5. - 10. Jan. 2009: Mein Visa-Run nach Kambodscha: Phnom Penh, Siem Reap und Angkor Wat

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Phnom Penh: Boot auf dem Mekong
Verkehr, Land und Leute
Schwimmende Dörfer auf dem "Tonle Sap"

Mein Thailand-Visum lief nach 3 Monaten ab und ich musste vorher das Land verlassen, um dann wieder für weitere 3 Monate einreisen zu können. Diesen Unterbruch benutzte ich, um mit Pat Kambodscha und Angkor Wat zu bereisen.

Bereits um 4 Uhr war Tagwache, denn um 07:40 war Abflug mit Bangkok Airways (PG 631) zum 1-stündigen Flug nach Phnom Penh, der Hauptstadt von Kambodscha, wo wir von unserem deutsch-/englisch-sprechenden Guide am Flughafen abgeholt wurden. Unverzüglich ging es auf Besichtigungstour, bevor wir ins Hotel Juliana eincheckten.

Als erstes stand der Königspalast mit der Silberpagode auf dem Programm. Die gesamte Anlage ist vergleichbar dem thailändischen Königspalast mit angrenzender Tempelanlage, nur um einiges kleiner. Die Silberpagode ist so benannt, weil ihr ganzer Fussboden mit unzähligen 1 kg schweren 20x20cm grossen Silberplatten belegt ist. Ich muss hier an dieser Stelle gestehen, dass ich nicht wusste, dass Kambodscha von einem König regiert wird. Wie mir berichtet wurde, war dies bis vor wenigen Jahren "Norodom Sihanouk", der im 2004 82-jährig freiwillig abdankte und sein Amt seinem einzigen die Rote Khmer Aera überlebenden Sohn "Norodom Sihamoni" übergab. Dieser war vorher Ballett-Tänzer und lebte in Paris. Vier seiner Brüder wurden von den Roten Khmers ermordet.

Als nächstes stand ein äusserst bedrückendes Erlebnis auf dem Programm: Das "Genozid-Museum Toul Sleng" im ehemaligen berüchtigten Gefängnis S-21 der Roten Khmer. Hier wurde ein grosser Teil der geistigen Elite wie Politiker, Wissenschafter, Lehrer, Militärs, Aerzte, Ingenieure, Schriftsteller, Journalisten etc, man spricht von 17-20'000, aufs grässlichste gefoltert und anschliessend ermordet. Das Regime wählte willkürlich aus. Sogar Kinder und Babys wurden verhaftet und gnadenlos abgeschlachtet. Wir haben nach der Häfte der Führung die Besichtigung abgebrochen. Wir waren den dokumentierten Grausamkeiten nicht gewachsen.

Mich erinnerte das ganze an die Konzentrationslager in Deutschland, nur nahm die Welt von diesem grausamen Ereignis in Kambodscha wenig Kenntnis. Die meisten der ehemaligen Roten-Khmer-Führer konnten untertauchen und ein ganz normales Leben führen, wie z.B. der Anführer Pol Pot, der in Kambodscha sogar nochmals heiratete. Die drei wichtigsten Politiker im Lande, der Parlaments-Präsident, der Senatspräsident und Ministerpräsident waren alle ehemalige Führer bei den Roten Khmers.

Auf Schritt und Tritt verfolgte uns die tragische Geschichte dieses kambodschanischen Volkes in den letzten 40 Jahren. Zufällig wurde während unseres Aufenthaltes am 7. Jan. 2009 der 30. Jahrestag der Befreiung von den Roten Khmer gefeiert. Innert "3 Jahren 8 Monaten 20 Tagen" (eine Zeitspanne, die man immer wieder zu hören bekam) ab 1975 ruinierte die Schreckensherrschaft des Pol Pot Regimes der Roten Khmers das damals florierende Kambodscha. Etwa 1.7 Mio Kambodschaner wurden ermordet, verhungerten oder starben an den Entbehrungen. So ist es nicht überraschend, dass es in diesem Land heute wenige ältere Leute gibt. Die kommunistischen Roten Khmers haben sogar die Nationalbank in die Luft gesprengt, um ihre Verachtung vor dem Geld zu dokumentieren, und das Geld abgeschafft. Sie erlaubten nur noch Tauschgeschäfte. Bereits 2 Stunden nach ihrer Machtübernahme wurde die gesamte Bevölkerung aus Phnom Penh aufs Land vertrieben, weil man sie so besser unter Kontrolle hatte. Phnom Penh wurde zur Geisterstadt. Heute gehört Kambodscha zu einem der ärmsten Länder der Erde und baut mühsam eine neue Intelligenz-Struktur auf.

Man darf nun aber nicht die Augen vor den damaligen Fehlleistungen der Amerikaner verschliessen. Aus politischen Gründen haben sie zeitweise das Pol Pot Regime unterstützt und anschliessend die Vietnamesen, die Kambodscha von den Roten Khmers befreiten, mit Bomben aller Art aus der Luft bombardiert. Noch heute sind grosse Landstriche vermint und wegen der US-Blindgänger unpassierbar. Die Kambodschaner sind freundliche Leute. Ich habe sie nie etwas über die Amerikaner sagen hören, weder Gutes nich Schlechtes. Die Amerikaner werden einfach tot geschwiegen!

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Verschiedene Tempel in Siem Reap

Ich habe noch nie in meinem Leben, so viele arme Leute gesehen, die auf der Strasse oder in armseligen Stroh-Hütten lebten. Vorallem in Phnom Penh wurde ich vom Anblick der unzähligen Bettler, Kriegs- und Minenopfer belastet. Auf Schritt und Tritt wurde ich um Geld angebettelt. Die medizinische Versorgung ist mangelhaft oder nicht existent. So wird einem angeraten, bei Krankheit sich selbst zu versorgen oder unverzüglich nach Bangkok zu fliegen, und vor Reiseantritt seine Zähne vorsorglich untersuchen zu lassen.

So verwundert es nicht, dass ich als Schweizer sofort auf das Kinderspital "Kantha Bopha" des Schweizers "Dr. Beat Richner alias Beatocello" angesprochen wurde, dessen Stiftung das Spital unterhält und kranke Kinder kostenlos pflegt. Täglich werden 60 lebensrettende chirurgische Operationen, 40-60 Geburten durchgeführt und 200-400ß schwer kranke Kinder aufgenommen. Es gibt in ganz Kambodscha keine anderen Spitäler, die diesen Namen verdienen. Ich glaube, dies ist einer der richtigen Wege, um diesem Land zu helfen. Ich rufe Euch auf, mit ein paar Euro einigen kranken Kindern zu helfen. Details findet ihr auf der Homepage http://www.beatocello.com

Langsam beginnt sich seit etwa 10 Jahren eine neue Wirtschaft zu entwickeln. In Siem Reap z.B., wo sich die Angkor-Tempels befinden, können alle Leute etwas im Tourismus verdienen. Es gibt hier vergleichsweise wenige Bettler. Aber im ganzen Lande entstand eine neue wohlhabende Oberschicht. Diese zeigen ihren Wohlstand, indem sie mit grossen Lexus-Offroader herumfahren .... und es wimmelt nur so von diesen Benzinfressern.

Ansonsten ist der Verkehr schwer gewöhnungsbedürftig. Er ist schlimmer als in Bangkok, was ich bisher als oberes Maximum ansah. Auf 1 Auto kommen bestimmt etwa 20 Motorräder, Roller, Fahrräder, Tuk-Tuks etc Erschwerend kommt dazu, dass die Strassenverhältnisse katastrophal sind. Sandige Strassen, in denen die Autos oder Motorräder stecken bleiben. Löcher, die nur im Schritttempo durch- oder umfahren werden können und in der Regenzeit schlammige Strassen so weit das Auge reicht. .... Zudem haben die Autos immer Vortritt, d.h. die anderen Verkehrsteilnehmer wie Roller oder Fahrräder müssen einen Bogen um die auf sie zukommenden Autos machen, damit sie nicht gnadenlos umgefahren werden.

Apropos Geld. Seit der UN-Mission nach dem Khmer- und Vietnam-Krieg ist der US-Dollar die gängige Währung. Dank den guten Tips von Peter Ä. hatte ich genügend 1-Dollar-Scheine bei mir, nämlich deren 110, denn jede Dienstleistung, Taxi-Fahrt und jedes Getränk kostete 1, 2 oder 3 US-$. Einzig die Malzeiten in guten Restaurants und die 3-Tages-Karte zu den Tempeln, sowie die beim Abflug anfallenden Flughafentaxen kosteten ein Vielfaches von 10 US-$. Wechselgeld gab es selten in US-$, sondern meist in der offiziellen Kambodscha-Währung Rial.

6. Jan.: Flug von Phnom Penh nach Siem Reap, Fahrt auf dem Tonle-Sap-Lake zu den schwimmenden Dörfer

Unverzüglich nach Ankunft auf dem kleinen Flugplatz in Siem Reap führte uns der neue Guide zum "Tonle-Sap" Süsswasser-See zu einer Fahrt zu den schwimmenden Dörfern. Der "Tonle Sap" ist der grösste asiatische Süsswassersee und hat während der trockenen Jahreszeit eine Oberfläche von 2'600 - 3'000 km², die in der Regenzeit bis auf ca. 10'400 km² anwächst. Auf der Fahrt dorthin sahen wir wirklich die Ärmsten der Armen in kleinen Schilf-Häusern leben. Teils direkt auf dem Boden schlafend, teils auf meterhohen Bambusstangen über der Erde. Auf dem See dann kamen wir an unzähligen Hausbooten von unterschiedlicher Grösse vorbei, in denen ganze Familien lebten. Meist schwammen diese Boote auf leeren, zusammengebunden Benzin-Fässern. Nur einige wenige hatten einen metallischen oder hölzernen Schiffsrumpf unter sich. Wie ich mir sagen liess, gehen die meisten dem Fischerberuf nach und wechseln ihren Standort je nach Wasserstand des Sees, der sich zwischen Regen- und Trockenzeit massiv verändert.

7.-9. Jan: Besuch der Tempel um Angkor Wat — ein einmaliges Erlebnis

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Angkor Wat
Urwaldtempel "Ta Prohm"
Tempel "Banteay Srei"

Es ist sinnlos, hier die einzelnen Tempel zu beschreiben. Ihr findet diese Informationen in jedem Reiseführer oder im Internet. Aber eines kann ich Euch versichern: Die unzähligen Tempel um Angkor sind eine Reise wert. Sie stammen alle aus dem 10. - 13. Jahrhundert und wurden in den letzten 50-100 Jahren dem Urwald entrissen. Sie haben gewaltige Ausmasse. Aehnlich wie bei den ägyptischen Heiligtümern ist es auch bei diesen nur schwer zu erklären, wie sie diese Bauten ohne moderne hydraulische Kranen aufbauen konnten. So wurden am Haupttempel von Angkor Wat allein über 35 Jahre gebaut.

In den 3 Tagen haben wir insgesamt 15 Tempel besichtigt. Die einen waren sehr gross, die anderen überblickbar. Es soll allein um Siem Reap mehr als deren 100 geben. Das heutige Gebiet um Angkor bildete viele Generationen hindurch die Hauptstadt des Khmer Reiches. Zu einem der wichtigsten Pflichten jedes Khmer-Königs zählte, dass er sich einen eigenen Tempel gebaut hat. Sie wurden als Palast des Gottes betrachtet, dem sie geweiht waren - überwiegend Shiva, und sie glaubten, dass der König nach seinem Tode mit dem Gott zu einer Einheit verschmolz. Der Tempel bildete deshalb auch den Mittelpunkt des Lebens. Er war Sitz des Königs und Hauptstadt. Rundherum siedelten sich die Bewohner in ihren vergänglichen Hütten an.

Erstaunlicherweise war es nicht der weltberühmte "Angkor Wat", der uns am meisten gefallen hat, sondern der "Ta Prohm" oder auch "Dschungel-Tempel" genannt, der "Bantey Srei" und der "Bayon". "Angkor Wat" fiel vorallem durch seine Grösse und Mächtigkeit auf. Er ist das grösste Bauwerk der Welt und verdient die Bezeichnung als eines der 7 Weltwunder.

Beim "Dschungeltempel Ta Prohm" war es das Einmalige und Beeindruckende, wie er im Verlaufe der Jahrhunderte durch den Dschungel wieder in Besitz genommen wurde. Gewaltige Kapok-Bäume mit schlangenartigen Wurzeln haben den Tempel fest im Griff. Oft hat man den Eindruck, dass die mächtigen Wurzeln ihn zerdrücken und in die Tiefe reissen wollten.

Beim "Bantey Srei" hingegen waren es der rote Sandstein und die filigranen Steinmetz-Arbeiten über die sittsamen Göttinnen, die einem faszinierten.

Und beim "Bayon" war es der überwältigende Tempelkomplex mit den Türmen und den weltberühmten in alle Himmelsrichtungen schauenden 4-Gesichter.

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"Bayon" Tempel
Tempel "Ta Som"
Tempel "Baphuan"

10. Jan.: Rückblick, Shopping und Rückflug

Glück hatte ich am 2. Tag der Tempelbesichtigungen, denn der Durchfall wollte mich im Hotel zurückbehalten und nur dank 3 Immodium-Tabletten konnte ich das schlimmste verhindern. Ausser einem Tag Schwäche und Appetitlosigkeit kam ich noch gut weg.

Das Shopping in Kambodscha beschränkte sich auf sehr günstige Handarbeiten, Kopien von alten Skulpturen und auf gefälschten Markenartikeln berühmter Marken wie Lacoste, Boss, Adidas etc. Ich kaufte mir hier eine grosse Hängematte für das Sommer-Camping für €4. Ich bin gespannt, wie lange sie hält.

 

Mail an Max Lehmann
Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen
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