-Schinken einkaufte. Wie froh waren wir um das Auto. Der Regen stand in den Strassen und Unterführungen zum Teil 10-20 cm hoch.

So wie es angefangen hat, so hat es auch gegen 14 Uhr aufgehört zu schütten und die Sonne zeigte sich von ihrer schönsten Seite. Gegen Abend holte ich mein Rennrad beim Nanni ab, der mir die Kette auswechselte. 57 Euro zahlte ich für den Spass, wobei er nur 15 Euro für die Arbeit verrechnet hat. Wahrlich keine Apotheker-Preise.

Mittwoch, 10. Mai 2017: Sonnenschein, blauer Himmel: 62 km mit 500m Höhhendifferenz

Nach der Fotosession vor dem Hotel ging es in 3 Gruppen auf einen einheimischen, schweizerischen Winzer- und Oliven-Öl-Hof, wo wir herzlich bewirtet wurden. Diesmal standen nur etwa 10%-Steigung auf dem Programm. Die Strecke kannte ich von vorgestern. Aber meine Schaltung machte mir Probleme. Ich konnte nicht richtig drücken. Die Kette fasste nicht. Renato diagnoszierte ganz klar: Man hätte nicht nur die Kette, sondern auch die Kassette auswechseln sollen. Zurück in Gatteo Mare beim Nanni-Velo-Geschäft erhielt ich resp. mein Rennrad eine neue Kassette zu Euro 60.

Nun steht eigentlich unserem Plan für die Freitag-Fahrt hinauf nach San Marino auf 640m Höhe nichts mehr im Wege.

Donnerstag, 11. Mai 2017: Zuerst Sonnenschein, anschliessend bedeckt, wenig Wind: 71 km mit 447 m Höhendifferenz

Sonnenschein weckte mich bereits um 6 Uhr. Kurz vor 8 Uhr ging ich zum grossartigen Frühstücksbuffet. Rührei mit Speck und Schinken, und später ein grosses Müesli mit Yoghurt bildete den Boden für den Tag. Bei Sonnenschein und angenehmer Temperatur fuhren wir via Rimini in Richtung Verucchio. Ja, ihr habt es geahnt: Wiederum eine Bergankunft! Aber ein schönes Ziel in der malerischen Umgebung einer alten Stadt. Die Rückfahrt war dann hart. Kalter Wind bei bedecktem Himmel kühlte uns alle aus. 15 Grad hat einer an einer Anzeige bei einer Bank gelesen.

Um es klar zu stellen. Es würde auch im Raume Cesenatico – Rimini Rad-Strecken ohne Bergankünfte geben, aber unserem Walle, so heisst unser Guide, liebt eine Bergankunft genau gleich wie ich eine Portion Tiramisu. Ja, er ist süchtig danach!

Morgen Freitag soll es gemäss unserer Meteo-App wärmer werden. Hoffentlich weiss dies Petrus

Freitag, 12. Mai 2017: Wie gestern, anfänglich Sonnenschein, dann bedeckter Himmel: 90 km mit 1’050 m Höhendifferenz

Petrus hatte Einsehen mit mir. Mit Sonnenschein wurde ich auch heute aufgeweckt. San Marino mit einem 700m-Anstieg stand auf dem Programm. Wir starteten bereits um 09:30 Uhr,, denn es sollte ein langer Arbeits-Tag werden.

Die Anfahrt zum Fusse von San Marino war problemlos. Die Sonne schien. Es war angenehm warm. Hoch oben hinter zwei Bergsättel sah ich die Festung. Dort war mein Ziel. Der erste Teil der modernen Zufahrtsstrasse war steil. Ich schätze um die 10%. Dazwischen immer wieder flachere Stellen um die 7-8%, aber dann auch wieder bis zu 13-14%.

Drei Mal bin ich abgestiegen, weil mein Kopf nicht mehr wollte. Nach kurzer Erholung ging es wieder weiter. Ich war trotz allem erstaunt, wie locker ich hinauffuhr. Ohne meinen Kopf hätte ich San Marino ohne Halt geschafft.  Erleichtert und unterstützt hat mich mein GPS-Garmin, das mir die Höhe anzeigte. Bald war ich auf halber Höhe. Dann fehlten nur noch 100 m und von weitem sah ich den Polizisten von San Marino, der den Verkehr regelte. Dort warteten bereits meine Freunde. Glücksgefühle überlamen mich. Ich habe es geschafft.

Samstag, 13. Mai 2017: Heimfahrt und Rückblick

Weil meine Freunde bereits um 7 Uhr mit dem Bus nach Basel zurückfahren werden, gab es ein vorgezogenes Frühstück. Auch ich startete zur selben Zeit und erreichte mein Heim in Istrien bereits um die Mittagszeit. Der Verkehr war minimal. Einmal knallte es heftig auf meiner Windschutzscheibe. Woher kam wohl dieser Stein? Zwei Tage später entdeckte ich den Riss in meiner Windschutzscheibe. Bin ich froh, dass die heutigen Windschutzscheiben nicht mehr in keline Splitter zerbröseln, wie ich es letztmals vor 50 Jahren erlebte.

Es war eine tolle Woche mit dem VC Dornach. Mit dem Wetter haben wir ungemein Glück gehabt. Anfänglich sah es nach einer nassen, regnerischen Katastrophenwoche aus. Dann überraschten uns die typischen italienischen Aufhellungen mit Sonne und blauem Himmel. Einmal hatte es geregnet. An den übrigen Tagen war ein Radfahren ohne Regenschutz möglich.

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