Ueberblick über mein Leben als Rentner
(Teil meiner Autobiografie "Ich habe gelebt !" Letzte Aenderung: 24. Mai 2015)


Max in Jaipur (2014)

Vom IT-Manager zum Holiday-Manager

Ab dem 1. Januar 2001 war ich Rentner und seit einem Tag auch 58 Jahre alt. Ab diesem Datum war ich mein eigener Herr und Meister. Erstmals in meinem Leben war ich nicht fremdgesteuert. Ich hatte weder einen Chef noch Eltern, die meinen Tagesablauf bestmmten. Ich musste selber und fast ohne Einfluss von Aussen über meine Zeit und Aufgaben entscheiden. Ich musste nicht früh abends ins Bett, weil ich am Morgen früh zur Arbeit gehen musste. Ich konnte Fernsehen, solange ich wollte. Ich konnte "Compüterle" bis das Problem gelöst war, oder bis ich einstweilen genug hatte. Kurzum, ich durfte über mein ganzes Leben selber entscheiden und wählte bald den Beruf eines "Ferien- oder Holiday-Managers".

Ich musste mein Leben von Grund auf neu organisieren. Nachdem ich anfänglich mit dem Plan spielte, mich selbständig zu machen, diesen aber nach 3 Monaten begrub, wurden Sport-, Camping- und Reise-Aktivitäten Schwerpunkte in meinem neuen Leben. Ich sprach zwar anfänglich von Ferien, realisierte aber schnell, dass ich als Rentner keinen Anspruch auf Ferien mehr hatte. So wurden Abwesenheiten von Basel zu "Geschäftsreisen in die weite Welt".

Sport wurde für mich wichtig

Ich fühlte mich mit 58 Jahren noch nicht alt, Ich war fit und voller Lebensfreude. Es begann eine Zeit neuer sportlicher Herausforderungen. Dem Tennis-Sport war ich schon lange beim TC Birsmatt in Therwil verbunden. Ich war sogar ein paar Jahre deren Präsident. Nun kam der "Donnschtig-Club" dazu. Eine kleine Gruppe verrückter Tennisspieler, die sich am "heiligen Donerstag" zum Doppel und anschliessendem feinen Essen trafen. Die Teilnahme war obligatorisch. Es gab wenige Gründe, den Donnerstag auszulassen. Einer dieser Gründe war die Radrennwoche von Anfangs Mai 2001 in Follonica. Dort machte ich erstmals Bekanntschaft mit dem Radrennsport. Organisiert von Renato Bevilacqua, der zu meinen besten Freunden wurde, nahm ich an dieser Radsportwoche teil. Ich lernte recht schnell, mich in einer Gruppe von Fahrern einzuordnen, wurde Mitglied des Radrennclubs Basel (RRCB) und verschrieb mich dem Radrennsport.

Anfänglich fuhr ich nur um die 1'500 km pro Jahr. Die Ausfahrten waren hart und meine Kondition zu gering. Das schlimmste war, dass ich jedes Jahr im Frühling wieder bei Null-Kondition mit dem Training beginnen musste. Erst später in Thailand fuhr ich ohne grössere Unterbrüche 12 Monate im Jahr und legte um die 6'000 km pro Jahr zurück.

Zu meiner ersten Follonica-Woche im Mai 2001 nahm ich das "alte" Specialized-Carbon-Rennrad aus dem Fundus von Alice Fahrion mit. Zurück in Basel kaufte ich mir beim Ruedi Wenger ein preisgünstiges blaues "No-Name-Rennrad", das bereits 3x9 Kränze sprich Uebersetzungen aufwies. Mit ihm fuhr ich über mehrere Jahre, aber es befriedigte mich nicht 100%ig. Im 2011 rüstete ich auf einen halb-professionellen LOOK-Renner aus modernster Carbon-Technik auf und im 2014 kam auch in Thailand ein Super-Trek-Rennrad mit 2x10 Ultegra-Shimano-Schaltung dazu.

Lustig ist das Zigeunerleben

Meine Mutter reiste bis in hohe Alter in der ganzen Welt herum. Ein paar Wochen in Indien, weitere Wochen in Gstaad, dann wieder am Bodensee und hoch in den Himalaya. Ich muss ihre Gene geerbt haben, denn auch mich zog es seit meiner Pensionierung in die Ferne. Im Gegensatz zu ihr, blieb ich aber längere Zeit sprich Monate an ein- und demselben Ort.

Ich lebte ein Leben wie ein Filmstar. Ich hatte 3 Wohnsitze in 3 verschiedenen Ländern verteilt auf die ganze Welt. Im Winter verbrachte ich 5 Monate in Spanien resp. Thailand, im Sommer 4 Monate in Istrien und dazwischen zog ich mich insgesamt 3 Monaten zurück nach Binningen, um die Steuern zu bezahlen.

Meine Sommer-Residenz in Istrien

Meine erste Residenz baute ich in Istrien auf dem Campingplatz Solaris auf. Es war schon immer mein Traum gewesen, den Frühling-Sommer in meinem grossen Wohnwagen als Dauercamper zu verbringen. Jahr für Jahr fuhr ich Ende April auf die kroatische Halbinsel südlich von Triest und blieb dort bis Mitte August. Istrien hatte den Vorteil, dass das Klima angenehmer und sicherer als im Norden war. Auf Solaris fühlte ich mch sehr wohl, weil ich hier immer mit offenen Armen empfangen wurde, auch wenn ich nach einem privaten Desaster geknickt wieder ankam.

Meine Winter-Residenz in Süd-Spanien (2006/07 und 2007/08)

Die herbstlichen Monate in der Nordwest-Schweiz mit den tristen Nebeltagen waren meiner Moral nicht förderlich. Ich war und wurde zwar nicht depressiv, aber ich zog mich in diesen Tagen in meine Wonung zurück, wie ein Murmeltier im Winterschlaf. Warum sollte ich auch in die freie Natur gehen, wo doch alles grau und feucht war? Ich war in dieser Zeit sichtlich unglücklich.

Mit Evelyne, meiner letzten Ex-Frau, kam die Idee mit dem Winteraufenthalt in Südspanien. Anfänglich zog es mich zwei Mal nach Südspanien in die Provinz Murcia. Ende September zog ich meinen Wohnwagen von Istrien, wo er abgestellt war, via Südfrankreich nach Cartagena und im Jahr darauf nach Mazarron und blieb dort bis Mitte März. Gegen 2'000 km musste ich mit dem Gespann für einen Weg zurücklegen. Obwohl es auch dort unten mehrmals regnete, war das Klima dennoch angenehm. Selten musste ich mich tagsüber warm anziehen. Ich konnte auch im Dezember und Januar im Freien Tennis spielen oder mit dem Mountainbike eine schöne Tour unternehmen. Die grosse Arbeitslosigkeit von weit über 25% mit der darmit zusammenhängenden Kriminalität in dieser Gegen hat mich stark beschäftigt. Ich spürte die Blicke der Arbeitslosen, die mich um meinen Wohlstand beneideten. Sogar auf der Hin- und Rückfahrt auf den spanischen Autobahnen hatte ich ein ungutes Gefühl, was durch entsprechende Berichte in der Presse weiter geschürt wurden.

Meine Winter-Residenz in Thailand (ab Okt. 2008)

Nach 2 Jahren Spanien zog es mich ab Herbst 2008 nach Thailand, wo ich in der Folge den europäischen Winter überbrückte. Ich wohnte in Hua-Hin etwa 240 km südlich von Bangkok in gemieteten Häusern und machte von hier aus Reisen innerhalb Thailands und in die benachbarten Länder wie Kambodscha, Vietnam, Laos und Burma, sowie etwas weiter nach Hongkong und Indien.

Es war für mich ein grosser Glücksfall, dass ich in meinem ersten Winter Pat kennengelernt habe und durch sie ganz Thailand entdecken durfte. Wir wurden ein brilliantes Team. Pat wurde meine grosse Freundin und Liebe. Pat war für mich Thailand.

Immer mehr wurde ich zu einer Art Thailänder. Ich passte mich an, an ihren Chaos. Ich ärgerte mich nicht, wenn sich die Einheimischen nicht an unsere europäischen Normen hielten. Sie sind einfach unpünktlich und Verkehrsregeln gelten auch nur bei Unfällen, aber schuld ist immer der Farang (sprich Ausländer).

Meine Zeit in Thailand möchte ich nicht mehr missen. Thailand ist einfach einmalig. Alles ist dort anders. Es beginnt beim Aussehen der Asiaten und deren Lebensweise; die Schrift und Sprache sind unverständlich; die wunderbaren Früchte erinnern an das Schlaraffenland; das feine Essen in Restaurants und auf der Strasse sind geschmackvoll und einmalig.

Jeweilen Mitte Oktober flog ich nach Thailand. Es waren lange Flüge. 11 Stunden dauerte der Hin- und 12 Stunden der Rückflug in die Schweiz. Anfänglich genügte mir die Economy-Klasse mit den engen Sitzen, seit 2013 leistete ich mir die Business-Klasse. Mit einer zusätzlichen halben Schlaf-Tablette wurde der Direkt-Flug von Zürich-Kloten nach Bangkok und zurück sogar zu einem Vergnügen. Einmal versuchte ich eine günstigere Vanriante mit der Finnair von Zürich via Helsinki. Aber es war nicht das grüne vm Ei. Reumütig kam ich zurück auf die Direktflüge mit der Swiss oder der Thai-Airways.

In Thailand geht es mehr oder weniger übergangslos in die nächste Rad-Saison. Wenn ich ankomme, ist es tagsüber etwa 25-27°C warm. Eine ideale Temperatur, um mit Freunden der "Hua-Hin Roadies" auszufahren. Auch in Thailand habe ich ein technisch bestens ausgerüstetes Carbon-Rennrad der Marke Trek stehen. Einer der ganz grossen Höhepunkte war die Ausfahrt mit Tony Rominger anfangs 2015, einem der grössten ehemaligen Rad-Profis der Schweiz.

Anfänglich verfügte ich nur über ein Mountain-Bike, mit dem ich nicht nur auf den Strassen sondern auch im Gelände fuhr. Der Australier Barry Edwards übte mit mir sogar das Off-Road-Fahren in schwerstem Gelände. Aber im 2013 hat es mich dann mit dem MTB überschlagen, als ich zwar ein erstes Loch überspringen konnte, aber inmitten dem zweiten Loch landete. Recht unsanft krachte ich auf meine rechte Schulter. Ein Knirschen in der Schulter liess nichts Gutes ahnen, aber mein Schlüsselbein blieb ganz. Hingegen wurden die Bänder und Sehnen in Mitleidenschaft gezogen. Eine Operation kam nicht in Frage, denn ich hatte nicht die Zeit, um 2 Monate mit eingeschienter Schulter und Armen herumzulaufen. So heilte ich mich mit Bewegungsübungen, musste aber in der Folge aufs Tennis verzichten.

Weitere Hobbies, Beschäftigungen und Ereignisse in meiner Rentner-Zeit

In meinem 3. Lebensabschnitt habe sich die Erlebnisse überstürzt. Es wurde ein spannendes, einmaliges Leben mit vielen Hochs und auch ein paar Tiefs, die sich aber immer zum Guten wendeten und mich weiterbrachten:

Diagnose Krebs: Prostata-Operation

Der Flug nach Thailand war bereits gebucht, als meinem Hausarzt mein erhöhter PSA-Wert gar nicht gefiel und mich zu Dr. Barone, seines Zeichens Urologe aller Basler Männer, schickte. In einer Biopsie entnahm er mir etwa 20 Zell-Proben aus meiner Prostata, Diagnose Krebs! Im Oktober 2009 wurde ich in einer 7 stündigen Operation von Prof. Bachmann im Universitätsspital Basel operiert. Die während der Operation entnommenen Gewebezellen aus dem zurückgebliebenen Gewebe zeigten, dass die Aerzte alle Krebszellen erwischt hatten. Einen Monat nach der Operation flog ich nach Thailand. Erst nachträglich habe ich realisiert, wie knapp ich an einer tödlichen Katastrophe vorbeigeschrammt bin.

Mehr dazu gibt es unter "Krankheiten" im entsprechenden Bericht über meine Prostata-Opration zu lesen

Arbeit an meiner Auto-Biographie

Das Projekt einer Autobiografie habe ich nach meiner Prostata-Operation im Okt. 2009 gestartet. Es war die Zeit, als meine Kinder sich von mir abwandten. In der Zwischenzeit habe ich mich zwar wieder mit Daniela gefunden, aber die Kontakte zu Katja sind endgültig abgebrochen. Diese Situation macht mir arg zu schaffen, obwohl ich in der Zwischenzeit von anderen erfahren habe, dass ich mit diesem Problem nicht alleine dastehe. Meine Enkelkinder von Katja aber auch die von Daniela sollen einmal durch meine Biografie erfahren, wer ihr Grossvater war, wie er lebte und was in seinem Leben erlaubt und üblich war.

Für mich war die Rückbesinnung in meine Vergangenheit bis zurück in meine Jugendzeit höchst interessant und faszinierend. Sie brachte mir aber auch ein paar erstaunliche Erkenntnisse.

Das Dokumentieren von Erinnerungen war schwerer und aufwendiger, als ich es mir vorgestellt hatte. Meistens war ich in den Morgenstunden kreativer und formulierte leichter und prägnanter. Die grösste Herausforderung bestand darin, dass ich die Erinnerungsblitze, die immer wieder auftauchten, wenn ich am schreiben war, unverzüglich und möglichst vollständig an der richtigen Stelle im Manuskript einfügte. So sprang ich oft von einem Kapitel ins andere. Hüten musste ich mich davor, dieselbe Situation nicht zwei- oder sogar mehrmals an verschiedenen Stellen einzufügen.

Meine Autobiographie besteht aber nicht nur aus Texten und Erinnerungen, sondern auch aus Illustrationen und Beilagen. Diese scante ich zu Hause in Binningen ein und optimierte sie später, wenn ich unterwegs war. Wichtig war dabei, dass ich die Bilder und Dokumente unverzüglich beschrieb.

Ich wurde zur Nummer 6 in der Hierarchie von Claudia

Als ich in Rente ging, da war ich mit Claudia zusammen. Damals verkaufte ich auch mein Haus an der Bollwerkstrasse in Binningen und zog zu Claudia in Zuchwil (SO). Wir hatten eine gute Zeit in einer konservativen Umgebung. Claudia wohnte in einem schönen Einfamilienhaus mit ihren beiden Kindern Severine und Lucien sowie ihren 3 Hunden. Ich wurde so automatisch zur Nummer 6 in der Hierarchie.

Als diese Beziehung zu Ende ging, weil Claudia mein geplantes Traumleben im Wohnwagen nicht teilen wollte, fand ich meine jetzige Traumwohnung am Schafmattweg. Nur etwa 3 Monate im Jahr wohne ich noch in Binningen, aber es überkommt mir immer wieder ein vertrautes Gefühl von "zu Hause sein", wenn ich die Türe öffne und in mein Idyll eintrete.

Up und Downs mit Evelyne

Am 12. Juni 2004 nahm ich mir allen Mut zusammen, sprach meine langjährige Traumfrau Evelyne an und lud sie zu einem feinen Essen ins Dvi Murve ein. Daraus entwickelte sich eine Wahnsinns-Chaos-Zeit mit Besuchen des Pavarotti-Abschiedskonzertes in Pula, Gran Canaria-Ferien und einer Nilfahrt. Am 8. April 2006 heirateten wir für alle meine Bekannten überraschend und bereits am 11. Juli 2007 waren wir wiederum geschieden! Es war meine verrückteste Zeit in meinem Leben. Ich habe weder vorher noch nachher mehr Up und Downs erlebt.

Mehr dazu gibt es im entsprechenden Kapitel über meine Frauen und Freundinnen zu lesen

Meine weiteren Hobbies

Man sagt den Rentnern nach, dass sie sehr beschäftigt sind und über wenig Freizeit verfügen. Dies trifft auch bei mir zu. Um Zeit für Neues zu schaffen, musste ich mich von liebgewordenem trennen. Im 2007 verkaufte ich meine grosse Briefmarkensammlung, die mich etwa 65 Jahre in meinem Leben begleitet hatte.

Ich habe aber auch aufgerüstet, z.B. mit der Anschaffung einer digitalen Spiegelreflex-Kamera Canon 60 D im März 2012. Die Bilder habe ich nicht mehr ausgedruckt und in Papierform in ein Album geklebt, sondern als digitale Foto-Gallerie im Internet veröffentlicht. Auch wenn es oft weh getan hat, ich habe von nun an, nur noch die Besten der besten Bilder weiterbarbeitet und ausgestellt.

Die Foto-Gallerien findet ihr im Kapitel "Meine Hobbies: Fotografie"

 

Autobiografie von Max Lehmann
Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen
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Zur Homepage
http://www.maxlehmann.ch
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Zur Autobiografie
http://www.maxlehmann.ch/memoiren