Landhockey beim HS Nordstern (1958 - 1962):
(Teil meiner Autobiografie "Ich habe gelebt !" Letzte Aenderung: Version 1.0 vom 23. Jan. 2016)

Junioren-Mannchaft des HS Nordstern
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Mannschaft anlässlich Turniersieg in Genf (24.9.1959):
oben v.l.n.r.: Max Lehmann, Peter Heimann, Gerard Werner, xxx, Brönimann, Urs Salvisberg, Otti, Peter Felber
unten v.l.n.r.: xxx, Werner Keller, Walter Huck, Hans-Peter Baumann, Peter Huck, xxx

Zu Beginn meiner Lehrzeit als Laborant in der CIBA bin ich von einem anderen Lehrling, Urs Salvisberg, auf den Landhockey-Sport aufmerksam gemacht worden. Ich ging ein paar mal mit ihm ins Training zum HS Nordstern auf dem Rankhof und schon bald konnte ich in der Juniorenmannschaft mitspielen. Bereits mit 18 Jahren kam ich als "linker Flügel" in der 1. Mannschaft der Nationalliga A zum Einsatz. Ich muss recht gut gewesen sein. Nach der Rekrutenschule habe ich mit Landhockey aufgehört. Es ging mir gleich, wie vielen gleichaltrigen, die in diesem Alter mit dem Sport aufhören: Die lieben Frauen

Diese Phase im HS Nordstern war mein erster Kontakt mit der "Aussenwelt". In meiner Gymnasialzeit war ich in keinem Verein und durfte auch nur selten etwas ausserhalb des Hauses unternehmen. Nun begann ich aufzuleben und aufzuholen. Ich hatte in dieser Zeit meine ersten zaghaften Kontakte zum weiblichen Geschlecht.

Landhockey in Basel

Lange Zeit gab es in Basel drei Landhockey-Vereine: Der Basler HC, die Baslerdybli (Frauen) und auch der Kleinbasler Traditions-Fussballverein FC Nordstern führte eine Landhockey-Sektion (HS Nordstern). In den 60er-Jahren gab es zwischen dem BHC und HS Nordstern Derbies, die schon mal von 400 Zuschauern verfolgt wurden. Tempi passati. Die Gegenwart sieht gänzlich anders aus.

1994 gingen die legendären "Baslerdybli" in den Basler HC ein, während es die Hockey-Sektion der "Sterne" schon viel länger nicht mehr gibt. Spielte der Basler HC früher auf den Sportanlagen St. Jakob auf einem eher holprigen Rasenfeld, so verfügt der BHC heute mit dem Kunstrasenfeld auf den Sportanlagen Rankhof über eine zeitgemässe Spielstätte.

Meilensteine in meinem Landhockey-Leben

Die Grundlagen das Landhocke-Sportes habe ich, wie könnte es anders sein, bei den Junioren erlernt. "On the job" würde man dem heute sagen. Ich habe nämlich schon nach wenigen Wochen bei den Junioren mitspielen dürfen. Landhockey ist keine leicht zu erlernende Sportart. Neben läuferischen Fähigkeiten gab es technisch viel zu lernen. Der Hockeystock, zu unserer Zeit der Marke "Hammer", erlaubt im Gegensatz zum Eishockey nur, auf der einen Seite zu schlagen. Die andere war abgerundet. Deshalb musste man fürs Backhand den Stock drehen. Damit der Stock elastisch war, enthielt er im Inneren eine oder zwei Gummieinlagen. Diese gab dem Stock mehr Schwung beim Schlag. Mit einem derartigen Schläger brachte man die harten Korkbälle, wenn man sie richtig und exakt traf, auf eine hohe Geschwindigkeit, in der sie problemlos über den ganzen Platz flitzten.


Man beachte die flache Schlagfläche und die runde Rückseite des Schlägers

Da ich läuferisch sehr stark und vorallem schnell war, wurde ich nach kurzer Zeit als Links-Aussen am Flügel eingesetzt. Dies war eine technisch schwierige Position, denn ich musste die Bälle backhand oder stark abgedreht in die Mitte flanken.

Beim Landhockey gab es nichts zu verdienen. Wir waren noch echte Sportsleute und bezahlten alles selber. So musste auch jeder irgendein Amt übernehmen. Ich war lange Zeit bereits als Junior "Platzwart", der vor jedem Spiel die Linien mit dem Kreidewagen nachziehen musste.

Tetanus, es hätte schief gehen können

Eine grössere "Sportverletzung" bei den Junioren hätte ganz schlimm ausgehen können. Eine Hockey-Kugel (sie ist aus Hart-Kork und wiegt etwa 150 g) prallte an meine Augenbraue direkt über meinem rechten Auge und es kam zu einer typischen Boxerverletzung mit aufgerissener, stark blutender Augen-Braue. Es sah schlimm aus, denn das Blut floss echt übers Gesicht.

Die Wunde musste durch den Vereinsarzt Dr. Zehnder genäht werden. Er hat seine Arbeit jedoch nicht gut gemacht. Er hatte mir keine Tetanus-Impfung verabreicht. Nach etwa 12 Tagen brach eine gefährliche Tetanus-Infektion mit Lähmungserscheinungen aus. Aber ich habe mit Glück überlebt. (Mehr darüber im Kapitel "Krankheiten")

Mein erstes Bier

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Bier! Nach einem Spiel der Junioren in Olten oder Wettingen gingen wir vor der Heimfahrt in ein Restaurant, um etwas zu trinken. Unser Trainer der Linsmayer bestellt für alle ein Bier. "Wir seien nun Männer und sollten dieses Getränk auch versuchen". Mein erster Schluck war nicht berauschend. Ich hatte Mühe, den Becher zu leeren. aber beim zweiten schmeckte es bereits recht angenehm und seither bin ich ein Biertrinker. Zeit meiner Lebens blieb es aber beim hellen Bier. Mit dem Dunklen konnte ich wenig anfangen.

Es wäre noch erwähnenswert, dass ich mit Bier nie einen Suff hatte. Auch wenn es bis zu 5 Litern waren, die wir in den Tech-Ferien bei den Sauf-Touren durch Basel tranken. Klar drehte sich das Bett, aber ich war immer ansprechbar. Ganz anders war es mit den Schnäpsen. In meinem ersten WK in Brienz hatte ich einen währschaften Rausch mit Pernod und wollte daran sterben. Seither mag ich nichts mehr, das im entferntesten nach Aenis riecht. Weder Fenchel noch Aenis-Gutzeli.


Junioren Meisterschaft gegen Wettingen mit Trainer Linsmayer

24. Sept. 1959: Unser Turniersieg in Genf

Bereits als Junioren waren wir oft unterwegs, aber höchstens bis nach Olten, Wettingen oder Zürich. Aber einmal waren wir zu einem Junioren-Turnier nach Genf eingeladen. Alle Schweizer Junioren-Mannschaften waren anwesend. Das Turnier dauerte 2 Tage und endete mit einer Ueberraschung. Wir Junioren des HS Nordstern gewannen dieses schweizerische Junioren-Turnier. Wir spielten wie die Könige. Vorallem Gerald Werner spielte die Spiele seines Lebens. Er war um Klassen besser als alle anderen Junioren des gesamten Turnier. Mit diesem Erfolg haben sich ein paar von uns, auch ich war darunter, in die 1. Mannschaft des HS Nordstern gespielt.


mit Walter Schwalm als Delegationsleiter

Zürich Niederdorf in Zürich

Spiele mit der 1. Mannschaft in Zürich gegen die Grasshoppers oder Red Sox waren für uns Junge immer etwas spezielles. Nach den Spielen blieben wir in Zürich und machten das Niederdorf, den Sündenpfuhl von Zürich, unsicher, oder versuchten es wenigstens. Wir waren alle mit unseren 18-19 Jahren jung und hofften einiges Neues zu erleben. Aber es blieb beim trinken von Bier, denn nackte Haut gab es um diese frühe Abend-Zeit noch wenig zu sehen. Es war eher ein Ausbrechen aus unserer Normalität.

Einmal jedoch auf der Heimfahrt lernten wir zwei Mädchen kennen. Die eine war schlank und die andere gut weiblich ausgerüstet. Um diese habe ich mich bemüht und war erfolgreich. Wir trafen uns ein paar Tage später in Basel. Bereits beim Begrüssungskuss musste ich feststellen, dass ich an einen Profi geraten bin. Denn sie zog mich nahe an sich und zeigte mir, wie man richtig küsst ... mit Zunge nämlich! Zuerst gingen wir in ein Restaurant bei der Johanniterbrücke und dann kam die Frage, was machen wir nun? Sie machte den Vorschlage, ins nahe Kino Forum zu gehen. Der Film war nicht wichtig, sie wollte schmusen und zeigte mir, wie meine Hand auf Entdeckungsreise gehen konnte, indem sie sie auf ihre grossen Brüste legte. Es wurde zum Desaster. Ich war noch nicht so weit und bald meinte sie, der Film sei aber gar nicht spannende und verabschiedete sich draussen von mir.

Ein Fest bei Peter Heimann: Mein erster Ausbruch aus den elterlichen Moralvorstellungen

Peter Heimann war einer meiner engen Freunde. Er wohnte oberhalb Lörrachs in einem tollen Einfamilienhaus. Sein Vater war Chefarzt im dortigen Spital. Er war gut aussehend, gross und blond. Er hatte immer hübsche Freundinnen. Als seine Eltern ein paar Tage ausser Haus waren, lud er zu einer Party ein. Dabei war auch seine Freundin aus Dänemärk. Ein gutgebaute, blonde Dänin mit vielen Sommersprossen. Mit ihr hatte er öfters Sex, wie er stolz berichtete und zeigte uns einen Pariser aus dänischer Produktion. Ich sah so etwas zum ersten Mal.

Es wurde viel getrunken, sehr viel sogar. Nach Hause kam ich von Lörrach nicht mehr, denn ich war auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Welch Schock war dies für meine Eltern, als ich erst am nächsten Morgen wieder auftauchte. Dies war mein erster Ausbruch aus der bürgerlichen Moral in meine Selbständigkeit.

Auch ich habe gedopt

Die Geschichte meines Ausbruchs nach der Party geht aber weiter. Nur wenige Stunden, nachdem ich nach Hause gekommen war, stand am späteren Vormittag mit den Junioren des HS Nordsterns ein Meisterschaftsspiel auf dem Programm. Peter Heimann und ich waren selbstverständlich aufgeboten und zur Stelle, auch ohne viel geschlafen, aber umso mehr Promille im Blut gehabt zu haben. Ich erinnere mich noch gut an meinen Kater. Aber anmerken wollte ich mir nichts. Um die Schlappheit zu überwinden, nahm ich eine "Gly Coramin Tablette" aus unserer Notfall-Apotheke, ein Herzmittel gegen Schwäche, Müdigkeit und Kreislaufstörungen der CIBA. Heute ist dieser Wirkstoff auf der Dopingliste verschiedenster Sportverbände. Ich spielte gut und konnte unermüdlich rennen. Ich spürte keine Schmerzen und noch weniger kam ich in Atemnot. Gedopt mit Gly Coramin war dies möglich! Ich realisierte dessen gefährlich Wirkung und nahm keine Tablette mehr.

Niggi-Näggi-Obe und Nordstern-Jahresparty

Anfang Dezember fand jährlich der Niggi-Näggi-Obe des HS Nordstern im Rheinfelderhof statt. Die Jungen und Alten trafen sich zum feinen Essen uns anschliessendem Tanz zur Musik der Dixieland-Band "Savannah Junkmen" von Peter Schwalm, dem mehrfachen Gewinner des Zürcher Jazz-Festivals. Peter Schwalm war der Sohn unseres damaligen Präsidenten Willy Schwalm und einer der besten Swing-Trompeter in der Schweiz, wenn nicht halb Europas.

Wir waren ene grosse Familie. Jeder kannte den anderen. Wie gerne erinnere ich mich an die Kämpen der 1. Mannschaft: Trainer Joray, Walti und Willi Schwalm, unseren Junioren-Trainer Lindsmaier , Walter Argast, Gobely, die Gebrüder Schütz. Tanzen konnte ich noch nicht. Ich hatte auch noch keine Freundin.

Max als Sportredaktor bei der "Basler Nachrichten"

Meine Schreibmschine Hermes 3000
Meine tragbare Schreibmaschine "Hermes-3000"

Als ich von den Junioren in die 1. Nationaliga-Mannschaft befördert wurde, bekam ich einen interessanten Nebenjob, den des Presse-Mannes. Auf diese Weise verdiente ich mir nebenbei mit Landhockey auch noch ein Taschengeld, indem ich 30-40-zeilige Kurzberichte über die eigenen Spiele für den Sportteil der damalige Basler National-Zeitung schrieb. Um die Fr. 10.-- gab es pro Artikel. Pro Zeile wurde abgerechnet. Es war ein schöner Zustupf in meine Kasse. Für jeden Spieltag bekam ich von der National Zeitung ein Aufgebot mit Angabe der Länge des Textes samt Redaktionsschluss.

Es war aber kein leichter Job. Während meine Kollegen etwas assen oder ein Bier tranken, sass ich an einem leeren Tisch und schrieb meine Erinnerungen an das soeben gespielte Spiel händisch auf. Ich war in der Schule kein grosser Aufsatz-Schreiber gewesen. Ich war genügend, aber nicht mehr. Zudem war ich müde vom Spiel. So knorzte ich immer an den wenigen Zeilen herum. Sobald ich fertig war, musste ich den Text vor dem mir vorgegebenen Redaktionsschluss an die Redaktion telefonisch durch telefonieren.

Einmal wurde ich zum Sportredaktor Peter Vogel in sein Büro vorgeladen, als ich eben einen Bericht persönlich vorbeibrachte. Es gab eine aufbauende Deutschstunde, indem er meinen Text durchkorrigierte.

Einmal erhielt ich ein Aufgebot, vom ersten 2-tägigen Land-Hockey-Turnier in der Basler-Halle der MUBA zu berichten. Da wir vom HS Nordstern nicht spielten, hatte ich dieses Mal Zeit und Musse. Bewaffnet mit meiner tragbaren Hermes-3000-Schreibmaschine und einem Presse-Ausweis begab ich mich in die Basler Halle und setzte mich auf die reservierten Plätze zu den Journalisten und Fotografen. Ich war stolz, obwohl die meisten viel älter als ich waren. Ich war noch keine 18 Jahre alt. Die meisten waren Stadt-bekannt wie der Sport-Fotograf Baumli.

Ich habe mehrmals zugesehen, wie die Profi-Reporter ihre Berichte direkt in die Schreibmaschine tippten. Aber die bittere Realität holte mich rasch ein. Es war gar nicht so einfach. Bereits nach den ersten paar Sätzen gab ich dieses Vorhaben auf und schrieb meinen Bericht von Hand. Ich konnte keine druckreifen Sätze schreiben. Es fehlte immer etwas. So schrieb ich alles von Hand. Da konnte ich streichen und ergänzen. Zu Hause habe ich dann den Bericht mit der Schreibmaschine abgeschrieben und auf die Redaktion gebracht. Dieser Bericht brachte die horrende Somme von fast Fr. 25.-- Honorar ein!

Meine Spielberichte der 1. Mannschaft von HS Nordstern (Man beachte: "ml" für Max Lehmann)
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Spiel vom 8. Okt. 1961

Spiel vom 1. Okt. 1961

 

Meine Spielberichte der 1. Mannschaft von HS Nordstern (Man beachte: "ml" für Max Lehmann)
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Spiel vom 5. Sept. 1961

Spiel vom 11. Sept. 1961

Spiel vom 24. Sept. 1961

 

Autobiografie von Max Lehmann
Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen
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