Ferien in meiner Jugend mit meinen Eltern (bis 1960)
(Kapitel aus meiner Autobiografie "Ich habe gelebt !" Letzte Aenderung: Version: 1.0 vom 21. Mai 2017)

Anhand der Auflistung meiner Ferien-Destinationen und den beschriebenen Erlebnisse kann man bestens erkennen, wann das Erinnerungsvermögen in meiner Kindheit einsetzte. Erinnerungen zurück vor meinem 5. oder sogar 7. Lebensjahr sind sehr lückenhaft. Ich vermute zudem, dass viele der vermeintlichen Erinnerungen auf den gefundenen Fotos und Erzählungen beruhen.

Wir haben mit 2 Ausnahmen, als Christeli auf die Welt kam, jedes Jahr Sommerferien gemacht. Meine Mutter hatte dafür ein Kässeli verwaltet, in das sie jeden Monat etwas hineinlegte. Winter- und Skiferien konnten wir uns erst viel später leisten. Da war ich bereits in der Berufslehre.

Den Sommer-Urlaub verbrachten wir meistens auf dem Lande in einem Bauernhof oder in einer der vielen Wohnungen des gemeinnützigen "Vereins für Familien-Herberge" in Gelterkinden (FH). Die "Ferien auf dem Bauernhof", wie man heute zu sagen pflegt, blieben für mich unvergesslich, denn wir Kinder konnten mit anpacken, die Hühner füttern, das getrocknete Gras zusammenrechen, kurzum den Bauern helfen.

18'000 Mitglieder zählte der "Verein für Familienherbergen" während seiner Blütezeit in den 1960er- und 1970er-Jahren, rund 100 Liegenschaften besass die gleichnamige Genossenschaft zu jener Zeit. Der Verein vermietete preisgünstige Ferienwohnungen an Alleinerziehende und Familien mit geringem Einkommen. Die Genossenschaft baute und unterhielt die Liegenschaften in der Schweiz, aber auch in Deutschland und Italien mit eigenen Handwerkern. Auf den 1. Jan. 2013 wurde der Verein liquidiert, denn das Interesse ging immer mehr zurück.

1944: Kerns

Dies müssen meine ersten Ferien gewesen sein. Ich war 1½ Jahre alt. Kerns liegt im Kanton Obwalden unweit des Hauptortes Sarnen auf 565 m.ü.M . Ich war noch wacklig auf meinen Beinen, aber fütterte bereits zum ersten Mal Hühner. Gotte Nina, Otti und Marieli Hämmerle mit Urs waren auch dabei. Urs war ein paar Monate älter als ich.

Ferien in Kerns (1944)
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Sommer 1945 und 1946: Ferien in Basel

Ferien kamen in diesen beiden Jahren nicht in Frage. Mami war schwanger und im Jahr drauf war "klein Christeli" noch zu klein.

Sommer 1947 in Kerns und Sustenpass

Wir wohnten wiederum in einem Bauernhof. Christeli, wie sie bis in ihre Jugendjahre gerufen wurde, konnte bereits gehen. Ein Ausflug mit dem Postauto führte uns auf den Sustenpass. Dort bei einer Aelplerhütte musste ich frische Kuhmilch trinken. Ich mochte sie (bis heute) nicht. Sie ist mir widerstanden, aber für ein Foto habe ich mich zusammengerissen.

Ferien in Kerns mit Ausflug auf den Sustenpass (1947)
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Sommer 1948 in Beatenberg

Wir wohnten im Haus des Pöstlers. Ihn habe ich regelmässig auf seinen Touren begleitet. Ein Ausflug mit der Seilbahn führte uns auf das Niederhorn. Auf dem Heimweg nach Basel machten wir einen Zwischen-Halt in Bern.

Ferien Beatenberg mit Ausflug aufs Niederhorn (1948)
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Juli - August 1949: Saas-Fee

Im Mai lag ich noch mit Diphtherie im Spital und wurde anschliessend nach Lenk zur Erholung geschickt. Gegen Ende Juli ging es nach Saas Fee in die Familien-Ferien. Mein Vater schrieb auf einer Postkarte an den Götti Georg "Schorsch" Schneider im Vorgelsang 13 in Wetzlar: "Es gibt sehr viele schöne Spaziergänge, welche auch für Kinder geeignet sind. Christeli ist fast besser auf den Beinen als Maxli, welcher halt immer noch die Krankheits-Nachwehen spürt." Ich hatte in der Tat ein strubes Jahr mit meiner Diphtherie-Erkrankung im Frühjahr 1949 hinter mir.

Begleitet wurden wir nach Saas-Fee von meiner Grussmutter Louise Schmitt (mütterlichseits), den Geyers und Inge, der Tochter des Malers Kaatz aus der Muespacherstrasse.

Nach Saas-Fee führte keine befahrbare Strasse hinauf. Wir mussten auf dem Kapellenweg von Saas-Grund hochmarschieren. Unser Gepäck wurde durch Maultiere nach oben getragen. Erinnern kann ich mich an einen Ausflug zum Allalin-Gletscher. Das ewige Eis und die übergrossen Gletscherspalten haben mich stark beeindruckt.

Ferien in Saas-Fee mit Ausflug zum Allalin-Gletscher (1949)
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Wandern in Saas-Fee (1949)
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1950 und 1951: Oberägeri

Ferien auf einem Bauernhof oberhalb Oberägeri. Seit Lenk, wo ich letztes Jahr nach meiner Diphtherie-Erkrankung zur Erholung weilte, konnte ich Velo fahren. Dies kam mir hier zu Gute. Ich fuhr mit dem Sohn des Bauern rund um den Aegeri-See. Ich war mächtig stolz auf diese Leistung. Es waren um die 20 km.

Bei einer unserer weiteren Ausfahrten stürzte ich mit dem Damenrad. Blutend kam ich nach Hause und was tat meine Mutter? Sie schüttete Zucker auf die blutende Schürf-Wunde. Ich konnte dies damals nicht verstehen, denn als Konsequenz haben mich die Fliegen und Bienen belästigt. Heute weiss ich, Zucker auf Wunden ist ein altes Hausmittel. Es stillt die Blutung und beschleunigt die Heilung, weil die Wunde weniger schnell aufreisst.

Oft fuhr ich mit dem Rad nach Oberägeri, um unter den Booten am Hafen zu fischen. Es war mir nämlich aufgefallen, dass viele Fische sich unter den Booten aufhielten. Als Fischerausrüstung diente mit ein Stecken, daran geknüpft ein Silk mit einem Schwimmer und einem Hacken. Ich machte reiche Beute und brachte die stolz nach Hause. Ob sie essbar waren, weiss ich nicht mehr. Nachträglich frage ich mich, wer denn die gefangenen Fische getötet hat?

1952: Sarnersee

Diese Ferien verbrachte ich mit der Familie von Gotte Nina und meinen Grosseltern im Ferienhaus der "Nielsen Bohni-Schreinerei", in der mein Grossvater arbeitete. Mit dem Zug fuhren wir nach Sarnen, wo wir uns einen US-Strassenkreuzer mieteten. Ja, da kleckerte meine Gotte mit vollen Händern. Mit diesem Schiff fuhren wir zum weit abseits liegenden Ferienhaus. Unvergesslich für mich waren die Ausfahrten mit einem Segelboot, das zum Ferienhaus gehörte.

Ferien am Sarnersee(1952)
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August 1953: Ferien in Zernez

An diese Ferien habe ich eigenartigerweise wenige Erinnerungen. Wir wohnten mitten in Zernez in einem alten Patrizirhaus. Ich kann mich nur schwach an einen Ausflug mit dem gelben Postauto auf den Ofenpass erinnern.

1954: Ferienlager der Basler Stadtmission in Bergün

Oh, wie habe ich mich gefreut, am 2-wöchigen Ferienlager der Basler Stadtmission unter Leitung des Herrn Kürners teilzunehmen. Wenn ich mich noch recht erinnere, mussten meine Eltern dafür Fr. 50.-- bezahlen. Das Lager fand in Bergün in einem alten Ferien- und Erholungsheim statt. Wir machten dort Wanderungen, z.B. auch auf den Morteratsch-Gletscher, spielten auf der grossen Wiese Fussball. Jeder musste Hilfsarbeiten verrichten wie WC putzen, Wischen, in der Küche helfen etc. Alle paar Tage wurde geduscht. Nackt mussten wir Jungens in die Massendusche. Ich habe mich grausam geschämt. Ich wollte mein Zipfeli nicht zeigen, denn ich habe damals schon bemerkt, der eine und andere hatte ein grösseres.

Ferienlager der Basler Stadtmission in Bergün (1954)
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1955: Ferien in Gurnigel

Mit dem Zug fuhren wir nach Bern, wo wir ein paar Tage bei der Freundin unserer Mutter beim Lineli Bertschin am Spiegel wohnten und dabei einiges von Bern zu sehen bekamen. Dann ging es mit dem Zug und dem Postauto auf den Gurnigel im Gantrisch-Gebiet auf 1'400 m.ü.M., wo wir im Ferienhaus des Turnvereins XY wohnten. Die Bertschins waren Mitglied in diesem Turnverein, weswegen wir dort wohnen durften. Wir waren eine grosse Gruppe: 4 Lehmänner, Lineli Bertschin mit Tochter Susi und Sohn Werner, sowie der Schäfer-Hündin Rita.

Susi sang und tanzte den ganzen Tag von Morgens bis Abends und Christeli musste immer mittun. Heute weiss ich, Christeli hat dies gar nicht gefallen. Ich sonderte mich etwas ab. Es war mir fad mit den zwei "verrückten" Weibern. Ich tat mich mehr mit Werner zusammen.

Gerne erinnere ich mich an die Schäfer-Hündin Rita. Mit ihr ging ich oft spazieren. Sie war lieb zu mir. Ich hatte keine Angst und sie gehorchte mir auch. Ich glaube, wir waren uns symaptisch.

Alle paar Tage führte uns ein Spaziergang zum Gesundheitsbrunnen beim Kurhaus Schwefelberg-Bad, wo wir aus dem Brunnen schwefelhaltiges Wasser trinken mussten. Es hat schrecklich gestunken, aber jeder musste ein paar Mundvoll trinken, denn es soll gesund gewesen sein!.

Ferien auf dem Gurnigel (1955)
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1956: Berzona im Onsernone-Tal

Die 1956er-Destination führte uns mit dem Zug und Postauto nach Berzona im Onsernone Tal. Mitten im kleinen alten Dörfchen bewohnten wir ein schönes Rustico "Al Lavell" mit einem idyllischen Garten. Dabei waren wiederum Lineli Bärtschi mit Tochter Susi.

Es gab im Dorf ein kleines Lebensmittelgeschäft, in dem es das wichtigste zu kaufen gab. auch Cremeschnitten, auf die wir selten verzichten konnten. Mein Vater liebte Süssigkeiten. Ich habe diese Vorliebe von ihm geerbt. Einmal in der Woche kam der Metzger mit dem Auto auf den Kirchplatz. Die Kirche hatte etwas spezielles an sich. Auf dem Kirchdach wuchs nämlich eine kleine Birke.

Unweit von Berzona gab es einen kleinen Bach mit vielen ausgewaschenen Steinen. Dort waren wir oft anzutreffen, um uns auszutoben. Das Wasser war zwar eiskalt, aber die Steine wärmten uns wieder auf. Es war ein grosses Vergnügen, über die ausgewaschenen Steinflächen zu rutschen.

An zwei grössere Ausflüge erinnere ich mich gerne. An den Besuch der berühmten Wallfahrtskirche "Madonna del Sasso" hoch über Locarno. Man konnte auf dem Kapellenweg emporsteigen oder die Seilbahn benutzen. Die zweite Erinnerung betrifft die Brissago-Inseln inmitten des Lago Maggiore mit den wunderschönen botanischen Gärten.

1957: Bettmeralp

Chalet Cecile hiess das kleine Chalet zwischen der Luftseilbahn und dem Dorfkern Bettmeralp auf 2'000 m.ü.M. Es war das bisher beste Objekt, das wir im Sommer bewohnten. Von hier aus machten wir unzählige Ausflüge, an die ich mich bestens erinnere. Hoch zum kleinen Blausee über der Bettmeralp, in dem wir baden konnten. Oder die abendlichen Spaziergänge ins Dorf zur Käserei, wo wir frische Milch holten. Die Milch war derart fetthaltig, dass wir zuerst den Rahm abschöpfen mussten, bevor wir sie zum kochen oder trinken gebrauchen konnten.

Von unserem Chalet aus war es ein relativ kurzer Weg duch den Fichtenwald zur benachbarten Riederalp. Diese Ausflüge wurden immer mit einem Gang ins Restaurant oder einer Glace belohnt. Unvergesslich blieben auch die Ausflüge zum Riederalp-Blausee und von dort weiter auf das Grat, wo wir einen grossartigen Blick auf den grossen Aletschgletscher hatten, der noch bis hierhin reichte.

Ich weiss nicht mehr, wie es dazu kam. Aber irgendwer hatte uns den Tip gegeben, dass man beim katholischen Pfarrer von Ried, dem kleinen Weiler unterhalb der Rederalp, sehr gut essen könne. Flugs haben wir uns zum Mittagessen angemeldet und bekamen ein feines Essen vorgesetzt. Der Pfarrer und seine Haushälterin haben selber gekocht. Als wir zahlen wollten, meinte er: "Zahlen Sie das, was es ihnen wert war!" Diesen Satz habe ich mir gemerkt. Es ist ein verzwackter Satz, denn wenn Du nicht knausrig sein willst, dann bist bestmmt grosszügig.

Gut erinnere ich mich an meine bisher grösste Bergtour auf das 2990 m hohe Eggishorn. Unterwegs beobachtete ich Murmeltiere, die auf den Bergwiesen spielten. Auf dem Gipfel angekommen, setzte ich mich auf den Boden und lehnte mich an einen grossen Stein. Links und rechts ging es steil in die Tiefe. Mein Vater konnte mir nicht zuschauen, wie ich da sass. Er hatte Höhenangst. Ich bekam diese "Krankheit" erst später, als ich auch etwa 50-55 Jahre alt wurde.

1958: Ferien in Salo (Gardasee)

Von der Familienherberge haben wir am Ende des Städtchens Salo die "Villa Gioconda" direkt am Garda-See gemietet. Mit uns war auch Tante Louisli aus St. Louis, eine Cousine meiner Mutter. Von der Villa Gioconda aus konnten wir direkt in den See springen. Aber man musste schwimmen können. Ich konnte dies schon ein paar Jahre. Meine Schwester Christina lernte dies hier. Dazu band mein Vater ihr ein Seil um den Bauch und hielt sie von der Brüstung des Sitzplatzes an einer Stange über Wasser, wie ein Fisch an einer Angelrute. Mit diesem Stecken hätte er niemals meine Schwester über Wasser halten können, aber es nahm ihr ihre Angst und gab ihr Sicherheit. So lernte sie hin- und herschwimmen. Mein Vater hätte sie auch nicht retten können, denn er konnte nicht schwimmen.

Wir hatten prächtiges Wetter. Damals war ich noch eine Wasserratte und immerzu im Wasser. Wir kauften uns eine Plastik-Luftmatratze, mit der ich im Wasser spielen und auch darauf liegen konnte. Dabei habe ich einmal übertrieben. Ich blieb zu lange auf der Luftmatratze und liess mich im Wasser treiben. Dabei habe ich mir einen leichten Sonnenstich zugezogen. Zwei Tage lag ich im Bett, hatte Schüttelfrost und starkes Kopfweh. Dann nach 2 Tagen kamen wieder die Lebensgeister über mich, denn ich wünschte mir eine Suppe, etwas das ich sonst verabscheute.

Von Salo aus machten wir viele Ausflüge mit dem Postauto und dem Flügelboot nach Riva, Isola Garda, nach Limone und den dortigen Zitronenhainen, dem Schloss in Sirmione, wir fuhren nach Verona zum Amphitheater, nach Padua und sogar nach Venedig. Es war mein erster Venedig-Besuch. Diese Stadt faszinierte mich. Wir haben in diesen Ferien viel unternommen. An jedem Tag war etwas los.

Ferien in Salo / Gardasee (1958)
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26. Juli - 10. August 1959: Maccagno (Italien)

Auch diese Ferien zog es uns in den Süden nach Italien. In Maccagno unweit von Luino mieteten wir von der Familienherberge (FH) eine Wohnung in einem alten Patrizierhaus mit grossen hohen Räumen. Als Neuerung hatten wir das 50ccm-Puch-Moped meines Vaters bei uns. Wir schickten es mit dem Zug, aber ich weiss nicht mehr, wo wir das Moped abholten. Ich vermute, wir schickten es bis zur Grenzstation Gerra oder Ranzo, wo ich oder mein Vater es abholte.

Kurz vor den Ferien habe ich die Moped-Prüfung abgelegt. Sie bestand nur aus einer theoretischen Prüfung. Mit dem Puch machte ich einige Ausflüge, aber alle ohne Helm. Helm war damals noch kein Thema, nicht einmal für Motorräder. Oft fuhr ich nach Luino, um auf dem dortigen Markt Lebensmittel, Früchte oder Kravatten einzukaufen. Kravatten waren damals der grosse Hit. Sie waren spottbillig.

In unsere Zeit erlebten wir ein paar gewaltige Gewitter. Gewitter, wie man sie nur im Süden kennt. In dem alten steinernen Haus dröhnten die Donner noch mächtiger als sonst. Es blitzte und knallte. Alle Feriengäste des Hauses trafen sich in der grossen Eingangshalle, denn vorallem wir Kinder hatten Angst. Als wir alle zusammen sassen, wurden die schlimmsten Horror-Geschichten erzählt, die nicht zu unserer Beruhigung beitrugen. Wie nasse Leitungen bei Gewittern durch die elektrischen Ladungen funkeln und blitzen können. Dass ein Blitz durch solche Räume rasen kann etc


Standseilbahn Lauterbrunnen - Mürren (Foto:Martin Hawlisch)

Sommer 1960: Ferien in Mürren

Mürren ist autofrei und liegt auf der sonnigen Terrasse gegenüber Eiger, Mönch und Jungfrau inmitten der Schweizer Alpen. Mürren ist der höchstgelegene Ort im Berner Oberland. Mit dem Zug gelangte wir von Interlaken bis nach Lauterbrunnen. Von Lauterbrunnen führte damals noch eine Standseilbahn mit einer maximalen Steigung von 60 Prozent bis zur Bergstation Grütschalp hinauf. Von hier aus fuhr dann eine Art elektrische Strassenbahn bis ins Zentrum von Mürren.

Jungfraujoch

Eine meiner unvergesslichen Ausflüge war die Fahrt auf das Jungfraujoch zum höchsten Bahnhof Europas auf 3'450 m Höhe. Ein einmaliger Ausflug. Nur dank des Familien-Tickets konnten wir uns diese kostspielige Fahrt ins ewige Eis leisten. Ich kann mich noch erinnern, die Retourfahrt kostete damals um die SFr. 100.--. Als ich diese Zeilen im Juni 2015 schrieb, konsultierte ich die Preisliste, um den aktuellen Preis zu erfahren. Lauterbrunnen - Jungfraujoch 2. Klasse Hin- und Rückfahrt kostete nun SFr. 183.-- pro Person

Christina und ich haben als Gepäck im Rucksack unsere Schlittschuhe mitgenommen, denn wir wussten, dass man oben im Eispalast Schlittschuh laufen konnte. Und wir nützten diese Freiheit in der unterirdischen Eisbahn aus. Wir waren die einzigen, die zwischen den einzelnen Räumen von einer Halle in die andere herumkurvten.

Unser Traum-Erlebnis begann bereits bei der Bahnfahrt von Lauterbrunnen zum Jungfraujoch, die durch das Felsmassiv des Eiger und Mönch führte. Bei den Zwischenstationen Eismeer und Eigerwand konnten wir die wunderbare Aussicht aus dem Berg hinaus geniessen. Wir mussten dazu einen Zug auslassen, weil unser Papi wegen der Höhe schwache Knie bekam. Oben auf dem Jungfraujoch musste er eine Coramin-Tablette zu sich nehmen, denn er spürte die Höhe und hatte immer noch weiche Knie. Wir Jugendliche spürten davon nichts.

Auf dem Jungfraujoch (1960)
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Bergtour von Mürren über den Petersgrat nach Kandersteg

Es gehörte zum Mürrener Ferienangebot, dass im Verkehrsbüro wöchentlich Touren und andere Aktivitäten gratis angeboten wurden. Dazu gehörten Tanz-Tee-Anlässe, Halbtages-Ausflüge in der näheren Umgebung, aber auch die Zweitages-Tour von Mürren über das Petersgrat nach Kandersteg. Wöchentlich wurde diese Tour unter Leitung eines erfahrenen Bergführers durchgeführt. Es sei eine "anstrengende" Tour. Gute Bergschuhe waren Voraussetzung, denn es soll auch über Gletscher mit Steigeisen gehen, angeseilt selbstverständlich. Ich war mir nicht sicher, ob ich genügend Härte für dieses Abenteuer aufwies. Ich war kein Wandervogel und macht um Familien-Ausflüge einen grossen Bogen. Nach 1-2 Tagen Denkfrist habe ich mich zu dieser Herausforderung angemeldet.

Frühmorgens startete ich mit sieben weiteren Gäste und dem jungen Bergführer Feuz. Zuerst ging es von Mürren hinunter nach Stechelberg auf 910 m und weiter durch das grandiose hintere Lauterbrunnental zum Berggasthaus Obersteinberg auf 1778 m, wo wir das urtümliche "Stein-"Ambiente genossen. Anfänglich führte der Weg über Wanderwege und später über den Tschingelfirn, also Eis und Schnee. Dann ging es weiter zur heimeligen Mutthornhütte SAC 2898m vollkommen umgeben von Schnee und Eis, wo wir übernachteten. Wir sassen dort zusammen, plauderten über das geleistete und erholten unsere müden Glieder. Frühmorgens soll es weitergehen.

Am 2. Tag ging es weiter über den Kanderfirn ins Gasterntal mit Blick auf das Bluemlisalp. Dies ist zweifelsohne eines der schönsten Täler des Berner Oberlands überhaupt. Wir wanderten weiter das Kanderntal entlang bis hinunter nach Kandersteg, wo wir in den Zug und zurück nach Mürren fuhren. Als wir in Kandersteg ankamen, war ich müde, aber sehr glücklich und stolz auf mich. Es war meine erste grosse Tour!

Ein paar Jahre später musste ich aus der Zeitung entnehmen, dass mein damaliger Bergführer Feuz, der als Skirennfahrer mehrmals das Jungfrau-Derby Schilthorn-Lauterbrunnen-Rennen gewann, in Ausübung seines Berufes in einer Lawine tödlich verunfallt war.

Ferien in Mürren (1960)
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1960 Winterferien in Wiesen bei Davos (1960)

Mein erster Ski war ein "Erbacher" aus Holz ohne Kunststoff-Belag, den ich mir in meiner Zeit als Lehrling in der Ciba als Occasion kaufte. Auf ihm lernte ich auf dem Feldberg skifahren. Im drauffolgenden Winter gingen meine Eltern und ich erstmals in die Winterferien und zwar nach Wiesen einem Bergdorf etwa 10 km nach Davos. Wiesen hatte zwar einen kleinen Idiotenhügel, aber der genügte mir bereits nach dem ersten Tag nicht mehr. So fuhr ich jeden Tag mit dem Bus von Wiesen hinunter zur Bahnstation und von dort die 2-3 Stationen bis Davos. Dann ging es in die Skigebiete Jakobshorn, Strela und Parsenn. Meist war ich im Parsenn- und Strela-Gebiet. Als letzte Abfahrt ging es immer nach Klosters. Da ich einen Ski-Regionenpass hatte, konnte ich alle Bahnen inkl. die Rhätische Bahn benutzen.

Ich fuhr von Tag zu Tag besser. Als Jugendlicher hatte ich sowieso keine Angst. Ich erinnere mich noch gut, als ich unten in Davos die kleine Skisprungschanze hochschaute und mir überlegte, ob und wie ich da herunterfahren und springen sollte. Ich hatte schon Respekt, aber es zuckte in mir. Es waren bestimmt Sprünge von gegen 30 m möglich. Ich verschob den Sprung auf den nächsten Tag.

Am nächsten Tag aber, ich fuhr meine Lieblingsstrecke vom Parsenn-Weissfluhjoch hinunter nach Klosters, stürzte ich unterwegs in einem Waldstück und brach an einem meiner Holzski die Spitze ab. Hinauf und zurück zur Bahnstation konnte ich nicht mehr gehen, und hinunter waren es auch noch ein paar Kilometer. Ich entschied mich fürs den Weg abwärts. Aus der vermeintlich 17 km langen top-Abfahrt wurde eine 7 km kräfteraubende Rutschpartie auf 1 Ski. Den anderen trug ich wie ein Holzsammler. Irgendwie kam ich unten in Klosters an, aber der Traum vom Skifliegen blieb unerfüllt. Die restlichen Tage musste ich ohne Skifahren auskommen.

1961: Skiferien in Mürren

Neue Skis waren teuer und ich hatte als Lehrling nicht soviel Geld. Aber glücklicherweise war Heidi Borer bereits meine Freundin. Ihr Vater hatte ein Möbelgeschäft. So konnte ich mir den ersten auf dem Markt erhältlichen Kunststoffski der Marke Kneissl "White Star" etwa zum halben Preis kaufen. Den vollen Preis hätte ich nie bezahlen können. Der Kneissl White Star war schwer und unheimlich hart. Damals fuhr man noch mit langen Skiern. 2.10m war mein Kneissl lang, bei einer Körpergrösse von ca. 174cm . Mit ihm musste man schnell und sauber mit Hoch-/Tief-Entlastungen fahren. Ich bekam ihn nie ganz in den Griff. Schlimm war es, wenn ich müde war, dann war er ein Desaster für mich. Keine echte Kurve gelang mir. Ich war nicht glücklich mit dem harten Brett!

Aber ich fuhr all die Pisten in Mürren. Auch die Stechelberg-Abfahrt ins Tal hinunter. Der neue Ski hatte auch seine Vorteile. Er war schnell, solange ich keine Bögen machen musste. Oft war er zu schnell, so musste ich den Ski querstellend abbremsen. Wedeln oder Kurzschwünge brachte mit diesem Ski nicht auf die Piste. Wie ich später erfuhr, hatte ich einen echten Rennski gekauft. Diese sind für Profis gemacht und extra steif konstruiert. Er war für mich als Amateur nicht zu fahren. Mürren 1961 waren meine letzte Skiferien, bis ich Doris, meine spätere Frau kennenlernte.

Camping ab 1961

Im 1961 begann meine Zeit als Camper, als ich mit zwei Freunden mit dem Zug und einem alten entlehnten Firstzelt nach Rom und Neapel fuhr. Es war aber nicht nur meine Zeit, sondern ich steckte auch meine Eltern mit diesem Virus an. Ueber meine Camping-Erlebnisse berichte ich im Kapitel "Camping - ein Leben als Zigeuner"

 

Autobiografie von Max Lehmann
Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen
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