Hommage an Rolf Gautschi, Freund und Kunstmaler
(Teil meiner Autobiografie "Ich habe gelebt !" Letzte Aenderung: Version 1.0 vom 7. Nov. 2016)

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Am Donnerstag, den 22. September 2016 fuhr ich mit Renato B. , Renato C. und Christoph zu Rolf nach Olten, um von ihm Abschied zu nehmen. Bei Rolf wurde in diesem Sommer eine Entzündung und später eine verkrebste Bauchspeicheldrüse festgestellt. Anfang September konnte er das Spital verlassen, weil eine Operation nicht mehr in Frage kam und er von einer Bestrahlung absah.

Er und seine Frau Katharina luden uns zu einem feinen Essen ein. Ihren besten Wein haben sie geöffnet. Rolf hat mit uns gegessen, musste sich aber nach dem Essen hinlegen. Er war müde.

Ich muss gestehen, ich bin erschrocken, als ich Rolf sah. Er war stark abgemagert. Er war nie dick, immer sportlich gestählt. Bestimmt fehlten ihm 10 kg. Seine Ohren waren abstehend, was ich vorher nie bemerkt hatte. Nur seine lebendigen Augen und sein Humor waren gleich wie früher. Wir sprachen nicht über das, was uns alle bewegte, aber wir alle wussten, es war ein endgültiger Abschied. Es tat weh!

Rolf Gautschi war einer meiner guten Freunde. Seit vielen Jahren spielte ich mit ihm am Donnerstag Tennis und anschliessend gingen wir in einem feinen Restaurant zum Essen. Er war ein guter Tennisspieler. Er lief viel und war schnell. Rolf Gautschi war Kunstmaler. Nicht irgendein Kunstmaler. Er war für mich ein grossartiger Kunstmaler. Ich war immer begeistert, wenn ich in seinem Atelier in seinen unzähligen Gemälden, Drucken, Lithos, Skizzen wühlen konnte. Manche Bilder aus seiner Hand schmücken meine Wände.

Rolf arbeitete über 45 Jahre in seinem Atelier hoch über Basel im Dachgeschoss der alten Gewerbeschule, Petergraben 52. Er war unermüdlich und arbeitete in verschiedenen Techniken wie Oel, Aquarell, Collage, Enkaustik etc. Mehrmals war ich Gast in seinem Atelier und organisierte manchen Atelier-Besuch. Rolf suchte nicht die Oeffentlichkeit. Er war zu bescheiden, aber glücklich, wenn er sich in seinem Atelier seinem Beruf und Hobby widmen konnte.

Rolf war eher ein ruhiger besinnlicher Mensch. Manchmal auch ein Lebensphilosoph. Er vermied jeden Streit. Wenn er jemanden nicht mochte, sagte er höchstens zu uns: "Du musst sie/ihn ja nicht heiraten".

Ende Oktober, vor meinem Abflug nach Thailand wollte ich Rolf nochmals besuchen. Es kam nicht mehr dazu. Er hat kurzfristig abgesagt, weil es ihm nicht gut gehe. Am Montag, 7. Nov. 2016 erreichte mich hier in Hua-Hin die Nachricht, dass Rolf gestern am Sonntag-Morgen, 6. November 2016 in seinem 85. Lebensjahr ohne Schmerzen und friedlich eingeschlafen ist!

Sein Leiden ist beendet. Er ist in die Ewigkeit entflohen. Katharina gelten meine Gedanken. Abschied nehmen tut so weh! sehr weh!

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Ein "Dankes-Bild" von Rolf Gautschi (2004)
"Liebe Max - nomool härzlige Dangg fyr d'Ilaadig bim Chinees und fyr der scheen Oobe! Rolf"

Ein Rückblick in Rolfs Vergangenheit

  • Rolf wurde am 17. Aug. 1932 in Basel geboren und ist im St.-Johanns-Quartier aufgewachsen. Er verstarb am Sonntag, 6. Nov. 2016 zu Hause in Olten.

  • Er besuchte die Kunstgewerbeschule in Basel, und später war er dort auch als Lehrer tätig

  • Er hatte berühmte Lehrer wie Bodmer, Christ und Weidmann

  • Er machte Malreisen nach Italien und Holland

  • Hatte Ausstellungen in Basel, Zürich, Bern, Olten und Solothurn

  • Er erhielt einige Ankäufe und Aufträge, auch vom Kunstkredit Basel-Stadt und -Land

  • Seit 1962 arbeitete er in seinem geliebten Atelier in der alten Gewerbeschule in Basel

Rolf's Leitspruch über seinem Bett
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Weg zu Rolfs Atelier über 5 Stockwerke
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Rolf's Atelier am Petersgraben

In privilegierter Lage im Dachgeschoss der alten Gewerbeschule hatte Rolf sein Atelier. Als ich Rolf zum ersten Mal in seinem Atelier besuchte, war ich erstmals ausser Atem, denn es waren 5 Stockwerke zu überwinden und dies zu Fuss. Dann aber war ich überrascht von den unzähligen Bildern und Kunstwerken aller Grössen in seinem Atelier. Es müssen gegen 1'000 sein. Viele archivierte er in Ordnern, andere sind gestapelt. Bei genauerem Beobachten im Atelier entdeckte ich viele Kleinode, die Rolf auf einem Flohmarkt entdeckt und gesammelt hat.

Das Atelier von Rolf
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Donnschtig-Club

An jedem "heiligen" Donnerstag traf sich Rolf mit seinen Tennisfreunden auf dem Tennisplatz, zuletzt auf der Novartis-Anlage. Seit 1999 war auch ich Teil davon und seit dieser Zeit darf ich Rolf zu einem meiner Freunde zählen. Am Nachmittag spielten wir 2 Stunden Doppel und anschliessend ging es in ein feines Restaurant zum Essen. Als Abschluss war ein Kartenspiel wie Jassen oder Schwarze Sau angesagt. Rolf liebte das Essen mit Freunden, aber das Fleisch musste "durch" sein, was uns immer zu Scherzen anregte.

Unser Rolf war absolut kein Technik-Freak. Technik war für ihn höchstens notwendiges Uebel. Manche dieser Dinge waren für ihn Werkzeuge des Teufels. Computer sowieso, aber auch die modernen Mobil-Telefone. Lange wehrte er sich dagegen, ein solches Ding anzuschaffen. Da wir ausserhalb von Basel Tennis spielten, holte ihn jeweilen einer von uns mit seinem Auto ab. Das Problem war jedoch, wir konnten ihn nicht erreichen, wenn sich irgend etwas änderte. Deshalb zwangen wir ihn, ein Mobil-Telefon anzuschaffen, was er dann auch widerwillig tat. Er nahm es aber nie mit nach Olten, wo er wohnte. Er liess es in seinem Basler Atelier.

Rolf war immer gut angezogen, aber immer "sportlich elegant". Eine Kravatte zog er nur einmal zu einem Geburtstags-Fest in Badenweiler an. (siehe das Bild unten). Er sah darin aber schrecklich aus. Es war nicht unser Rolf in Jeans und Lederjacke, wie wir es gewohnt waren.

Tennisclub "heiliger Donnschtig"
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Rolf liebte Everlast Shirts

Seine Bilder und Mal-Techniken

Signatur von Rolf Gautschi

Rolf hat immer etwas neues ausprobiert. Auch bei ihm entdeckte ich Lebensphasen in seinen Bildern. Es gab eine Zeit, da malte er Landschaften in fröhlichen Farben, ein ander Mal verrückte und verzerrte Gesichter, die einem Angst bereiteten. Es gab auch die Schwarz/Weiss-Zeit und vorallem die Phase der Frauen aus dem Kleinbasel. Er liebte Frauen und versuchte sie mit möglichst wenig Strichen darzustellen. Diese Technik hat mich fasziniert. Mehrere davon hängen in meinem Schlafzimmer.

Er malte in Oel oder Acryl-Farbe. Er machte Zeichnungen mit Kohlestiften, dann aber auch in "Enkaustik"-Maltechnik, bei der in Wachs gebundene Farbpigmente heiß auf den Maluntergrund aufgetragen werden. Dann aber auch die Collagen und vieles mehr.

Rolfs Bilder (eine Auswahl)
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Meine Gautschi-Sammlung

Ein paar Ausstellungen in seinem Atelier habe ich für Rolf organisiert. Mehrmals habe ich ein Bild von ihm abgekauft. Oft hat er mir eines geschenkt. Unvergesslich und unerwartet war für mich, als er mir auf meinen 60. Geburtstag sein Bild "Negerin" schenkte. Ich sah dieses Bild bei meinem ersten Atelier-Besuch und konnte es nie mehr vergessen.

Das Bild "Basler Fasnacht" war mein letzter Erwerb im 2012. Als ich dieses Bild in seinem Atelier entdeckte, war ich hin- und hergerissen. Es war kein "schönes" Fasnachts-Bild. Es stellte eher wilde Männer dar, die den harten Winter vertreiben wollten.

Ein paar Bilder aus meiner Gautschi-Sammlung
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Vernissagen und Besuche im Atelier

Rolf war Künstler. Er war kein Verkäufer und eher zurückhaltend. Seine Bilder waren wie seine Kinder. Nur ungern gab er ein Bild ab. Er wollte die Käufer seiner Bilder persönlich kennen. Aus diesem Grund habe ich ein paar mal Atelier-Führungen durchgeführt.

Atelier-Führungen und -Besuche
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Autobiografie von Max Lehmann
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