Camping - Wie ich zum Zigeuner wurde (1961 - 1973)
(Teil meiner Autobiografie "Ich habe gelebt !" Letzte Aenderung: Vers. 1.0 vom 23. Mai 2017)


Max in Unterwasser (1972)

Freud und Leid durchs Camping waren in meinem Falle ganz nahe beieinander. Ich erlebte ganz tolle Zeiten, traf wunderbare Freunde im Camping, verlor aber auch meinen Vater am 4. August 1964 während seiner Camping-Ferien in England, als meine Eltern meine Schwester Christina in Eastbourne besuchten. Ich war nicht dabei und weilte zur der Zeit in der Offiziersschule in Dübendorf.

In diesem Kapitel berichte ich über meine Camping- und Ferien-Erlebnisse als selbständiger Teenager bis zu meiner Familien-Gründung im Jahre 1972/73)

23. Juni - 8. Juli 1961: Camping in Rom und Neapel

Meine Camping-Karriere begann im Sommer vom 23. Juni - 8. Juli 1961 als ich mit meinen beiden Freunden Dieter (Reinker) und Gerd (Näf) per Eisenbahn nach Rom und anschliessend weiter nach Sorrento bei Neapel fuhr. Im Gepäck befand sich neben einem grossen Koffer mit Kleidern, einem ADAC-Camping-Führer, ein altes weisses 3er-Zelt von Werner Gürtler. Geplant war, mit einem Petrol-Kocher zu kochen. Aber es sollte beim Wunsch bleiben, weil er beim ersten Einsatz in einer Stichflamme beinahe explodierte!

Es war meine erste grosse Reise ins Ausland, wenn man von den regelmässigen Besuchen im nahen elsässischen St. Louis oder im badischen Buggingen absieht. Als Vorbereitung versuchte ich Italienisch zu lernen und habe dazu während Wochen den italienisch-Kurs "Benvenuti Italia" im Deutschen Südwestfunk-Radio verfolgt und die Redewendungen gelernt. Zu der Zeit waren Ferien in Italien der grosse Trend für den Durchschnitts-Deutschen. 15 Jahre nach dem Krieg konnten sich die Deutschen wieder etwas erlauben. "Bella Italia" war der Traum aller und Rimini die Top-Destination für die Blondinen aus dem Nachbarland.

Rom

Es war Freitag-Nachmittag. Unmittelbar nach der letzten Lektion in der Gewerbeschule eilten wir nach Hause, holten unser Gepäck und trafen uns um etwa 17 Uhr am Bahnhof SBB, wo wir den Nachtzug nach Rom bestiegen. Den Liegewagen konnten wir uns nicht leisten, weshalb wir die ganz Zeit im 6er-Abteil mit anderen Reisenden sassen. Im Bahnhof Roma Termini angekommen, fuhren wir mir der neuen Untergrundbahn METRO zum E.U.R-Gelände, wo unser eingeplanter Campingplatz mitten in einem Pinien-Wald lag. Ideal für uns, denn wir waren ja nicht motorisiert. Auf diesem Gelände wollte Mussolini im 1942 seine Weltausstellung bauen.

Italien war zu der Zeit total im Umbruch, denn ein Jahr davor im 1960 fanden die olympischen Spiele in Rom statt. Die "Autostrada del Sole" und die Untergrundbahn in Rom waren Zeugen der grossen Anstrengungen Italiens zu diesem Anlass.

Zu Hause haben wir das 3er-Zelt probeweise aufgestellt, hier in Roma galt es nun ernst. Der Platz für 3 Personen war knapp im Zelt. Drei Luftmatratzen hatten Platz nebeneinander, aber unser Gepäck? Ich hatte einen Koffer bei mir! Kochen konnten wir einstweilen noch nicht, denn zuerst mussten wir uns Petrol für den Petrol-Vergaser kaufen. Es blieb bei einer Pizza Napoli als erste Malzeit.

Als nächstes kauften wir anstatt Wein 2 Liter Cinzano bei einem Strassenhändler. Der war echt günstig und wir waren glücklich. Aber nach kurzer Zeit konnten wir das süsse Zeugs nicht mehr ausstehen. Zudem stellten wir fest, dass wir Fusel gekauft hatten. Gesüssten Rotwein, der nach kurzer Zeit wegen der Wärme weitergärte und sauer wurde. Bei unserer Abreise aus Rom nach 1 Woche haben wir schweren Herzens die noch halbvolle Flasche entsorgt.

Gekocht haben wir während unserer ganzen Reise nie. Der Petrol-Vergaser hatte nie richtig funktioniert. Zweimal ist er uns mit einer Stichflamme um die Ohren geflogen.

In meiner Gymnasial-Zeit gehörten die griechische und römische Geschichte zu meinen Lieblingsfächern. Hier in Rom konnte ich verfolgen, wie die alten Römer gelebt haben sollen. Wir marschierten wie die Römer auf der Via Appia, stiegen in die dortigen Katakomben und liessen uns von einem Pater in der unterirdischen Welt führen. Wir besichtigten auch alt-römische Gymnasien und Stadien, wo wir sogar einen 200 m Lauf machten. Selbstverständlich waren wir auch im Forum Romanum, dem Kolloseum, der Peterskirche usw usw. Rom sollte in Zukunft einer meiner Lieblings-Städte werden. Bis heute war ich mehr als 10 mal in Rom.

Rom (1961)
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Sorrento

Unsere zweite Station Sorrento zwischen Neapel und Amalfi erreichten wir via Bahn von Rom nach Neapel in wenigen Stunden. Dann ging es weiter mit der Schmalspurbahn "Circumvesuviana" nach Sorrento, die vom Hauptbahnhof in Neapel via Pompeji und Herculaneum bis nach Sorrento führte. Sorrento war zur damaligen Zeit noch ein kleines Dörfchen am steilen Hang mit einem Hotel. Das spezielle war der idyllische Campingplatz auf mehreren Terrassen in einem Zitronen-Hain. In der Tat konnten wir Zitronen ab dem Strauch ernten. Baden konnten wir in einem kleinen Swimming-Pool auf dem Campingplatz oder auf einer steinernen Terrasse unten am Meer.

Wir hatten immer schönes Wetter. Aber einmal regnete es auf Sorrento und da bestätigte sich, was wir befürchteten: unser Zelt war nicht wasserdicht. Bereits nach wenigen Minuten tropfte es und unsere Kleider und Effekten wurden nass. Wir machten aus der Not eine Tugend und flüchteten zu unserer Nonna in einem Ristorante ausserhalb des Platzes, und assen ausserplanmässig eine Portion Spaghetti. Bei ihr haben wir oft gegessen. Wir mussten Haushalten mit dem Geld, so gab es jeden Tag Spaghetti, aber immer eine doppelte Portion.

Ausflüge mit der Schmalspurbahn "Circumvesuviana" führten uns nicht nur nach Neapel, sondern auch an den Vesuv, den wir bis auf halbe Höhe bestiegen. Dann aber auch nach Pompeji und Pozzuoli zu den schwefelhaltigen Quellen und Dämpfen.

Wir drei waren knapp der Pubertät entwachsen also um die 16-17 Jahre alt. Deshalb schauten wir bereits den Mädchen nach. Ich weniger, denn ich war noch scheu. Ich hatte bisher noch wenige Kontakte zu Mädchen. Ich war ein Spätzünder, weil ich zu Hause derart behütet war. Anders aber meine beiden Freunde. Eines der Mädchen, ein 15-jähriges aus Italien sah toll aus und war uns angetan. Wir trafen uns mehrmals mit ihr am Swmmingpool. Aber zu mehr kam es nicht.

Nach 2 Wochen musste ich mich von meinen beiden Freunden verabschieden, die noch eine weitere Woche hier unten bleiben durften. Ich war masslos enttäucht auf meine Eltern, denn die wollten dies so. Von da an, gab ich Gegendruck, sobald meine Eltern mich ein weiteres Mal einschränken wollten. Ich wurde langsam erwachsen mit eigenem Kopf und grossem Willen.


Unser Fraso-Hauszelt

Mit meinen begeisterten Erzählungen von meinen Campingferien in Italien brachte ich meine Eltern soweit, dass sie 1 Jahr später an der Schweizer Mustermesse ein grosses "Fraso-Familienzelt" der Fa. Frauchiger Solothurn kauften. Dieses Zelt war nicht nur gross und aus festem Stoff, es war auch schwer. Es wog mit den Stangen über 50 kg. Es leistete uns, mir und zum Schluss auch meiner Schwester Christina über 30 Jahre gute Dienste. Mit diesem Fraso-Zelt bereisten wir in einem Fiat 1100 zu viert mehrmals Italien (Florenz, Rom, Sorrento, Pescara) und zu dritt auch England, wo es im 1964 zu dem tragischen Verkehrsunfall kam.


20. Mai- 20. Juni 1962: Unsere Camping-Lehre in "Le Salavaux" am Murtensee

Wir hatten Glück, in Werner Gürtler, dem Patenkind meines Vaters, einen erfahrenen Camper zu kennen. Um Erfahrungen mit dem Camping zu sammeln, empfahl er uns, unser neues Zelt bereits vor unseren ersten Ferien auf dem Campingplatz Le Salavaux am Murtensee aufzustellen. Dazu würde sich das verlängerte Pfingstwochenende vom 20. Mai 1962 anbieten.


Mami und Papi putzen ihren ganezn Stolz (1962)

So fuhren wir mit unserem Fiat-1100 vollbepackt auf den Campingplatz am Murtensee. Wir ahnten bereits beim laden, dass der Platz im und auf dem Gepäckträger des Autos knapp werden würde, wenn wir nach Italien in die Ferien fahren. Man muss sich dies vorstellen: der kleine Fiat-1100 mit 4 Personen, einem grossen schweren Zelt, Schlafsäcke, Luftmatratzen, 2 Klappstühle und 2 Hocker, 1 Kühlboxe, Kleider etc etc.

Ein weiteres Problem, das sich anbahnte, war, dass mein Vater seine Fahrprüfung erst vor wenigen Monaten machte und sich noch recht unsicher auf den Strassen anstellte. Ich selber besuchte auch erst die Fahrschule und hoffte, dass ich noch vor den Ferien die Prüfung bestehen würde. Hier auf Salavaux konnte ich mit Werner einige Male ausfahren und Fahr-Praxis tanken. Mein Selbstbewusstsein war top und ich bestand dank dieser privaten Stunden die Fahrprüfung im Juni 1962 problemlos. So stand unserer ersten Ausland-Ferienfahrt mit Zelt nichts mehr im Wege.

Aber zurück zum Camping: Aller Anfang ist schwer. Auch beim Zelt aufstellen. Wie oft habe ich in den folgenden Jahren über Camper geschmunzelt, wenn sie ihr neues Zelt das erste Mal in den Ferien aufstellten und mit einem Blatt Papier ratlos vor den Gestängen standen. Man sieht den Campern bereits in den ersten Sekunden beim Auspacken des Zeltes an, ob sie Profis oder Anfänger sind.

Auch unser Anfang war schwer. Aber wir hatten Zeit und mussten uns nicht beeilen. Zudem hat uns Werner mit seiner Erfahrung gezeigt, wie es geht. Bald hatten wir das Gestänge sortiert und gemäss Plan aufgestellt. Dann wurden die Stangen mit farbigem Isolierband gekennzeichnet, damit wir das Zelt in den kommenden Ferien in Italien wie erfahrene Profis in kurzer Zeit aufstellen konnten.

Werner brachte uns schnell die ersten Camping-Regeln bei. Fürs Aufstellen sind die Männer verantwortlich, die Frauen aber für die Getränke. Später gabs dann noch eine weitere Regel, die ich immer eingehalten hatte: Das Geschirr wird immer von den Männern abgewaschen, auch wenn sie beim Kochen oder Grillieren mithelfen, denn die Frauen sollen auch Ferien haben. Die Regel 1 wurde sofort in die Tat umgesetzt. Mami und Christina holten ein paar Flaschen kaltes Bier aus dem Camping-Geschäft.

Ein paar Wochenenden haben wir am Murtensee campiert, bevor wir wieder abbauen mussten. Auch dies musste gelernt werden, denn je besser man abbaut, je leichter stellt man das Zelt wieder auf. Die Methode Werner beim Zusammenlegen des Zelttuches war Spitze. Ich habe es immer gleich gemacht und hatte damit nie Probleme, das Tuch richtig aufs Gestänge zu bringen.

Die Wochenenden auf Salavaux waren wunderbar und haben nicht nur mir, sondern auch meinen Eltern gefallen. Ich ging mit Werner an den Broye-Kanal, der den Murten- und den Neuenburgersee miteinander verbindet, um zu fischen. Auf Egli's haben wir es abgesehen und einige für die Mittagessen gefischt. Wir hatten kein Fischerei-Patent, aber passten auf, damit wir ja nicht durch einen Fischerei-Aufseher erwischt wurden.


29.6. - 21. 7. 1962: Die ganze Familie fährt im Fiat 1100 und einem Zelt durch Italien

Unsere erste Familien-Reise führte uns im 1962 quer durch Italien an dieselben Stätten, die ich 1 Jahr zuvor mit meinen Freunden erkundet hatte. In Mailand gab es noch keine Umfahrungsautobahn. Wir mussten durch die Stadt mit dem hektischen Verkehr fahren. Für meinen Vater ein Schreck und Graus. Er übergab mir nach kurzer Zeit entnervt das Steuer. Für mich eine Premiere, weil ich erst wenige Tage vorher, am 25. Juni 1962, meinen Auto-Führerschein machte. Von da an bin meistens ich gefahren. Mein Vater hatte Mühe und Probleme mit dem hektischen italienischen Strassenverkehr. Für mich war dies ein grosser Moment, denn erstmals spürte ich, dass mein Vater meine grössere Fertigkeit akzeptierte.

So sass ich am Steuer, rechts von mir mein Vater, der die Karte lesen musste und auf dem Hintersitz meine Mutter und Christina zusammen mit der Kühlboxe und anderem "Füllmaterial". Im Kofferraum unser übergrosses Zelt und auf dem Dach die Schlafsäcke, die Klappstühle/Hocker, den Tisch und ein Seesack mit Kleidern. Das Kleinmaterial wie den Spaten, den Kocher und die Pfannen, das Geschirr und Bestecke, die Luftmatratzen wurde überall dazwischen gestopft. Es war erstaunlich, was alles im kleinen Fiat-1100 seinen Platz fand. Heute weiss ich, es scheint ein Naturgesetz zu sein: Der Umfang an Gepäck passt sich dem verfügbaren Platz im Auto an.

Meine Schwester Christina

Ich berichtete bereits davon. Christina verbrachte 2 Jahre im katholischen "Internat du Sacré Coeur de la Tuilerie" in St. Maurice (Valais). Es war ein geschlossenes Internat. Ich hatte Christina schon lange nicht mehr gesehen. So führte uns der Weg von Basel zuerst nach St- Maurice, wo wir Christina abholten. Als sich die Türen des Internats öffneten, war ich perlex. Es kam nicht etwa das schlanke Mädchen, wie ich Christina in Erinnerung hatte, uns entgegen, sondern eine mollige 17-jährige Blondine.

Ich war damals ein böser Bruder und habe sie ausgelacht: "Es sei ja nicht so schlimm," meinte ich, "Wir könnten ja sagen, sie sei unser Dienstmädchen!". Später dann in Italien trat ich nochmals nach: "Christina könne ja 10 Meter vor oder hinter uns gehen, damit niemand merke, dass sie zu uns gehört".

Am schönen Sandstrand in Italien aber kam die Retourkutsche, als ich auf einmal feststellen musste, dass Christina mit ihrer weissen Haut und stroh-blonden Haaren der grosse Favorit bei den einheimischen Papagallis war. Sie war umworben. Sie war der Mittelpunkt am Strand und um uns schlichen die jungen Italiener. Die Einheimischen beteten sie an. ..... und auf einmal musste ich sie beschützen, denn es wurde ihr doch etwas unheimlich.

1. Etappe bis nach Florenz

Auf der wenige Jahre zuvor eröffneten modernen "Autostrada del Sole" mit unzähligen Viadukten und Tunnels fuhren wir zügig bis nach Florenz. Der kleine Fiat war vollbeladen und musste hart arbeiten. So brauchte er auch viel Benzin. Das Benzin in Italien war sehr teuer, weshalb wir Ausländer noch in der Schweiz bei den Automobilclubs Benzin-Gutscheine kaufen konnten, die Tanken zu einem günstigeren Benzinpreis erlaubten.

Es war eine lange und ermüdende Fahrt bis nach Florenz. In einem kleinen Auto, das nicht nur überladen sondern auch zu viel Gewicht auf dem Dachträger hatte. Deswegen musste ich in Kurven die Geschwindigkeit stark anpassen. Wir fanden jedoch den Campingplatz mitten in der Stadt an einem kleinen Abhang problemlos. Es war eigentlich erstaunlich, dass wir damals einen Campingplatz inmitten einer Grossstadt wie Florenz oder später auch in Rom ohne Navigations-System fanden. Uns standen damals nur Karten, Reiseführern und Wegbeschreibungen aus dem Campingführer zur Verfügung. Es gab damals noch kein Internet, aus dem man sich informieren konnte. Aber es hatte immer funktioniert, oft auch mit Umwegen.

Während mein Vater und ich das Zelt innert Kürze und bereits halbprofessionell aufstellten, pumpten Mami und Christina die Luftmatratzen auf und holten unsere Getränke, wie es die Camping-Regeln von Werner festlegten. Es gab kühles Peroni-Bier. Es war viel besser, als alle zu Hause schnödeten.

Zwei ganze Tage blieben wir in Florenz. Wir besichtigten den Michelangelo, die Uffizien und vorallem die "Ponte Vecchio", ein faszinierendes Bauwerk. Auf einem Tagesausflug ging es auch zum nahen Pisa mit dem "Schiefen Turm", der wirklich schief steht. Mich überkam ein mulmiges Gefühl, als ich von oben nach unten schaute. "Was wäre wohl, wenn er jetzt umfallen würde?".

2. Etappe nach Rom

In Rom wollten unsere Frauen, d.h. meine Mutter und meine Schwester, unbedingt am Strand campieren. Aber es war keine gute Idee. Als wir ankamen, windete es so stark, dass die Häringe keinen Halt im Sand fanden. Wir mussten unser Vorhaben abbrechen und das Zelt wieder einpacken. Im nachhinein mussten wir ja froh sein, dass es bereits windete. Unser Zelten am Meer im Sand hätte unweigerlich in einem Chaos geendet, denn wir hatten keine Sand-Häringe bei uns. Unser Zelt wäre beim ersten Windstoss davongeflogen. Wir waren typische Anfänger!

Tragisch war es für die Camper, die praktisch mit uns von einem grossen Bus am Sandstrand von Rom ausgeladen wurden. Sie mussten versuchen, ihre Zelte aufzuschlagen, denn der Bus fuhr ohne sie weiter.

Wir fuhren wieder zurück nach Rom auf den Campingplatz EUR mitten in der Stadt direkt an der Metro, den ich noch vom letzten Jahr kannte. Wie überrascht waren doch meine Eltern, als ich problemlos die letzten Abzweigungen zum Campingplatz fuhr. Klar, ich kannte die Kreuzungen noch vom vergangenen Jahr.

Wir waren zufrieden hier. Dank der tollen Lage konnten wir mit der Metro direkt ins Zentrum zu den Sehenswürdigkeiten von Rom fahren. In Rom fühlte ich mich zu Hause und zeigte meiner Familie die schönste Stadt, die ich damals kannte.

3. Etappe nach Sorrento

Den Zeltabbau hatten wir bereits voll im Griff. Ich war der Chef beim Auf- und Abbau. Die Frauen liessen die Luft aus den Matratzen, ich rollte die Schlafsäcke zusammen. Wir Männer zogen die Häringe aus dem Boden, dann wurde das Zelt heruntergelassen und auf dem Gestänge zusammengelegt. Nach einer guten Stunde waren wir abfahrtsbereit.

Ueber die Autostrada del Sole ging es weiter nach Neapel resp. Sorrento, das wir am frühen Nachmittag erreichten. Ich kannte den Campingplatz vom Vorjahr nur als Tramper. Bereits zu Fuss waren die nach unten führenden Wege sehr steil. Diesmal sollte unser Auto diesen Wege herunterfahren. Mein Vater war geschockt. Zu Fuss testeten wir den Weg und dessen starkes Gefälle. Wir entschlossen uns, auf der obersten Terrasse unser Zelt aufzubauen, was ein weiser Entscheid war.

Damals habe ich bereits geraucht. Ich erinnere mich noch gut, dass ich bereits kurz nach dem Aufstehen meine erste Zigarette anzündete. Mein Vater hingegen, der auch Raucher war, rauchte erst nach dem Frühstück. Auf dem Campingplatz lernte wir das Ehepaar Schippschack aus dem Norden Deutschlands kennen. Sie waren unsere Zeltnachbarn. Meine Eltern hatten noch lange Kontakt zu Ihnen.

Auch hier machten wir das volle Programm. Ich zeigte meiner Familie, was ich im vergangenen Jahr erlebte. Ich war stolz, denn ich kannte alle Tricks mit der kleinen Bahn und den Wegen durch Pompeij. Alles machten wir ohne Auto, denn wir hatten Angst, dass unser Fiat gestohlen werden könnte. Zusätzlich besuchten wir die berühmte Capri-Insel, wo manch berühmter Schriftsteller wohnte.

4. Etappe nach Pescara

Badeferien waren in Pescara an der Adria angesagt. Wir wollten uns von den Besichtigungs-Strapazen erholen. Dazu mussten wir aber den Apennin vom Westen in den Osten überqueren. Unser Campingplatz lag direkt am Meer. Ein toller Platz mitten in einem Piniengelände, aber bereits recht gut besetzt. Wir suchten uns einen feinen Standplatz und achteten darauf, dies habe ich in einem Campingbuch gelesen, dass wir unser Zelt ja nicht in einer Mulde aufstellten. Bisher war dies nie ein Thema, denn die vorigen Plätze lagen an einem Abhang. Wir fanden auch einen schönen freien Platz, aber eben in einer Mulde. Man musste schon genau hinschauen, aber sie war nicht zu übersehen. Wir stritten darüber, Vater gegen Sohn, aber ich setzte mich durch. Wir bauten unser Zelt an einem weniger schönen Plätzchen auf. Es war eher etwas erhöht.

Nicht immer, aber oft haben auch die Bücher recht. Wehe, wenn wir unser Zelt in dieser wunderschönen Mulde aufgebaut hätten. Ein paar Tage nach Ankunft schüttete es aus Kübeln, wie es nur im Süden regnen kann. In unserem Zelt blieben wir trocken. Jedoch in der Mulde, da haben sich in der Zwischenzeit Deutsche hingestellt, stand das Wasser etwa 30 cm hoch.

5. Etappe Heimfahrt via Verona mit Hindernissen

Ohne weitere Uebernachtung mach Hause zu fahren, war zu weit. Wir entschlossen uns, im Raume Verona einen Halt einzulegen. Kurz davor, als wir nochmals auftankten, startete der Fiat nicht mehr. Ein Schreck! Anschieben war angesagt: Ich sass am Steuer, Mami, Papi und Christina schoben den Fiat, bis ich den 2. Gang einschob und der Motor mit 2-3 Sprüngen wieder rund lief. Nun galt es bei jedem Halt aufzupassen, um den Motor ja nicht abzuwürgen. Auf dem Campingplatz luden wir alles aus, ohne den Motor abzustellen. Den Fiat stellte ich dann so an einen Abhang, dass ich ihn am nächsten Morgen alleine durch rollen starten konnte. Der Weg führte uns zu einer Garage, die den Anlasser schnell wieder wuf Vordermann brachte. Es war beeindruckend, die Mechaniker liessen alles liegen, um uns gestrandeten Campern zu helfen.


5.7. - 20.7. 1963: Mit Dieter, Gerd und dem Fiat 1100 nach Dänemark

Zwei Jahre nach unserer ersten Expedition nach Italien fuhr ich mit meinen beiden Freunden Dieter und Gerd zum Camping nach Dänemark. Für den Fiat mussten wir meinem Vater Kilometergeld (Fr. --.40/km) bezahlen. Diesen Betrag hat er sich als Kilometerkosten für ein Auto aus dem TCS-Cluborgan geholt. Es war typisch Vater, der nicht loslassen konnte. Der halbe Ansatz hätte genügt. Es war eine grosse Summe bei über 3000 km Strecke, nämlich Fr. 1'200.-- . Aber auch ich war nicht ganz auf den Kopf gefallen. Bald entdeckte ich, wie man den Kilometerzähler ausschalten konnte, indem man die Welle hinter dem Armaturenbrett ausschraubte. So wurde unsere Fahrstrecke um einiges kürzer. Nicht zu kurz, das wäre aufgefallen, aber doch gegen 500 km.

Unsere Fahrt ging via Esbjerg, Aarlborg zum nördlichsten Punkt Dänemarks nach Skagen dann via Schweden (dort herrschte noch Links-Verkehr) zurück zur idyllischen Insel Moen und weiter nach Kopenhagen und Hamburg. Wir waren ein tolles Team. Wir entluden das Auto und stellten das Hauszelt innert 30 Minuten auf.

Unser erster Halt war in Esbjerg, etwa 110 km nach der deutschen Grenze. Dort blieben wir aber nur eine Nacht, denn über der ganzen Stadt lag eine grauenhaft Duftwolke nach stinkendem Fisch. In Esbjerg war die dänische Sardinen-Industrie beheimatet. Trotz allem verbrachten wir den Abend in einer Disco. Die blonden Däninen hatten es uns angetan.

Am kommenden Tag ging es auf Landstrassen weiter nach Aarlborg, wo wir die Wikingergräber bei Mitternachtssonne spät in der Nacht besichtigten. In der Tat konnten wir bis gegen Mitternacht ohne Zusatz-Licht die Zeitung lesen. Hier wollten wir aber nicht bleiben und fuhren weiter nach Skagen, dem nördlichsten Punkt von Dänemark. Da der dortige Campingplatz um diese Zeit, es war bereits nach Mitternacht, nicht mehr offen war, versuchten wir am Strand zu schlafen. Die kriechenden und fliegenden Ungeziefer haben uns aber schnell vertrieben, sodass wir es nochmals auf dem Campingplatz versuchten. Wir durften in der Waschanlage übernachten.

Skagen blieb bei mir unvergesslich. Die dortigen Sand- und Wanderdünen haben es mir und meinen beiden Freunden angetan. Unendliche hügelige Sandflächen. Sie schienen unberührt, denn durch den ständigen Wind wurden Fussabdrücke innert kürzester Zeit wieder zugeschüttet. Wir hätten uns hier leicht verlaufen können, denn die Fussabdrücke für den Rückweg sahen wir nach kürzester Zeit nicht mehr, wenn nicht der Leuchtturm als Orientierungspunkt gewesen wäre. Wie Kinder spielten wir im Sand, rannten um die Wette. Es war für uns einmalig.

Den Rückweg wählten wir via Schweden. Wir wollten einmal den Linksverkehr erleben. Mit der Fähre fuhren wir vom dänischen Frederikshaven nach dem schwedischen Göteborg. Im normalen Verkehrsfluss war es nicht schwierig links zu fahren, auch nicht in den Kreiseln. Wir blieben jedoch nicht lange in Schweden. Nach 220 km in südlicher Richtung fuhren wir mit einer kleinen Fähre von Helsingborg zurück ins dänische Helsingör und weiter zur Insel Moen, wo wir noch 2 Nächte blieben. Der Campingplatz lag unmittelbar bei den berühmten Moens-Klint, den 128 m steil abfallenden Klippen ins Meer. Wir waren die einzigen auf dem Platz. Es gab nicht einmal einen Platzwart. Die Campinggebühr mussten wir in einen Briefkasten werfen.

Auf Kopenhagen waren wir gespannt. Wir wussten, das Bier ist teuer, aber es rief der Gwunder nach dem Rotlicht-Milieu. Wir mussten es zwar suchen, fanden es aber beim Bahnhof. Zuerst besuchten wir ein Pornokino im Keller eines Sexshops. Kaum waren wir im Kino, kam die Kassiererin und bot sich uns für geile Spiele an. Wir hatten aber kein Geld und lehnten ab. Wahrscheinlich waren wir aber auch zu schüchtern und überrascht ob ihrem eindeutigen Angebot. Wieder draussen kauften wir uns unsere ersten Pornohefte. Sie waren eingeschweisst in einem Plastik. Zurück im Zelt sahen wir, welchen Mist wir gekauft hatten. Allesamt Frauen ohne Unterleib d.h. ihre Schlitzchen waren weg-retouchiert und blank.

In Kopenhagen gab es aber auch anderes zu sehen: den Tivoli-Vergnügungspark, die Altstadt und auch die Carlsbrg-Brauerei. Geliebt haben wir die Smörebröds. Kopenhagen hat mir sehr gut gefallen.

Auf dem Weg nach Hamburg passierte dann ein Malheur: ein Stein von einem vor uns fahrenden Lastwagen liess unsere Windschutzscheibe in 1000e von Einzelteilen zerplatzen. Innert Sekunden-Bruchteilen war ich blind und musste auf der Autobahn rechts anhalten. Dort versuchten wir möglichst alle Glassplitter aus dem Auto zu fischen. Eine Heiden-Arbeit.

Ohne Windschutzscheibe zu fahren, ist etwas spezielles. Man müsste meinen, dass man voll dem Fahrtwind und auch Regen ausgesetzt sein müsste. Solange die seitlichen Fenster geschlossen waren, konnnten wir problemlos ohne Windschutzscheibe fahren. Es windete nicht in den Innenraum. Es bildete sich einzig ein Luftpolster, also Ueberdruck. Als es zu regnen begann, spritzte wegen des herrschenden Innendrucks auch relativ wenig Regen in den Innenraum. Einzig beim langsamen Fahren unter 60 km/h mussten wir uns durch einen Schirm schützen, den wir durch das "Windschutzscheiben-Loch" steckten.

Unvergesslich die Komik, als wir über die Brücke über den Fehmarnsund fuhren, und der Kassierer den Maut-Kleber auf die nicht mehr vorhandene Windschutzscheibe kleben wollte. Beim dritten Versuch merkte er es und lachte über sein Missgeschick.

In Hamburg hofften wir noch mehr zu sehen und zu erleben als in Kopenhagen. Aber vorerst galt es die Windschutzscheibe zu ersetzen. Wir fanden eine Werkstatt und bezahlten den Betrag mit dem Geld-Gutschein aus dem TCS-Schutzbrief. Unser Tagesbudget hätte dafür nicht gereicht.

Selbstvertändlich waren wir auf der Reeperbahn anzutreffen. Dort im Salambo-Club sah ich die erste nackte Frau. Wirklich komplett nackt. Nackt war damals in Hamburg nur erlaubt, wenn sich die Person nicht bewegte. So wurde das Girl auf ein sich drehendes Podest gestellt und damit dem Gesetz genüge getan. Daneben hatte es im Salambo weitere gutaussehende Mädchen und Frauen, die die männlichen Gäste anmachten. Wir hatten zu wenig Geld, um mitzuhalten, schauten aber interessiert zu, wie eine Vollbusige ihre Brüste vor die interessierten Männer auf dem Tisch legte. Ich muss gestehen, dies hat mich stark erregt.

Durch ein Tor gelangten wir in die berühmt berüchtigte "Herbertstraße". Man musste Volljährig sein, um in die "sündigste" Strasse Hamburgs zu gelangen. Rechts und links sassen die Prostituierten in frivolen Kleidern und Strapsen in Fensternischen und warben um die Gunst der Freier. Viel hübsches haben wir aber nicht gesehen. Es waren meistens "Alte", in unserem Falle über 30 Jahre alt.

Es war mehr ein Zufall. Ein Jahr nach den legendären Gastspielen der Beatles im "Starclub" besuchten auch wir dieses berühmte Musiklokal auf der "Grosse Freiheit 39". Es spielten einige junge Bands, die wir nicht kannten. Aber ihre Lautstärke war enorm, obwohl wir im hinteren Teil des Saales standen und interessiert dem Treiben zuschauten. Als wir dann nach 1 oder 2 Stunden wieder aus dem Starclub auf die Strasse traten, sahen wr die Autos lautlos an uns vorbeischweben. Es dauerte ein paar Stunden, bis sich unsere Ohren wieder an den aktuellen Strassenlärm angepasst hatten.

Neben Sex und Underground interessierte uns auch das restliche Hamburg. Wir machten eine Hafenrundfahrt und besichtigten den grossen Hafen, besuchten die damalige Bundesgartenschau und das alte St. Pauli.


4. Aug. 1964: Tödlicher Autounfall meiner Eltern in England

Es war während meiner Offiziersschule in Dübendorf, als meine Eltern mit ihrem Fiat-1100 und dem Zelt meine Schwester in England besuchten. Christina absolvierte dort ihr Englisch-Jahr als Au-Pair-Girl. Dabei kam es zu dem tragischen Todesfall, als mein Vater am 4. August 1964 mit einem Militärtransporter zusammenstiess und auf der Stelle verstarb. Meine Mutter und Christina wurden nur leicht verletzt. Ich wurde in der Offiziersschule beurlaubt, bekam die Erlaubnis die Schweiz zu verlassen und traf am darauffolgenden Tag in England ein, wo ich als "neues Oberhaupt der Familie" alles regeln musste. Diese 10 Tage waren für mich sehr einschneidend. Nicht nur wegen des Verlustes meines Vaters. Erstmals in meinem Leben war die Familie auf mich angewiesen. Mehr darüber im Kapitel "4. August 1964 - Tod meines Vaters - Ein Tag mit grossen persönlichen Konsequenzen"


1966: Mit dem Flugzeug nach Gambrils ins PEP mit Marlies

Es war ein kurzes Zwischenintermezzo ohne Camping, als ich mit meiner neuen Freundin Marlies ins PEP nach Gambrils an die Costa Daurada flog. Das PEP gibt es heute noch, ein grosses Feriendorf mit allem drum und dran, direkt am Meer gelegen. Ideal für junge Leute, wie wir es damals waren. Der Strand war endlos und ein Dancing gab es auch. Aber sonst nichts. Marlies trug damals schon ein kleines Bikini, das auf beiden Seiten geknüpft werden musste. Die Männer schauten ihr bewundernd nach. Ich war stolz auf meine hübsche Freundin.


1967: Locarno Camping Lido Mappo

Ich war bereits im Technikum und verfügte naturgemäss über wenig Geld. Camping-Ferien mit dem Familienzelt im Tessin war unser Plan. Wie kann man diese Idee jedoch ohne Auto realisieren? Kein Zug der Welt hält in der Nähe eines Campingplatzes. Ich aber hatte eine Lambretta-Roller, der aber unser grosses Familienzelt nicht transportieren konnte.

Kommt Zeit, kommt Rat! Ein Steinchen fügte sich auf das andere. Das Zelt samt Luftmatratzen etc schickten wir per Eisenbahn nach Locarno. Marlies und ich fuhren mit der Lambretta über den Gotthard in den Süden. Wir waren angezogen wie im tiefsten Winter und wurden dennoch total unterkühlt. Ich hätte nie gedacht, dass wir derart ausgekühlt werden. Wir trugen doch die wärmsten Kleider.

Wir fuhren nicht über den Gotthard-Pass, sondern via Autoverlad durch den Gotthard-Tunnel. Im Süden angekommen ging es als erstes zum Bahnhof Locarno, um unser ganzes Gepäck auszulösen. Aber O-Weh! Es war Samstag und die Gepäckausgabe geschlossen. Wir fanden dennoch einen Bahnbeamten, der uns aus der Klemme half. Ein Taxi brachte alles auf den Campingplatz. Wir waren immer noch unterkühlt und krochen unverzüglich in die Schlafsäcke, um uns aufzuwärmen. Bald schliefen wir ein.

Am darauffolgenden Tag kamen Dieter und seine Freundin Silvia dazu. Mit Dieter habe ich viel erlebt. Meine ersten Camping-Ferien in Italien und dann auch auf der Dänemark-Reise. Wir teilten uns den Platz im 4er-Zelt. Zwischendurch mussten wir aufeinander Rücksicht nehmen, denn wir 4 waren alle jung und glichen einer Hormon-Bombe.


1968 - 1973: Sommercamping mit Zelt und Wohnwagen am Greifensee-Zeit

Während meiner Zeit am Technikum in Winterthur und meiner anschliessend ersten beruflichen Tätigkeiten bei der amerikanischen Computerfirma Sperry Univac wohnte ich in Dübendorf und Glattbrugg. In dieser Zeit zeltete ich den ganzen Sommer auf einem Campingplatz des Camping Club Zürich am Greifensee bei Uitikon. Wenn es irgendwie ging, fuhr ich am Freitag-Abend an den Greifensee und blieb dort bis am Sonntag-Abend. Im Vergleich zu den heute üblichen Standards war dieses Platz spartanisch eingerichtet. Es gab keinen elektrischen Anschluss, also abends nur Gaslicht. Es gab nur ein "Plumps-Klo", aber eine Wasserstelle. So sass man abends nur ums Feuer oder ging früh ins Bett, denn auch Satelliten-Fernseher gab es damals noch nicht.

1969 kaufte ich mir für Fr. 1'000.-- einen 4m langen alten gebrauchten KIP-Wohnwagen. Er war mein Stolz und stand vom Frühjahr bis im Herbst direkt am Greifensee-Ufer. Etwas später machte ich mit ihm sogar noch Wintercamping in Unterwasser.

Der Feldweg zum Campingplatz Greifensee war autofreie Zone, d.h. man durfte nicht mit einem Wohnwagen zum Campingplatz hinunterfahren. Es herrschte Fahrverbot. So war es bei uns Campern üblich, dass wie wie Verbrecher den Wohnwagen ohne Auto-Beleuchtung mitten in der Nacht oder eher nach Mitternacht auf den Campingplatz schleppten resp. ihn zum Abschluss der Sommer-Saison nach oben auf die Hauptstrasse zogen. Es war eigentlich unverständlich, dass die Polizei nie vorbeikam und nachfragte, wie wir eigentlich unsere Wohnwägen auf den Campingplatz brachten.

Ich war damals Student und hatte kein Geld, aber dennoch fehlte es mir an nichts. So brauchte ich bald ein neues Vorzelt. Dieses kaufte man damals noch nicht ab Stange. Man liess es nach eigenen Wünschen von einem Zeltbauer anfertigen.

Da ich mich mit dem Platzwart Herr und Frau Kohli gut verstand, konnte ich bereits im 2. Jahr direkt ans Ufer des Greifensees vorrücken. Ein privilegierter Platz. Neben mir stand der ehemalige Profi-Rad-Sprinter Paul Sutter mit seiner hübschen Frau Alice.

Camping am Greifensee
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Ihm habe ich dann auch sein Segelbot Toy für Fr. 1'500.-- abgekauft. Es war ein Einmann-Boot aus der Werkstatt Fireball. Eines der schnellstens Boote auf dem Greifensee. Es hatte 12 m² Segelfläche. Mich hatte dieses Boot immer fasziniert. Es war eine Rennmaschine und kam durch die flache Bauweise, die an ein dickes Surfbrett erinnerte, leicht ins gleiten. Man sass dabei auf einem Brett, das quer zum Rumpf angebracht war und steuerte dabei das Boot und setzte auch entsprechend die Segel. Je nach Wind konnte man das Brett hin- und herschieben. Ich trug dabei aber immer eine rot-leuchtende Schwimmweste.

Ich hatte es bald im Griff und wagte mich dann auch bei stärkerem Wind aufs Wasser und wurde immer wagemutiger. Bis ich dann einmal übertrieb und mich bei schwarzen Wolken rauswagte. Aber schon bald kennterte ich und konnte das Boot nicht mehr aufstellen, obwohl ich dies x-mal geübt hatte. So blieb ich im kalten Wasser beim Boot und wartete, wohin mich der Sturm wohl treiben würde. Auf einmal tauchten Retter in Form des Polizei-Bootes auf, nahmen mich an Bord und schleppten den gekennterte Toy auf den Campingplatz zurück. Dort erst merkte ich, wie erschöpft ich von den Versuchen war, das Boot aufzustellen. Ich konnte mich fast nicht auf meinen Füssen halten und musste mich setzen. Hier an Land entdeckten wir den Grund, warum das Boot sich nicht mehr aufrichten liess. Jemand hatte die Zäpfen am Rumpf entfernt, die verhindern sollten, dass Wassr in die Doppelwand des Rumpfes eindringt. Im Innern des Runpfes war bereits soviel Wasser, dass es beim Aufstellen immer wieder auf die andere Seite schwappte und das Boot wieder zum kenntern brachte. Die Polizei-Rettung hatte mich nichts gekostet. "Erst der zweite Rennungseinsatz wäre kostenpflichtig gewesen", meinten die Polizisten.

Ich war glücklich mit Marlies, meiner späteren Frau. Wir genossen die wunderbare Zeit am See. Sie war das Sexy-Girl auf dem Campingplatz. Damals kamen für freizügige Mädchen die links und rechts knüpfbaren Bikinis in Mode. Marlies hatte ein solches. Später hat sie sich dann ein kleines Bikini selber gehäkelt. Musste dieses dann aber füttern, weil man durch die Maschen sehen konnte.

Am Greifensee begann meine Vorliebe fürs Grillieren. Trutenbraten waren meine Spezialität. 45 Minuten dauerte die Grillzeit, dann war der Braten saftig und äusserst geschmackvoll. Einen Grill und Holzkohle konnte ich mir zwar noch nicht leisten, aber mit dem Platzwart gingen wir zu Abbruchhäusern im Raume Zürich und holten uns das dortige Parkett-Holz raus. Dieses eignete sich vorzüglich zum grillieren, denn der eingezogene Bohnerwachs liess das alte Hartholz gut brennen resp. dann glühen.

Camping am Greifensee
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Die meisten Camper auf dem Campingplatz waren eifrige Fischer und fischten im Greifensee. So kaufte auch ich Angler-Utensilien. Nicht die besten aus dem Anglergeschäft, aber solche aus der Epa, einem Billigwarenhaus. Oft leistete ich mir 10 lebende Köderfische aus dem Angler-Geschäft beim Helvetia-Platz in der Nähe der Langstrasse, wo ich arbeitete. Mit ihnen ging ich auf Hecht-Jagd. Manchmal durfte ich auf einem Ruderboot mitfahren, um von dort aus auf Hecht-Jagd zu gehen. Zweimal habe ich einen Hecht gefangen, sonst aber nur die 08/15-Fische wie die Brachsmen.

Mehrmals versuchte ich es auch mit Karpfen-Fischen. Dazu kochte ich am Vortag Mais zu Polenta, und morgens früh um 4 Uhr setzte ich mich an das Ufer, und wartete, ob einer anbeissen würde. Meistens verfiel aber der Mais-Klumpen im Wasser. An einem Hacken ohne Wurm oder ohne kleinen Maisballen hatten die Fische kein Interesse. Das schönste am Morgen-Fischen war der Tagesanbruch. Es wurde langsam Tag, die Natur begann zu leben. Anfänglich noch zaghaft und dann immer stärkeres Gezwitscher tönte aus den Bäumen. Sobald die Sonne am Horizont zu strahlen begann, brach ich und meine Fischerfreunde unser Vorhaben ab und begaben uns zum wohlverdienten Frühstück. Wir waren ja bereits über 4 Stunden unterwegs.


Wintercamping mit Wohnwagen im Toggenburg/Unterwasser (Herbst 1971 - Frühjahr 1973)

Mein Wohnwagen samt Vorbau im Wintercamping
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Ich wohnte noch in Glattbrugg. Doris war noch kein Thema. Ich campierte während des Sommers am Greifensee. Im Gespräch mit einem dortigen Camper entwickelte sich die Idee, im Toggenburg und zwar in Unterwasser Wintercamping zu machen. Der KIP-Wohnwagen musste aber vorerst wintertauglich gemacht werden: Die Fenster habe ich doppelglasig gemacht, indem ich auf mein Glasfenster eine Kunststoffscheibe mit 4 mm dickem doppelseitigem Klebeband aufklebte. Dadurch bekam ich eine kleine Luft-Isolation von 4 mm. Den Hohlraum zwischen den Aussen- und Innenwänden des Wohnwagens habe ich mit Styropor-Granulat isoliert; Dann habe ich einen 2x3m grossen isolierten Vorbau gebaut. Geheizt habe ich im Vorbau mit einem Oelofen.

Aufbau meines Vorbaus
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Die Isolation der Zwischenwände mit Styropor-Granulat tönt sehr einfach, war aber ein grosses Problem. Es begann bereits mit der Bestellung. Wieviel kg benötigte ich? Es gab noch kein Internet, um das Gewicht von Styropor nachzuschauen. Ich wusste nur, Styropor war sehr, sehr leicht. Heute weiss ich, dass 1 m³ aufgeschäumtes Styropor nur zwischen 20-50 kg schwer ist. (Bem: 1 m³ Wasser ist 1'000kg schwer.) Ich muss etwa 1 m³ bestellt haben, denn der Spediteur brachte mir einen 2-2,5 m hohen Plastik-Sack nach Hause. Wie sollte ich diese Menge nur zum Wohnwagen und dann in die Zwischenwände bringen? So versuchte ich als erstes in meinem Wohnzimmer, das Styropor in 50 Liter Abfall-Säcke umzufüllen, was nur schwer gelang, denn die Kügelchen luden sich elektrisch auf, flogen davon und verteilten sich überall in der Wohnung, nur nicht im Abfallsack. Erfolg hatte ich erst, als ich auf der Strasse den grossen Sack in die kleineren Säcke umfüllte. In der ganzen Umgebung sah man später die Kügelchen, aber ein paar Abfallsäcke habe ich doch voll bekommen.

Mit diesen fuhr ich zum Wohnwagen, der in einer Scheune bei einem Bauern in Maur unmittelbar oberhalb des Campingplatzes abgestellt war. Einen Kreisbohrer mit dem ich Löcher in die innere Doppelwand schneiden wollte, hatte ich auch dabei. Durch diese Löcher wollte ich das Styropor einfüllen. Die Theorie war bestens, aber in der Praxis funktionierte es nur mühsam. Styropor war kein Sand, den man mit einer Schaufel einfüllen konnte. Die superleichten Granulate flogen überall hin, nur nicht in die Doppelwand. Die Lösung waren schlussendlich kleine Säcke, wie sie der Konditor für die Verzierung von Torten benutzt. Auf diese Weise konnte ich das Styropor in die Zwischenwände einfüllen. Stundenlang habe ich gearbeitet, bis die beiden Seitenwände mit Styropor gefüllt waren. Dann habe ich die Löcher mit den ausgesägten Scheiben wieder geschlossen. Auch diese Beschreibung tönt sehr einfach und verständlich, aber es war eine grausame Arbeit. Ich war von oben bis unten mit Styropor-Kügelchen bekleckert.

Den Vorbau baute ich in der Freizeit-Werkstatt der Gemeinde Glattbrugg und zwar in 1 m breiten und 2.20 m hohen Elementen, die man leicht zusammenschauben konnte. Mit Dachlatten und Pavatex-Platten konstruierte ich diese Elemente. Die Innenwände solierte ich mit einer 1cm dicken Schaumstofftapete. Der Elemente-Boden war massiv mit Bauplatten und Styroporplatten isoliert. Das System war einfach und effizient.

Jeweilen im September/Oktober schleppte ich den Wohnwagen mit einem temporären Kontrollkennzeichen ins Toggenburg nach Unterwasser auf das Feld des dortigen Bauern hinter dem Hotel Restaurant Sternen. Dort baute ich den massiven Vorbau auf und machte den Wohnwagen samt Vorbau winterfest.

In den Winter-Monaten fuhr ich jeweilen am Freitag-Abend alleine oder mit Doris via Autobahn über Wattwil ins Toggenburg. Als erstes wurde der Wohnwagen angeheizt, d.h. der Oelofen, die elektrische Bodenheizung in Form einer Korkmatte und die Heizdecke im Bett in Betrieb genommen. Dann ging es in Rest. Sternen, wo wir etwas assen aber vorallem abwarteten, bis der Wohnwagen nach 2 Stunden angewärmt war.

Das Wintercamping war etwas spezielles. Vorallem, wenn es draussen schneite und ich drinnen geschützt in der Wärme sass. Spannend war es auch, wenn ich mich bei Ankunft zuerst durch den hohen Schnee durchkämpfen und den Schnee wegschaufeln musste. Ich kam mir dabei immer wie ein Kind vor.

Leben im Wintercamping
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Es gab aber auch unangenehme Momente. An einen erinnere ich mich, als wäre es gestern gewesen. Eines Nachts erwachte ich, weil es sehr kalt im Wohnwagen war. Draussen stürmte es. Ich befürchtete bereits das schlimmste, dass der Oelofen ausgegangen sein könnte. In der Tat war das Feuer aus. Gelöscht durch die starken Winde. Er war regelrecht versoffen, d.h. in der Brennkammer stand das Heizöl etwa 1 cm hoch. Unmöglich, den Ofen in diesem Zustand wieder in Gang zu bringen. So blieb mir nichts anderes übrig, als das Oel mit Putzfäden, von denen ich immer genug dabei hatte, aufzusaugen bis die Brennkammer trocken war und ich wieder mit einem Meta-Anzündstift von LONZA anzünden konnte. Nach über einer Stunde in tiefster Kälte brachte ich den Ofen wieder in Betrieb. Mein rechter Arm war jedoch bis weit über die Ellbogen total verschmutzt und stank nach dem Oel. Draussen im Schnee, versuchte ich mich zu säubern, was nur wenig gelang. Es fehlte warmes Wasser. So begab ich mich stinkend ins warme Bett, wo Doris sich warm hielt und hoffte, dass der Ofen nicht noch einmal ausgehen würde. Als Konsequenz habe ich mir einen speziellen Sturmaufsatz für mein Ofenrohr gekauft. Er war sehr teuer, aber von da an hatte ich Ruhe.

Einer der ganz grossen Höhepunkte in Unterwasser war mein 30. Geburtstag samt Verlobung mit meiner späteren Frau Doris Schnellmann am 31. Dez. 1972 bei einem Silvester-Schnaus und Tanz im Hotel-Restaurant Sternen. An diesem Abend wurden wir Mitglied des Sauna-Clubs von Flawil, der im Hotel Sternen den Jahreswechsel feierte. Man muss wissen, dass zu der Zeit "Sauna" auch für uns etwas ungewöhnliches war. Wir hätten uns nie nackt mit anderen Leuten zeigen wollen. Aber es wurde mindestens gedanklich, unser Anfang zu einer offenen Körperbeziehung.


Ausblick in die Zeit, als ich Familienvater wurde

Ich habe mit Doris Winter- und Sommercamping gemacht bis wir im Herbst 1973 nach Bern gezogen sind und dort den KIP-Wohnwagen verkauft haben. In den Jahren danach machte ich mit meiner Familie Ferien in Porto Santa Margherita bei Caorle und Fréjus. Im Juli 1985 begann meine nächste Camping-Periode in Istrien. Mit einem ausgeliehenen Zelt fuhr ich mit meiner Familie mit Doris und meinen Kindern Katja und Daniela auf den Campingplatz Solaris auf Istrien. Darüber berichte ich in einem eigenen Kapitel mit dem Titel "Ferien mit meiner Familie Doris, Katja und Daniela (1973 - 1988)"

 

Autobiografie von Max Lehmann
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