Ab 1. März 1990: Nach der Scheidung ging es wieder aufwärts. Ich startete ein einzigartiges Leben
(Teil meiner Autobiografie "Ich habe gelebt !" Letzte Aenderung: Version 1.1 vom 17. Okt. 2017)

Max mit Bibeli (1991)
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Etwa ein halbes Jahr musste ich in der Melchtalstrasse, wohin ich vorübergehend ins Exil geschickt wurde, wohnen, bis ich wieder in unser resp. nun mein eigenes Einfamilienhaus an der Bollwerkstrasse zurückkehren konnte. In der Zwischenzeit hatte Doris eine Wohnung an derselben Strasse etwa 300m entfernt bezogen. Die meisten "alten" Möbel hatte sie zurückgelassen, aber alle schönen Einzelstücke und das Kleinzeug "geplündert". Vorallem die schönen Stücke wie die alte antike Pendule, dem Hochzeitsgeschenk meiner Mutter, der alte, restaurierte Bauernschrank aus dem Keller meiner Mutter, alle Bilder, Teppiche, alles Geschirr, Besteck, Kristall-Gläser, Pfannen etc. fehlten.

Dies war für mich jedoch nicht tragisch. Ich war froh, dass endlich die unerfreulichen Monate mit Doris vorbei waren. Ich erlebte am eigenen Leib, wie eine Frau mit Worten töten kann! Ich war in der Beziehung hilflos. Nun begann für mich ein neues Leben ohne Druck und ohne Angst.

Mein Weg zum Haushalts-Manager

Ich musste viel lernen, denn auf einmal war ich nicht nur für den Haushalt sondern auch das Geld verantwortlich. Ich hatte keine Ahnung, wieviel Geld ich zum Leben brauchen durfte. Allein die Alimente für Doris und die beiden Kinder machten ein grosses Loch in meine Kasse. Ich gebe zu, anfänglich hatte ich eine Art Existenz-Angst.

Aber es änderte sich alles zum Guten. Ich lernte, mit den vorhandenen Fränkli auszukommen. Ich erinnerte mich an meine Studienzeit, während der ich kein oder nur wenig Geld verdiente, aber dennoch ein Auto, Wohnwagen und sogar ein Segelboot mir leisten konnte. 5 Jahre dauerte der Engpass, bis Doris nach mehreren Anläufen endlich heiratete und ich für sie nicht mehr zahlen musste. Ich erinnere mich noch genau an den Tag der Trauung. Ich hatte Angst, dass Doris noch einmal kurz vor dem Ja-Wort den Rückzieher machen würde. Ich bat deshalb Katja, mich unverzüglich anzurufen, sobald Doris an der standesamtlichen Trauung ihr Ja-Wort gegeben hat. Nach ihrem Anruf fiel ein grosser Stein vom Herzen. Ich war überzeugt, dass mein Hochzeitsgeschenk, eine Spargel-Pfanne gefüllt mit 2 kg Deluxe-Pralinen dabei geholfen hat.

Ich brauchte Geschirr

Fürs täglich Essen war ich aus meiner Zeit im "Exil" gerüstet. Aber fürs Schöne und Besuch musste ich mich umsehen. Die Teller inkl. die grossen Platzteller fand ich in der Rheinbrücke und das Besteck im Migros. Im Interio (ex ABM) entdeckte ich die Gläser. Ich kaufte alles 12-fach, denn ich wollte die grossen Parties an Silvester weiter führen. Nur etwas einfacher.

Das Migros-Besteck hatte sich nicht bewährt. Es gefiel mir nie so richtig. Es war bider und altmodisch. Es war ein teurer Fehlkauf. Einige Monate später fand ich im Tschibo ein Besteck in modernem und zeitlosem Design. Noch heute benutze ich dieses tagtäglich, aber auch bei Besuch.

Mein Besteck
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Shopping: ich musste mich finden

Ich war hilflos und geschmacklos! In der Tat, ich musste lernen, meinen Geschmack zu finden. Ich machte anfänglich viele Fehleinkäufe. Es fehlte mir an Selbstsicherheit, denn in meiner Ehezeit hatte Doris bestimmt, was ich anzuziehen hatte. Dies soll jetzt nicht schlecht tönen. Ich akzeptierte dies. Es war bequem für mich.

Es sollte Jahre dauern, bis ich "sattelfest" war. Mir halfen dabei die Freundinnen, die mich berieten und mir auch erklärten, warum..... Claudia zum Beispiel schenkte mir zum Geburtstag eine Farbberatung. Ruth brachte mich weg von den "billigen" Vögeli-Kleidern zu den teureren Boss-Blazern aus dem Globus oder dem PKZ.

Einen herben Rückschlag erlebte ich, als ich im 1990 aufhörte zu rauchen. Auf einmal entdeckte ich, wie meine "billigen" Kittel nach Schweiss rochen. Chemische Reinigung nützte nicht mehr. Ich musste fast alles entsorgen und neu kaufen. Dabei machte ich eine meiner letzten grossen Fehltritte. Ich kaufte einen teuren braunen Zweireiher von Boss. Auf die Farbe braun kam ich, weil ich am Fernsehen einen Moderator mit einem braunen Blazer sah. Damals wusste ich noch nicht, dass zu meinem Typ die Farbe braun niemals passen würde. Diese Farbe machte mich käsebleich. Den braunen Zweireiher habe ich 2x getragen und dann verschenkt.

Rasierwasser und Parfums

Wie jeder Mann habe auch ich Rasierwasser benutzt. Anfänglich Old Spice, Pitralon und Aqua Velva, später dann bereits raffiniertere wie Hattrick, Aramis, Antaeus, Denim, Azzaro, Davidoff Cool Water, Dior Fahrenheit, Eternity Calvin Klein usw.

Ein paar Wochen, nachdem ich anfangs Nov. 1990 mit dem Rauchen aufgehört hatte, passierte etwas aussergewöhnliches. Auf einem Spaziergang durch die Freiestrasse kam mir ein feiner Parfüm-Duft entgegen. Ich schaute mich wie elektrisiert um und sah eine hübschen dazugehörende Frau. Es war der Beginn eines Lebens mit Düften.

Von da an war ich öfters in Parfümerien anzutreffen. Es gehörte zu meinen wöchentlichen Samstag-Ausflügen in die Innenstadt, dass ich in einer Parfümerie die eine oder andere Duft-Probe hinter die Ohren und auf den Hals spritzte, im Sommer auch unter das Hemd.

Freundinnen

Ich war wieder vogelfrei und konnte mich der holden Weiblichkeit zuwenden. Aber auch dies musste ich zuerst wieder lernen. Ich war nie ein Frauenheld. Ich war eher schüchtern. Ich muss gestehen, dass ich dennoch überrascht war über die Länge und Anzahl der Freundinnen, über die ich im Kapitel "Frauen und Freundinnen" berichte.

Ruth war meine erste Freundin nach der Scheidung. Sie muss ich erwähnen, denn sie war entscheidend für meine Weiter-Entwicklung. Sie hat einige "Leichen" aus meinem Keller geholt. Ich begann wieder zu fotografieren und entdeckte die Schönheit der klassischen Musik. Sie war es auch, die mein "Bibeli" entfernen und meine "Zeugungsfähigkeit" durch Sterilisierung unterbinden liess.

Durch Umbau wurde es mein eigenes Haus

In kleinen Schritten habe ich das Haus an der Bollwerkstrasse in "mein Haus" umfunktioniert. Anfänglich lebte ich in der ehemaligen Doris-Umgebung. Die Wände waren farbig, teilweise braun, einer Lieblingsfarbe von Doris. Im Wohnzimmer stand die Polstergruppe und die Wohnwand aus unsererem Hochzeit-Jahr. Im kleinen Schlafzimmer schlief ich im Ehe-Lattenrost-Bett.

Nachdem ich anfangs Nov. 1990 mit dem Rauchen aufhörte, wurde mein Geruchssinn sukzessiver neu sensibilisiert. Ueberall im Haus stank es. Bereits nach 3 Tagen musste ich alle Vorhänge waschen, denn sie stanken nach abgestandenem Rauch. Nach 1-2 Wochen begann ich, alle Wände und Decken abzuwaschen und neu weiss zu streichen. Damit habe ich auch gleichzeitig die Lieblingsfarben von Doris ausgelöscht. Uebrig blieben nur noch die Teppiche, die immer noch verraucht waren und mich in ihren dunklen Farben störten.

In einem nächsten Schritt liess ich ein massives Eichen-Parkett im Wohnzimmer und im Gang legen. Und Silvia belegte die Treppe mit einem neuen Teppich.

Mein Designer Glastisch
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Es scheint, dass die beiden Jahre 1997 und 1998 zu meinen zwei kreativen Jahre wurden. Zuerst habe ich mir das Schlafzimmer neu eingerichtet, dann einen grossen Designer-Esstisch angeschafft und schlussendlich Ende 1997 mit gütiger Mithilfe von Ulrike fürs Wohnzimmer vom Schweigert in Maulburg ein schwarzes deSede Sofa und eine blaue deSede Totzek-Liege aus Leder geleistet. Als Deckenbeleuchtung zum Esstisches installierte ich einen Kerzenleuchter mit echten Kerzen. Nun sah es in meinem Wohnzimmer toll und “heimelig” aus.

Im ersten Stock wechselte ich mein Schlafzimmer. Ich zog vom kleinsten Zimmer ins grösste mit der Terrasse um. Ich legte einen hell-blauen Velours-Teppich und kaufte dazu Vanille-Gelbe Möbel sowie ein elektrisch verstellbares Bett. Als Spiegel hängte ich einen grossen und schweren antiken Glasspiegel auf

Diese Anschaffungen waren ein weiterer grosser Schritt zu meiner persönlichen und geschmacklichen Selbständigkeit.

Meine DeSede Polstergruppen
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Kerzenständer und Teller designed by Katja

Ferien und Camping

Im ersten Jahr als Single fuhr ich noch mit dem Zelt nach Istrien. Dann aber erfüllte ich mir im 1990 meinen Traum. Ich kaufte mir meinen ersten Wohnwagen und dazu das notwendige Zugfahrzeug. Von da an gings regelmässig nach Istrien auf den Campingplatz Solaris, 2x nach Italien und 2x nach Süd-Frankreich.

Meine Kinder

Gemäss unserer Scheidungskonvention hatten meine beiden Kinder alle 2 Wochen ihr Besuchsrecht bei mir, sowie ein Ferienrecht von 4 Wochen je Jahr. Diese 4 Wochen teilten wir in 1-2 Wochen Skiferien in Bellwald und 2-3 Wochen Sommerferien auf Solaris auf. Katja nahm nur an 2 resp. 3 Jahren an meinen Ferien teil. Sie hatte sichtlich Probleme, wenn ich eine Freundin bei mir hatte und zeigte dies durch totales Desinteresse, wie z. B. an der Camping-Fahrt nach Rom und Neapel im Jahre 1991.

Meine Freunde

Eine Scheidung hat für manchen Freundeskreis seine Konsequenzen. Die einen wenden sich von einem ab, die anderen bleiben Freunde beider Partner. In meinem Fall habe ich mit Fritz nur einen Freund verloren. Er war einer meiner besten Freunde und erlitt zur selben Zeit wie ich den "Eheschaden". Anfänglich waren wir oft zusammen, auch um neue Freundinnen zu finden. Dann trat seine zukünftige Frau in sein Leben. Sie war leider von seinen bisherigen Freunden nicht begeistert. Fritz stnd zu seiner Frau und löste sich von mir. Ich traf ihn Jahre danach noch einmal, aber er war bereits ein fremde Person.

Rückblick

War die Scheidung für mich ein Glücksfall? Ich denke schon. Ich habe das Beste daraus gemacht und mich mit Hilfe unseres Eheberaters und Psychiaters Dr. Basci weiterentwickelt. Ich lernte, meine Gefühle zu entdecken und auszuleben. Ich bin heute ein anderer Max.

 

Autobiografie von Max Lehmann
Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen
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Zur Homepage
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Zur Autobiografie
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