30. Juni 2012: Parenzana: Bericht über eine erlebnisreiche Rad-Fahrt durch die k+k-Geschichte der Schmalspurbahn

Wir waren uns bewusst, es würde ein heisser Tag werden. 32°C waren angesagt. Um 8 Uhr starteten wir mit unseren Mountain-Bikes zur Fahrt auf dem alten Trasse der k+k-Eisenbahn zwischen Viznjan und Buje.   Ich  hatte 2 Bidons elektrolytischer Getränke bei mir, sowie 2 Taschenlampen für die Tunnels. Am Abend vorher habe ich mich vorsorglich mit Nudeln gestärkt.

Karte der Parenzana in Istrien

Die Strecke führte uns vom Camping Solaris via Tar und Kastelir etwa 2 km vor Viznjan zum Einstieg in die Parenzana. Gleichmässig und max. 3.5% waren die Anstiege und Gefälle, eben wie es für eine Eisenbahn üblich ist. Bei Vizinada gab es beim Modell einer der alten Dampf-Lokomotiven unseren ersten Fotostop.

Modell der Parenzana-Lokomotive

Martina und Max im Führerstand

Dann ging es über 15km gleichmässig abwärts in Richtung Motovun nach Livade. Durch malerische Landschaften, über 2 Viadukte und schlussendlich durch den gefürchtigen 300 m langen Tunnel vor Motovun. Wir hatten Taschenlampen bei uns, denn drinnen war es stockdunkel. An ein Fahren ohne Licht wäre undenkbar.

Parenzana: 64m langes Sabadin-Viadukt auf dem Weg nach Motovun

Man hörte nur die Grillen und Vögel und die aufschlagenden Reifen der Fahrräder. Wir waren alleine weit und breit. Alles schien bestens. Ich bestaunte noch die ruhige Fahrt von Martinas Bike, bis ein paar Sekunden später ihr Hinterrad seinen Geist aufgab. Plattfuss sagt man dem in Fachsprache und bedeutet schmutzige Arbeit, Aber wir hatten mit Klaus eine gute „Pumpe“ bei uns, sodass wir nach etwa 45 Minuten wieder weiterfahren konnten. Warum diese Panne solange dauerte? Weil der Reifen ein österreichischer war und beim ersten Mal ab der Felge rutschte !!! ha-ha-ha !

Parenzana: Eisenbahntunnel bei Motovun

Martina und Klaus am Ende des Tunnels

Die steinige Strecke führte uns weiter abwärts in gleichmässigem Gefälle bis nach Livada, wo wir im ersten dortigen Café einen gespritzten Süssmost und ich ein Cola zu uns nahmen. Es war schon recht heiss, aber auf dem Rad kühlte der Fahrtwind recht gut. Es ging weiter via Kreisel beim Rest. Zigante in westlicher Richtung. Bereits nach wenigen Metern sahen wir links auf einem grösseren Parkplatz die Parenza-Wegbeschreibung und gaben Druck auf die Pedale und bemerkten nicht, dass innert weniger Meter (20-100m) eine Parenzana-Rechtsabbiege-Tafel gewesen sein muss. So haben wir eine der schönsten Abschnitte der Parenzana verpasst.

Wir fuhren also weiter parallel zum Fluss Mirna auf einem Schotterweg. Da wir auch keine Parenzana-Kilometer-Tafeln mehr entdeckten, waren wir verunsichert. Deshalb fragten wir eine Bauernfamilie, die gemütlich unter einem grossen Baum Schutz vor der Sonne suchte, ob wir hier auf der Parenzana seien. Sie nickten alle, weil sie uns wahrscheinlich nicht verstanden haben … und wir waren froh, dass sie nickten, denn sie bestätigten uns damit, dass wir nicht zurückkehren mussten.

Also weiter auf dem Schotterweg bis zu einer Weggabelung mit einem Wegweiser entweder weiterhin flach gegen Westen oder den Berg hinauf in Richtung  „Zaversje (Piemonte) 4 km“. Nun mussten wir entscheiden. Wir wussten, es muss nun aufwärts gehen, also nahmen wir nach Konsultation der Karte den steilen Anstieg, weil wir auf diesem Weg die Parenzana kreuzen mussten. Diese 4 resp. 3 km waren hart. Der Schweiss lief in Strömen. Die Steigung immer knapp machbar. Die Muskeln schmerzten. und dann welche Freude eine Parenzana-Tafel und daneben die Ueberreste eines Bahngebäudes. So muss es einem Durstenden ergehen, wenn vor ihm unverhofft ein See mit Wasser auftauscht.

Und wiederum mussten wir entscheiden: rechts oder links nach Groznjan? Es war eigentlich logisch, aber unser Hirn machte es uns schwer. Klar musste es nach links gegen Westen gehen und so erlebten wir eine der schönsten Strecken unserer Fahrt. Links ein wunderbarer Blick ins Mirna-Tal und vor uns tauchte immer wieder die Silhouette von Groznjan auf. Die Strecke führte uns auf schmalem Pfad über und unter kleine Brücken und durch zwei Tunnels. Diese paar Kilometer bis nach Groznjan waren ein Klacks gegen den vorherigen Aufstieg.

Brücke über die Parenzana Strecke

Im einmaligen Künstlerdorf Groznjan genehmigten wir uns in wunderbarem Ambiente im Rest. Bastia neben Getränken eine feine Portion hausgemachter Nudeln mit Trüffel. Es war Doping erster Klasse und vom feinsten.

Nun folgte auf der weiteren Fahrt nach Buje das Dessert, denn es ging von nun an immer abwärts. Man konnte die Räder laufen lassen.

Eine kleine knifflige Stelle gab es nach Groznjan: Der Parenzana-Wegweiser an der ersten Abzweigung führte erstaunlicherweise in Richtung Peroy steil die Strasse hoch und nach etwa 100 m später rechts extrem steil durch den Wald auf einen schlechten Schotterweg, den man je nach Fahrfertigkeit sogar zu Fuss nehmen musste. Der Weg roch penetrant nach Ziegen. Aber bereits nach wenigen 100 m ging es dann zügig weiter auf feinem Kies- und Sandbelag in Richtung Buje.

Parenzana: Auf dem Weg nach Groznjan

Es war wirklich eine feine Nachspeise, die uns jubeln lies, bevor es dann wie als Strafe durch Buje via Novigrad nach Lanterna resp. Solaris auf asphaltierten Strassen weiterging. Hier spürten wir, wie die Schotter- und Steinwege uns in die Muskeln gefahren sind. Nach 7 Stunden und 88 km langten wir um 15 Uhr in Solaris ein. Wir waren kaputt aber glücklich ob unserer Leistung und den gewonnenen Eindrücken. Nach der verdienten Dusche schlief ich 2 Stunden auf dem Liegebett unter meinem Olivenbaum und träumte wunderbare Dinge.

Es war eine tolle Fahrt auf einer empfehlenswerten Strecke für ausdauernde Biker. Es war nicht die Hitze, die uns kaputt gemacht hat, sondern eher die rüttelnden Kies- und Steinwege, die uns durchschüttelten, sowie die Höhendifferenz von gegen 800 m.

Die Beschilderung der Parenzana war fehlerfrei und die regelmässigen weissen Kilometersteine zeigten an, dass man auf dem rechten Weg war. Die Parenzana ist eine tolle Mountain-Bike-Strecke. Man kann sie auch in kleineren Tranchen abfahren.


Historische und eher technische Informationen über die Parenzana findest Du unter folgendem Link:

»Parenzana: k+k-Eisenbahnlinie nach Porec

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