Vom Computer-Hersteller zur IT bei Sandoz - Novartis (1981 - 2000)
(Teil meiner Autobiografie "Ich habe gelebt !" Letzte Aenderung: Version 1.3 vom 9. Jan. 2017)

Am 1 Juli 1981 bin ich in die damalige SYMA bei Sandoz eingetreten. Als grosser Glückspilz wurde ich auf Ende 2000 an meinem 58. Geburtstag pensioniert. Ich erlebte in der Chemie eine grossartige Zeit. Es war noch die Zeit, in der man auch in einem Grossbetrieb etwas verändern konnte. Meine Arbeit war und blieb mein Hobby.


Prof. Werner Arber

Max (1987)

Auf Wiedersehen Herr Prof. Arber

Beginnen möchte ich diesen Abschnitt meines Lebens mit einem wahren Erlebnis in der Basler Strassenbahn. Es war 1 Jahr vor meiner Sandoz-Zeit.

Ich arbeitete noch bei Univac an der Malzgasse und bearbeitete die Sandoz. Dazu fuhr ich regelmässig mit dem 1er-Tram vom Aeschenplatz via Bahnhof in Richtung Sandoz. Es war Herbst und ich stand hinten, weil kein Sitzplatz mehr frei war. Ich entdeckte, dass eine Frau mich eingehend musterte. Ich war dies gar nicht gewohnt und grüsste zurück. Als sie dann ausstieg, sagte sie "Auf Wiedersehen Herr Prof. Arber"

Man muss wissen, Prof. Werner Arber war eine berühmte Persönlichkeit in Basel und hat im 1978, also etwa 3 Jahre vorher, den Nobelpreis für Medizin bekommen. Er arbeitete am Biozentrum der Uni-Basel.

Diese Frau hat mich mit ihm verwechselt und in der Tat, sahen wir uns sehr ähnlich aus. Auch er hatte einen grossen Kopf und krauses Haar.

1981 - 1984: Anwendungsberater in SYMA

Meine Sandoz/Novartis-Zeit hatte damit begonnen, dass ich anfangs 1981 der Sandoz AG das letzte Gross-Computersystem von SPERRY-UNIVAC vom Typ 1100/62 verkauft habe. So gegen 3.5 Mio SFr hatte der Rechner gekostet. Mein Gesprächs- und Verhandlungspartner war der damalige SYMA-Leiter und spätere Finanzchef und VR-Präsident der Clariant AG Roland Lösser. Da wir uns gut verstanden und gemeinsam manche Dannemann-Zigarre rauchten (ich bin jedesmal kreidebleich aus seinem Büro gestapft), machte er mir trotz GWA (Gemeinkosten-Wertanalyse) durch McKinsey das Angebot, per 1. Juli 1981 bei ihm einzutreten. Roland Lösser hat mich in der Folge stark und entscheidend geprägt.

Am nachhaltigsten blieb mir in Erinnerung, als Roland Lösser mir ein Projektvorschlag für ein Abrechnungssystem zwar nicht verriss, aber dennoch mit der bissigen Bemerkung zurückgab:

"Jetzt arbeiten sie mehrere Wochen an dieser Aufgabestellung und dann schreiben Sie in 2 Tagen einen mickrigen, schlechten, oberflächlichen Bericht, der Ihre gute Arbeit gar nicht zur Geltung bringt. Mit Ihrem Bericht müssen Sie mir Ihre Leistung verkaufen! Der Bericht sollte das Beste sein, was sie zustande bringen können!"

Noch heute höre ich diesen Satz, wenn ich irgendetwas schreibe. Sei dies ein Mail, einen BLOG-Beitrag oder diese Autobiografie. Seither feile ich an jedem Satz, streiche das Unwesentliche hinaus und verstärke das Wesentlich mit Adjektiven.

Zusammen mit Peter Genkinger, Jean-Francois Gorgerat, Louis Schaller, Christoph Schlachter und Max von Büren bildeten wir das Team der "Anwendungsberater". Ich hatte die Pharma mit allen Bereichen wie R+D, Produktion und Marketing zu betreuen und kam in dieser Zeit auch erstmals in Kontakt mit dem SAP-System (R1) zur Abwicklung sämtlicher Geschäftsprozesse eines Unternehmens wie Buchführung, Controlling, Vertrieb, Einkauf, Produktion, Lagerhaltung und Personalwesen, als es darum ging die unzähligen handgeschriebenen COBOL-Programme von Rainer Geschwandtner aus der PPS zu ersetzen.

Peter Genkinger war das Musterbeispiel eines "Beamten", der nie etwas falsch gemacht hat. Und wenn dennoch etwas schief ging, dann hatte er irgendetwas in der Hand, um auf jemanden anderen zu zeigen. Mit dieser Methode und seiner "Unterwürfigkeit" hat er es im Laufe der Jahre bis zum Vize-Direktor gebracht. Aber Freunde sind ihm wenige geblieben.

In diese Zeit fiel auch mein erster Kontakt zu einem PC, dem "Victor 9000 resp. Sirius I". Dieser amerikanische PC war weitaus besser als der erste IBM-PC. Er arbeitete mit dem Betriebssystem MS-DOS. Er wurde mit einem Prozessor Intel 8088 und einem Arbeitsspeicher von 128 kB ausgeliefert, konnte aber bis auf 1'000 kB RAM ausgebaut werden. Der mitgelieferte Bildschirm konnte bereits monochrome Grafiken mit 800 x 400 Bildpunkten darstellen. Er kostete je nach Ausführung zwischen 12-19'000 SFr.

Diese Daten sind doch erstaunlich tief oder schwach. Heute verfügt jedes elektronische Smartphone ob Android oder Apple über mehrere GB an Hauptspeicher. 1 GB entsprechen 1'000'000 kB.

Schweizerhalle 1986: Jubiläumsfest und anschliessend ein verheerender Grossbrand

Im Sommer feierten wir während 3 Tagen in einem grossen Festzelt in der Schweizerhalle das 100-jährige Jubiläum-Fest der Sandoz. Doch leider nur wenige Monate später ereignete sich am 1. November 1986 ein verheerender Grossbrand in der Schweizerhalle.

Obwohl der Brand keine menschlichen Opfer forderte, verursachte er einer der grössten Umweltkatastrophen Europas. Dabei verbrannten gegen 1'500 Tonnen hochgiftiger Chemikalien, gelangten in die Luft und verbreiteten in der Region einen bestialischen Gestank. Diese Chemnikalien landeten schlussendlich ebenso wie das Löschwasser im Rhein, was unter anderem zu einem schrecklichen Fischsterben führte Dieser Vorfall war ein Tiefpunkt für die Sandoz und die Region.

1984 - 1994: Informationsverarbeitung Pharma Entwicklung (IV-PE)

Mein Gastspiel in SYMA dauerte 3 Jahre, bis ich von Hartmut Bethke, dem damaligen Leiter von Pharma Entwicklung (PE) beauftragt wurde, die Informatik in PE (=IV-PE) aufzubauen und zu leiten. Daraus wurde eine fruchtbare Zeit mit brillianten, weitsichtigen Resultaten und Weichenstellungen.

Zusammen mit Michael Engel haben wir das Office-System ALL-IN-1 mit Textverarbeitung, Ablage und Mailing für Gesamt R+D evaluiert und erfolgreich weltweit implementiert. Rückblickend eigentlich erstaunlich, was zu damaliger Zeit durch einzelne Mitarbeiter alles bewegt werden konnte. Das unternehmerische Denken jedes einzelnen war gefragt und wurde auch akzeptiert! Jahre später, in meinen letzten Jahren meiner Novartis-Karriere ging es nicht mehr um das unternehmerische Gesamtziel, sondern nur noch darum, möglichst keine Fehler zu machen.

Ich erinnere mich noch sehr gut an die erfolgreiche Präsentation des ALL-IN-1-Projektes vor dem kritischen R+D-Leiter und dem Klinik-Management. Um Erfolg zu haben und unsere Idee zu verkaufen, organisierten wir eine eigenständige Ausstellung über die Informatik in R&D im Vorraum des grossen Auditoriums, wobei wir erstmals ALL-IN-1 vorführten. Erwähnenswert ist der durch uns berechnete und prognostizierte Platten-Speicherplatzes für all die Office-Benutzer, nämlich gegen 6.5 GigaBytes, was damals technisch noch nicht möglich war. Wir nahmen jedoch an, dass in den kommenden Jahren solch grosse Speicher fabriziert werden, was dann auch eintrat. (Als Vergleich: diese Speicher-Kapazität ist heute als mehrfaches auf jedem Smartphone verfügbar!

Schmunzelnd erinnere ich mich in diesem Zusammenhang an ein Intermezzo mit Michael Engel an der jährlichen Digital-User-Conferenz DECUS in Cannes. Wir hatten in Basel bereits ALL-IN-1 probeweise installiert und waren am ausführlichen testen. Dabei stellten wir beide fest, dass nach einer bestimmten Bildschirm-Eingabe sich das VAX-Computersystem automatisch verabschiedete! Als wir in Cannes die weitläufige VAX-Ausstellung besichtigten, kamen wir auch beim ALL-IN-1 Bereich vorbei. Ich sehe heute noch den Blick von Michael wie er sich an einen Bildschirm setzte und genau diese Eingaben eintippte, die bei uns in Basel die VAX zum Absturz brachte. Ich kam mir vor wie James Bond, als rund herum die Bildschirme zu blinken begannen, das Pannel der VAX vor lauter leuchtender Lämpchen fast explodierte und nach etwa 2 Minuten die ganze VAX-Installation der DECUS-Conference sich abgemeldet hatte.

Unsere PE-Systeme

Im Laufe der Zeit bestand mein IV-PE-Team u.a. aus Michael Engel, Bettina Ernst, Thomas Karsch, Waltraud Kleiner, Bernard Linder, Werner Meier, Urs Pfund, Joachim Rademacher, Roland Stucki, Christian Uhlen, Claude Geyer und René Weber. Mein Team war absolute Spitze. Wir waren eine verschworene Gemeinschaft und genossen unsere Erfolge gemeinsam, denn jeder war ein Rädchen zu unserem Gelingen. Durch den einzigartigen Team-Spirit machten allen die Arbeit einen Riesenspass und jeder setzte sich für jeden ein. Roland Stucki brachte diese Stimmung auf den Punkt, wenn er erzählte, dass er morgens früh begann zu arbeiten und abends nach 19 Uhr realisierte, dass er nun nach Hause gehen sollte. Aus diesem Grund ist es auch nicht erstaunlich, dass wir uns heute noch 2-3 mal jährlich treffen und in den Erinnerungen unserer gemeinsamen Zeit schwelgen und auch nachtrauern.

Die zweitgrösste Leistung neben der ALL-IN-1-Einführung bestand im Konzept und in der Realisierung des "PE-Informationssystem PEISY". Wir starteten das Projekt im 1987 und nahmen PEDALO und PEGASUS 1990 in Betrieb. Unser Konzept mit einer zentralen Datenbank und drum herum die Applikationen hatte sich bewährt und manche dieser Applikationen waren weit über 10 Jahre in Betrieb. PEDALO sogar über 25 Jahre! Diese lange Lebensdauer erreichten wir dank aufwendiger strukturierten-Analyse- und Design-Methode (SA-/SD-Methode) nach Tom DeMarco und einer zu der Zeit einmaligen Qualitätssicherung mit integrierter "Computer Systems Validation". In der Beziehung waren wir unserer Zeit weit voraus, verlangten aber auch Ueberredungskünste gegenüber der PE-Leitung. Der PE-Leiter Hartmut Bethke musste überzeugt werden, dass mehr als die Hälfte des ganzen Realisierungsaufwandes in der Analyse- und Design-Phase anfiel.

Wir haben u.a. folgende Gross-Systeme geschaffen, wobei alle unsere Projekte und Syteme mit den beiden Buchstaben "PE" bezeichnet wurden:

Bemerkenswert und vielleicht auch ein Grund für den Erfolg war, dass mir im PEGASUS-Projekt mit Jörg Reinhardt (der spätere R+D-Leiter und VR-Präsident Novartis) und anschliessend auch Andreas Rummelt (später TechOps-Leiter) zwei erfahrene Benutzerprojektleiter zur Seite standen.

Immer wieder wurden Berater und Consultants engagiert, um PEDALO zu ersetzen. Aber es dauerte Jahre, bis es voraussichtlich im 2016 in SAP integriert sein wird und nach 26 Jahren ausser Betrieb genommen werden kann.

Die F+E-4er-Bande"

Die Nennung der sog. 4er-Bande darf in meinen Erinnerungen nicht fehlen. Mit dieser Bezeichnung wurden die IT-Vertreter der 4 R+D Hauptabteilungen bezeichnet. Es waren dies neben mir Beat von Wartburg (Biologie und Tox), Frank Woitzek (Research) und Guy Neff (Klinik). Wir 4 koordinierten nicht nur unsere IT intern, sondern brachten auch die Bedürfnisse von R+D in die zentrale IT ein. Wir hatten ein starkes Gewicht in der Basler IT-Welt, weil wir uns gegenseitig abstimmten und eine einheitliche, gemeinsame Meinung abgaben. Wir waren unbequem und liessen uns nicht auseinander dividieren, was dann zur Bezeichnung "4er-Bande" führte.

Ich erinnere mich noch genau an den Herrn Manfred Braml, seines Zeichens Leiter der gesamten EDV in Sandoz, also indirekt unser Vorgesetzter. Von der Figur und seinem Ehrgeiz war er ein kleiner Napoleon mit hohen Absätzen. In der Vergangenheit kümmerte er sich nicht um uns und unsere Arbeiten, ausser bei der übergreifenden Einführung des Office- und Mail-Systems ALL-IN-1 in Pharma R+D. Da drohte sein Veto. Wir von der 4er-Bande weigerten uns jedoch, auf seine Forderungen einzugehen. Wir übernahmen die Verantwortung, machten eine professionelle Schulung und führten zu seinem grossen Aerger ALL-IN-1 erfolreich ein.


Vor jedem Weihnachtsessen gab es eine Dosis "Kultur"

Festivitäten in IV-PE

Erst beim Schreiben dieses Beitrages für meine Biografie realisiere ich, wie intensiv wir zusammen gearbeitet und gelebt haben. Es war Team-Building der modernsten Form. Wir waren und sind es auch heute noch echte Freunde. Wir haben zusammen gearbeitet, Ziele erreicht und auch Feste gefeiert.

Berühmt waren unsere gelungenen Festivitäten. Kein Anlass war zu klein, um daraus nicht einen überraschenden und gediegenen Anlass zu machen. Davon zeugt unser mehrbändiges Fotoalbum, das eigene Gesangsbuch und die seidene IVPE-Fahne. Roland Stucki war die treibende Kraft.

Coffee-Company

Ein zentraler Punkt in unseren Projekt-Arbeiten bildeten die Kaffee-Pausen am Morgen und Nachmittag. Die Teilnahme war obligatorisch. In diesen besprachen wir Probleme, bereiteten Entscheide vor und koordinierten Schnittstellen. In den meisten anderen Abteilungen in Pharma gab es nur Filter-Kaffee. Wir hingegen wollten Luxus-Kaffee wie in einer Cafeteria aus einer vollautomatische Espresso-Maschine, die auf Knopfdruck die Kaffeebohnen malte und einen feinen Kaffee herausliess. Diese Maschinen waren aber teuer. So kam die Idee auf, eine "Coffee-Company" zu gründen und Aktien auszugeben mit der wir diese Maschine finanzieren wollten. Jeder zukünftige Kaffee-Trinker musste eine solche Aktie à Fr. 50.-- kaufen. Damit kauften wir in der Migros eine Maschine mit 2 Jahren Garantie. Diese Garantie war uns wichtig, denn wir rechneten damit, dass sie durch die intensive Benutzung innert 2 Jahren kaputt gehen wird. Die einzelnen Kaffeeportionen inkl. Creme und Zucker verrechneten wir uns mit 20 Rappen.

Alljährlich führten wir eine Generalversammlung der "Coffee-Company" mit allen Aktionären durch und liessen uns durch den VR-Präsidenten René Weber über die Ergebnisse orientieren. Bereits nach 1 Jahr hatten wir die Maschine mit den 20 Rappen/Tasse Kaffee amortisiert und konnten die Aktien zurückzahlen. In späteren Jahren lag sogar bereits eine Subventionierung des Weihnachts-Essens drin.

Kurz vor Ablauf der Garantiefrist von 2 Jahren brachten wir die Maschine zur Migros zurück, weil das Malwerk nicht mehr optimal malte. Klar bei der grossen Kaffee-Menge. Nach kurzer Zeit erhielten wir sie wieder zurück mit dem Vermerk: Total revidiert mit neuem Malwerk und weiteren 2 Jahren Garantie!

Wir waren unverschämt, denn nach weiteren 2 Jahren brachten wir unsere Maschine zu einer weiteren Revision zur Migros.

Ski-Tag in Engelberg

Am 16. Jan. 1991 machte ich während der täglichen Kaffee-Pause den Vorschlag: "Lasst uns morgen gemeinsam zum Skifahren gehen!". Das musste ich meinen Mitarbeitern nicht zweimal sagen. Am nächsten Morgen trafen wir uns um 7 Uhr auf dem Bahnhof. Als Treffpunkt sollte Roland in Basel in einem Wagen genügend Sitzplätze reservieren und sich irgendwie bemerkbar machen. Roland war sehr erfinderisch. Als Zeichen hatte er sich am Vorabend eine kleine graue Fahne mit einem Baum-Zweig aus seinem Garten als Fahnenstange gebastelt und mit Filzschreiber die magischen Buchstaben "IV-PE" darauf geschrieben. Es war ein überraschender Anblick, wie Roland uns mit seiner Fahne aus dem Zugsfenster zuwinkte. Diese Fahne resp. Ihre Nachfolgerin sollte eine grosse Bedeutung in unserer Gemeinschaft erhalten.

Mit der SBB gings via Luzern nach Engelberg. In seinem Rucksack hatte Roland aber noch etwas anderes eingepackt: 2 Flaschen Crémant. Die eine versteckten wir neben der Bahn-Endstation Engelberg in einem Schneehaufen, damit sie abends für die Rückfahrt schön kühl sein sollte. Die zweite nahmen wir im Rucksack mit auf die Seilbahn.

Damals war es noch üblich, dass man mit dem Chef per Sie verkehrte. Hoch oben über 2'000 m über Meer überrumpelten mich meine Mitarbeiter und haben mit mir aufs "Du" angestossen: "Ueber 2'000m sagt man einander DU", meinten sie. Es war für mich ein spezieller Moment, der mich stark berührte. Es war eine Art "Liebeserklärung". Unserer Zusammenarbeit hat es nie geschadet. Ich blieb der Boss und meine Mitarbeiter die IT-Profis!

Auf den Pisten von Engelberg ging es auf und ab. Wir hatten prächtiges Wetter und die Pisten waren werktags nicht so stark befahren. Wir fuhren zusammen und hatten grosse Freude miteinander. René Weber hatte sein Mobil-Telefon bei sich, als Not-Telefon, wenn irgendetwas in Basel passieren sollte. Dieses Mobile-Telefon war in einem Aktenkoffer eingebaut. Leider hatten wir hier oben keinen Empfang. Wir waren also nicht erreichbar, was aber zu der Zeit noch nicht so schlimm war.

Die Rückfahrt unseres ersten Engelberg-Ski-Tages war lustig und unvergesslich. Wir waren müde, aber auch überdreht. Der Champagner tat sein bestes dazu. Wir sangen uns unser Herz aus dem Leibe. Aber von den meisten Liedern kannten wir nur die erste Strophe. Es war etwas erbärmlich. So wurde Werner Meier beauftragt, ein "PELIBU" (=PE-Lieder-Buch) zusammenzustellen, damit dies nie mehr geschehen sollte. Als Ersatz für die mickrige Ur-Fahne sollte etwas neues und schöneres genäht werden. Unbestritten müsste sie unseren Abt-Namen "IV-PE", ein Champagner-Glas und eine Rose, als Sinnbld für unsere beiden Frauen im Team enthalten. Das alternative Symbol von "Schrauben" anstelle der "Rosen" für unsere beiden Hübschen wurde massiv abgelehnt.

Unsere Fahne

Zu Hause angekommen erzählten wir unserer Frau Stalder, der Sekretärin des PE-Leiters Hartmut Bethke von unserer Fahne, und prompt hat sie angebissen. "Sie werde uns eine Richtige nähen", meinte sie. Frau Stalder war die graue Eminenz in unserem Stockwerk. Nicht nur weil sie bereits älter und graue Haare hatte, sondern auch Haare auf ihren Zähnen hatte.

Und in der Tat, ein paar Wochen später brachte sie uns eine leuchtend gelbe Fahne ca. 50x50 cm gross mit der IV-PE-Logo, einem schönen Rosenpaar und einem Champagnerglas drauf. Bösartig wie wir waren, fragten wir Frau Stalder, ob sie für die Buchstaben ihr schwarzes Négligé geopfert hätte? Man muss wissen, Frau Stalder stand kurz vor Ihrer Pensionierung.

Zu einer richtigen Fahne gehört auch eine richtige Fahnenweihe, meinten wir. Zu der trafen wir uns am 21. März 1991 gegen Abend nach der Arbeit beim Café Spitz, fuhren mit der Fähre über den Rhein zum Basler Münster und weihten auf der Pfalz unsere Fahne ein. Wir liessen die Champagner-Flaschen knallen und schauten über den Rhein zum Himmel, wo sich dunkle Wolken zu einem Gewitter zusammenbrauten. Rundherum blitzte und donnerte es. Wir blieben aber trocken und marschierten singend durch die Stadt ins Rest. Rebstock beim Häbse-Theater im Kleinbasel, wo wir beim Türken fein assen und die Fahne begossen.

Jährliche Vergabe des "Oscarli"

Pate zu dieser Idee stand die Oscar-Verleihung im Film-Business. Jedes Jahr erhielt einer meiner Mitarbeiter oder auch ein Fremder diese goldene (Plastik-) Statue. Anfänglich liess ich meine Mitarbeiter anonym abstimmen, wer im vergangenen Jahr die beste, unerwartetste oder herausragendste Leistung vollbracht hatte. Dazu stellte ich eine Urne zu unserer Kaffeemaschine, in die man ein Papier mit Namen einwerfen konnte Der erste Gewinner war Bernard Linder für seine überragende Anpassung der Waagen an unsere PE--Systeme.

Dazu muss man wissen, dass Bernard ein Laborant war und bei uns im Benutzer-Support arbeitete. Da er von Laborautomatisation und Anschluss von Laborgeräten recht viel verstand, war er in unserem Projekt für den Anschluss der Waagen verantwortlich

Beim Dritten Mal haben mich meine Mitarbeiter verarscht, denn sie wählten fast einstimmig Isi, die neue Sekretärin des PE-Leiters. Ich habe schnell gemerkt, dass meine Mitarbeiter etwas abgesprochen hatten. Liess sie aber im Bewusstsein, dass ich nichts gemerkt hätte und tat überrascht ob ihrer Wahl. Wie alle anderen Gewinner, haben wir Isi zu unserem Weihnachtsessen eingeladen und sie gebührend gefeiert.

Dez. 1990: Erste Verleihung des Oscarli

Weihnachtsessen, jeweilen am 1. Freitag im Dezember


Alice am Weihnachtsessen 1996

Das Weihnachtsessen fand immer am 1. Freitag im Dezember statt. Für mich war wichtig, dass es vor dem Essen etwas Geistreiches zum geniessen gab. Dies war immer geheim und eine Ueberraschung. So machten wir einmal eine Stadtführung, dann zeigte ich meinen Mitarbeitern die alten Stadtmauern unter dem Hotel-Restaurant Teufelhof, ein anderes Mal gab es als Apéro eine Atelier-Führung durch die Kunstgalerie Ueker&Carzaniga am Gemsberg mit anschliessendem Apero.

12. Dez 1990: Goldenes Fass und die organisierten Tänzerinnen

Unser zweites Weihnachtsessen am 12. Dez. 1990 zelebrierten wir im "Goldenen Fass" an der Hammerstrasse und wollten anschliessend zum Tanz ins Dancing Plaza gehen. Wir hatten aber ein Problem. In unserer IVPE gab es viele Männer, aber nur 2 Tanzpartnerinnen So entwickelten ich und Roland Stucki folgenden Plan: Wir engagierten zwei hübsche "Tänzerinnen" aus einer Nachbar-Abteilung, die Helga und Miranda (meine spätere Freundin), zur Verstärkung. Niemand wusste von diesem Plan.

Während des Essens im "Goldenen Fass" wurde nun auch der übrigen Computer-Crew bewusst, dass Tanzen unter/mit Männern nicht so lustig sein soll.

Guter Rat war teuer. Wir beauftragten Roland, für Abhilfe zu sorgen. Er soll auf die Strasse gehen und an der "einschlägigen" Claramatte einige "Ladies" anheuern. Keine kannte das abgekartete Spiel, keiner benied ihn, denn drausser war es bitter kalt. Und Roland musste eine halbe Stunde frierend in der Kälte warten, bis Helga und Miranda zur festgelegten Zeit erschienen.

Seine Kollegen im Sääli staunten nicht schlecht über den Roland und bewunderten ihn, wie er dieses Kunststück in der kurzen Zeit zustande brachte. Erst Jahre später haben wir das abgekartete Spiel unseren Kollegen gebeichtet.

5. Dez. 1992: Weihnachtsessen unter dem Motto "Underground of Basel"

Einer der absoluten Höhepunkte stand hinter meiner Ankündigung "Underground of Basel, entsprechende Kleidung ist mitzubringen". Es wurde hin und her diskutiert, was dieser Hinweis bedeuten sollte. Unser Externer Indlikofer kam sogar mit Gummi-Stiefeln, denn er meinte, wir gehen in den Birsigtunnel. Ich führte sie aber in die alten mittelalterlichen Kellergewölbe des Kellergässlein 7 oberhalb des Fischmarkt-Brunnens. In diesen Gewölben hatten sich Underground-Geschäfte eingemietet. Für uns eher konservative Zeitgenossen ein Wahnsinn-Atmosphäre: Tatoo-Geschäfte, Kleidershops für die Anhänger der "New Wave-" und "Gothics-Szene". Geschäfte mit alten 33cm-Schallplatten und noch vieles mehr.

Gegessen haben wir im 1. Stock der Hasenburg "Chateau Lapin". Wunderbar haben wir geschlemmt. Am Nebentisch entdeckten wir unseren Arbeitskollegen Herrn Daniel Vasella, unseren obersten Pharma-Boss von Sandoz (und späteren Boss von Novartis).

Nach dem Essen kan dann meine nächste Ueberraschung. Wir begaben uns in die Predigergasse beim Totentanz in das dortige Dancing "Totentanz Culture Club" der "New Wave-" und "Gothic-Szene" vom Fotografen Jean Marc Wipf. Wir gelangten in eine andere uns total fremde Welt. Schwarz gekleidete meist jüngere Männer und Frauen, die sich jeder für sich langsam im Takte der Musik bewegten, immer mit Blick an dieselbe Wand. Ihre Augen waren übertrieben schwarz geschminkt, die keine Emotionen zuliessen. Einige haben sich mit Nadeln und übergrossen Sicherheitsnadeln geschmückt, die sie durch Backen und Ohren gestochen hatten. Und wir in Büroanzügen und Kravatten. Aber sie akzeptierten uns und liessen uns auch mittanzen. Es war für uns ein unvergessliches Erlebnis.


u.a. mit René Schelling, Jürg Eberle, Sepp Meyer, Michael Engel, Doris Hohler, Peter Sany .... und links das PEDALO-Signet

Kunschti-Fescht

Am 29. Jan. 1991 hat sich aus einer Wette heraus ein kleiner harter Kern mit Miranda, Helga, Roland und mir auf der Kunsteisbahn Margarethen zum Apéro getroffen. Sie wollten unbedingt wenn auch nachträglich auf meinen Geburtstag anstossen. Wir einigten uns, dass wir uns fortan immer am 2. Mittwoch des neuen Jahres auf der Kunschti treffen werden . Einzige Bedingung war, alle mussten mit Schlittschuhen kommen.

Diese Tradition haben wir in der Folge beibehalten. Immer am 2. Mittwoch im Januar war es soweit. Aus den vieren wurden es bald gegen 20. Obligatorisch blieben die Schlittschuhe. Ausgenommen waren Schwangere, Behinderte und Uralte. Treffpunkt war um 19 Uhr an der Bande vor der Curlingbahn, also via-à-vis zum Eingang. Man musste demnach mindestens 1mal übers Eis fahren.

Die Vorbereitung und Organisation lag voll in meinen Händern. Im Durchschnitt waren wir gegen 15-20 Personen. An meinem 60. Geburtstag dann einige mehr, weil ich auch meine Freunde ausserhalb Novartis einlud.

Zum Trinken gab es Crémant und zum Essen Lachsbrötli à la Max. Am Nachmittag vor dem Treffen bereitete ich mit Unterstützung von Miranda die 80-100 Lachsbrötli vor. Wir verarbeiteten gegen 2 kg Lachs. Da wir dabei auch Cremant tranken, war die Stimmung bereits hoch. Für unsere Gäste schleppten wir 8-12 Flaschen Crémant auf die Kunsteisbahn. Getrunken haben wir aus Plastik-Flutes.

Vor der Curlinghalle bauten wir eine Art Bar auf. Miranda war für den Ausschank verantwortlich, sozusagen unser Barmaid und sie liess es sich nicht nehmen, diese gebührend zu schmücken.

Am 12. Jan. 2005 fand mein 16. aber gleichzeitig auch letztes Kunschti-Fescht statt. Ganz besondere Freude hatte ich, dass mein ehemaliger PE-Chef aus Sandoz-Zeit Hartmut Bethke sich ebenfalls aufs Glatteis wagte.

Wir hatten immer gutes Wetter. Meist war es saukalt oder hat geschneit. Aber dies tat unseren Künsten auf dem Eis keinen Abbruch. Um 19 Uhr wurde das Eis freigegeben und um 22 Uhr begaben wir uns ins Restaurant, um uns wieder aufzuwärmen.

Der Sandoz Sanitätsdienst (11.1.1995)

Im Laufe der Zeit erlebten wir einige Höhepunkte. Ich erinnere mich an den unvergesslichen Jux mit dem Novartis-Sanitätsdienst und seinem Krankenwagen.

Es muss mich irgendetwas gestochen haben, als ich Mitte Dezember an den Sanitätsdienst der Sandoz ein kurzes Mail mit folgendem Inhalt schickte. Dr. Heierle war der damalige Werkarzt. Er war etwas weltfremd und machte nicht unbedingt den Eindruck eines vertrauenswürdigen Arztes.

Sehr geehrter Herr Dr. Heierle

Das obere Management von IV-PE wird am Mittwoch, 11. Januar 1995 einen Freiluft-Anlass mit anschliessendem Schlittschuhfahren auf der Kunsteisbahn durchführen. Ich möchte Sie bitten den Sanitätsdienst sicherzustellen.

Mit besten Grüssen Max Lehmann, Organisation

Ich hatte mein Mail bereits vergessen und kam gegen 18 Uhr auf die Kunschti, vollbeladen mit Lachsbrötli und Crémant-Flaschen im Rucksack. Und was steht da vor dem Haupteingang? Mich traf der Schlag: 2 rote Krankenwagen der Novartis mit 4 Sanitätern. Ich ging auf sie zu und fragte sie, welchen Auftrag sie hätten: "Der Heierli hat uns geschickt: Da sei ein Management-Treffen der Geschäftsleitung von Novartis auf der Kunsteisbahn. Wir müssen den Notfall eines Unfalles abdecken!"

Mich hat es beinahe überschlagen und habe laut gelacht. Ich erzählte den Sanitätern unsere Gechichte und lud sie auf die Kunschti zu unserem Apero ein. Das Gelächter war nun auf beiden Seiten. Sie gratulierten mir, dass ich den Heierli derart reingelegt hatte. In den Folgejahren kam immer einer der Sanitäter zu unserem Fest, als Gast.

Jan. 1994: Wie ich zum Jogger und Langstreckenläufer wurde


Max im Einsatz (1994)

Als Alice Fahrion im Jan. 1994 das erste Mal am Kunschti-Fescht teilnahm, stellte sie alles auf den Kopf. Sie motivierte uns nämlich dazu, mit ihr Langstrecken zu trainieren und dann gemeinsam am Greifenseelauf und am 10 km-Klausenlauf in Allschwil teilzunehmen.

Wie waren wahrscheinlich alle geblendet von ihrer frischen Weiblichkeit. Gesagt , getan. Von da an trainierten wir 2-3 mal wöchentlich über den Mittag und joggeden den Bachgraben entlang bis Allschwil und zurück etwa 8 km.

Sept. 94: Stafetten-Greifensee-Lauf

Und tatsächlich im Herbst 1994 nahmen wir das erste Mal am Greifenseelauf über 21 km als Mannschaft teil. Eine Mannschaft bestand aus 4 Läufer. Jeder lief ca 5 km der Halb-Marathon-Distanz. Ich lief in der Mannschaft mit Alice. Wir legten als Mannschaft die 21 km in 1 Std 44 Minuten zurück. Für mich war es das erste Mal, dass ich an solch einem Anlass teilnahm. Es war ein tolles Erlebnis. Ich konnte dabei auch miterleben, wie schnell die Afrikaner laufen können. Ich hätte bei denen keine 100 m mithalten können.

Nach dem Rennen gings unter die Dusche, was ja nicht erwähnenswert wäre, wäre da nicht die nackte Alice im dampfenden Duschraum inmitten der Männer aufgetaucht. Sie fiel anfänglich gar nicht auf, denn jeder war mit sich selber beschäftigt.

Es wurde ernst: Ich startete durch mit dem Klausenlauf

Aus dem anfänglichen Jux wurde bald grosser Ernst. Ich trainierte wie wild weiter. Bis Ende 1994 bereits 378 Trainings-km und nahm im Dez. 1994 am 10.8 km langen Klausenlauf in Allschwil teil, den ich unter 51 Min zurücklegte. Es ging bereits beim Start recht steil aufwärts und dann ins Hinterland der Französischen Grenze entlang .... und auf demselben Weg zurück. Also auch bergab, sodass meine Beine ganz schön strampeln mussten, wollte ich nicht stürzen.

Der Klausenlauf war mein erstes Rennen als Einzelläufer. Ich war vor dem Start nervös. Wie alle anderen Mitkonkurrenten lief ich mich auf dem nahen Turnplatz ein. Mindestens eine halbe Stunde trabte ich hin und her. Hartmut Bethke, meine oberster Chef in der Sandoz war auch darunter. Er gehörte zu den Besten der Besten. Ueberrascht begrüsste er mich.

Immer wieder startete eine Altersgruppe. Auf einmal meinte ich zu hören, dass meine Startgruppe aufgerufen wurde. Flugs begab ich mich zum Start, voll konzentriert und bereit zu starten. Da holte mich Hartmut Bethke auf die Seite und meinte: "Dies ist die Frauengruppe, da gehören sie nicht dazu!" Ich hatte gar nicht bemerkte, dass um mich herum nur Frauen standen.

16. Sept. 1995: Halb-Marathon um den Greifensee

Mein persönlicher sportlicher Schwerpunkt lag im 1995 eindeutig auf dem Langstreckenlauf. Wegen Erkältungen kam ich zwar nur auf 430 Trainigs-km, überstand jedoch neben dem 11 km Birs-Lauf meinen ersten Halb-Marathon (21.1 km) rund um den Greifensee mit einer Zeit von 1 Std. 54 Min. Es war eine tolle Zeit. Ich war nur 10 Minuten langsamer als im Stafetten-Lauf vom vergangenen Jahr. Diese Distanz ging ganz gewaltig in die Knochen.

Bis zum km 15 ging alles problemlos. Ich hatte keine Mühe und sah mich bereits am Ziel. Aber dann kam innert weniger Minuten der Hammermann. Meine Beine schmerzten, die Muskeln brannten (sie waren übersäuert), sie schienen sich um meine Knochen drehen zu wollen, jeder Schritt wurde zur Qual und musste bewusst vollzogen werden. Aber ich erreichte dennoch trabend das Ziel. Ich war echt stolz auf mich. Ich habe mich überwunden und meinen Kopf besiegt.

Am Ziel war ich dann wie in Trance und überglücklich. Ich hatte aber grösste Mühe, meinen Transponder zur Uebermittlung der gelaufenen Distanz aus meinem Laufschuh zu nehmen. Ich konnte mich nicht hinknien, meine Knie liessen sich nicht beugen. Ein weiteres Hindernis war die 10-15 stufige Treppe im Schulhaus zu den Umkleideräumen. Aufwärts ging es noch knapp, aber die Treppe runter konnte ich nur rückwärts gehen, denn die Knie hatte ich nicht mehr unter Kontrolle. Abends beim gemeinsamen Kartoffelsalat mit Schinken hatte ich immer noch Schwierigkeiten, meine Beine über die Sitzbank zu schwingen.

Mein nächstes Ziel wäre der New York Marathon im Herbst gewesen. Ich war bestens drauf und lief problemlos Distanzen um 15-20 km, aber unerwartete Sekunden-Chrämpfe mit den daraus resultierenden Zerrungen zwangen mich mehrmals zu mehrwöchigen Pausen und schlussendlich zum Ende meiner Läufer-Karriere. Ich hatte nicht mehr den Mumm, immer wieder von vorne anzufangen. Erst später erfuhr ich, dass ich unter Mangel an Magnesium litt und deshalb öfters solche Chrämpfe hatte.

6. Juni 1991: Hochzeits-Feierlichkeit bei der Zusammenlegung der beiden Abteilungen IV-PE und VML

Es schlug wie ein Hammer ein, als uns mitgeteilt wurde, dass die Stabs-Abteilung IV-PE, die direkt dem PE-Leiter Hartmut Bethke unterstellt war, mit dem Versuchsmusterlager VML zur neuen Abteilung "CENTRAL FUNCTIONS" zusammengeführt werden soll! Es war unbestritten ein Fehlentscheid, die IT in eine Benutzer-Abteilung zu interegrieren. Aber es war auch typisch IV-PE. Wir machten das Beste aus der misslichen Lage und nahmen das Steuer in unsere Hand. Wir drehten die Situation so um, als ob das VML in unsere IV-PE integriert worden wäre und argumentierten: Die PE-Leitung hat die beiden Abt. zusammengelegt, weil das VML zu wenige männliche Mitarbeiter hatte und wir in der Beziehung einiges zu bieten hatten !!!!

Wir organisierten und luden ein zu einem "Fusions-Fest". Nur Roland Stucki und ich, sowie Helga und Miranda vom VML kannten die Details. Bereits in der Vorbereitung haben wir Tränen gelacht. Die Ideen wurden immer verrückter.

Niemanden aus den beiden Abteilungen wusste etwas von unseren Plänen. Miranda und Helga luden die VML-Mitarbeiter zu einem Abschlussfest ein, Roland und ich taten dasselbe in der IVPE. Damit sich beide Gruppen erst am Ziel treffen sollten, organisierten wir eine Schnitzeljagd mit je 2 Posten auf zwei unterschiedlichen Wegen. An diesen Posten war das nächste Ziel beschrieben und zuletzt eben unseren Treffpunkt für das Fest das Forsthaus Kirschner oberhalb Allschwil.

Welch Ueberraschung und welch Zufall, als wir uns alle dort trafen. Alle waren begeistert. Nach dem Welcome-Umdrunk kam es zur nächsten Ueberraschung der Heirat zweier Abteilungen zu einem neuen Gebilde! Bereits bei der Vorbereitung haben wir uns am Boden gekrümmt vor Lachen: Ich der Chef von IV-PE heiratete Helga als Vertreterin der VML! Dazu organisierten wir ein echtes Hochzeitskleid für Helga. Ich kam im Frack mit Zylinder, und als Pfarrer fungierte Roland Stucki! Es war zum Schreien. Ich habe nie mehr soviele erwachsene Leute gesehen, die mit Tränen in den Augen ihr Lachen ertränkten.

Nach der Trauung, die Roland Stucki mit humorigen Worten durchzog, fand das übliche Festessen mit Tanz statt. Dieser Abend, der bis in den Morgen dauerte, ist in die Geschichte unserer beiden Abteilungen eingegangen. Auf diese Weise erfuhr unser neuer Chef Franz Lehle, welch verrückten Haufen er da geerbt hatte.

Heute wäre sowas nicht mehr möglich, beim heutigen Tempo der Reorganisationen wäre man nur noch mit dem Heiraten und Scheiden beschäftigt und käme nicht mehr zum Arbeiten... lach

Mein grösster Blödsinn: Anonyme Geburtstagsgrüsse

Als Barbara Denlöffel ihren 30. Geburtstag feierte, habe ich mit Roland Stucki eine Ueberraschung eingefädelt, die aber böse in die Hosen gehen sollte.

Gemeinsam haben wir etwa 20 unterschiedliche Geburtstags-Texte mit mehr oder weniger persönlichem und "zweideutigem" Inhalt vorbereitet. Sodann haben wir über unseren IVPE-Administratoren-Eingang der VAX eingebaut, dass jeder VAX-Benutzer der PE, der sich auf der VAX einschaltete, der Barbara nach Zufalls-Generator ein vorbereitetes Gratulations-Mails zuschickte. So piepste es am Bildschirm von Barbara ununterbrochen. Ein Mail nach dem anderen traf ein. Innert kürzester Zeit waren es bereits über 150 Mails, die sie nicht ungesehen löschen konnte, sondern zuerst einzeln lesen musste.

Leider haben wir eine kleinen Fehler gemacht: Wir hatten einen Parameter nicht gesetzt. Jeder Benutzer nämlich, der nun automatisch ein Mail an Barbara schickte, schickte sich selber eine Kopie davon.

Einer der Betroffenen war Prof. Sucker. Er wunderte sich über dieses Mail, das er gar nicht selber geschrieben und verschickt hatte:

Liebe Barbara,

Ich muss es Dir sofort sagen,
Ich würde es sonst nie wagen!
Du bist ein steiler Zahn,
Ich mach mich jetzt noch mit 50 ran.

Herzliche Glückwünsche zu Deinem Geburtstag
Dein .....

Es gab ein gewaltiges Donnerwetter durch meine Chefs. Ich musste an der PE-Sitzung vortraben und kam mit einem Verweis davon. Ich habe Glück gehabt. In der heutigen Zeit wäre ich bestimmt entlassen worden.

Weitere Festivitäten: Sommerfeste und Wandern in den Bergen

Der Roland Stucki war Vater vieler unserer Ideen. Seine Kreativität war unerschöpflich. So lotste er uns mehrmals im Hochsommer in den Allschwiler Wald zu einem feucht fröhlichen Grill-Abend.

Einmalig war am 10./11. Okt. 1991 unsere 2 tägige Wanderung von Engelberg-Trübsee-Jochpass über die Engstlenalp, wo wir in einem Hotel übernachteten, bis nach Meiringen. Dieses Gebiet kannten wir vom Winter. Wie sah es wohl im Sommer aus? Anfänglich war das Wetter noch wunderbar, dann aber auf dem Weg zur Engstlenalp begann es zu regnen und am 2. Tag da schüttete es aus Kübeln. Etwa 10 km vor Meiringen bestiegen wir den Autobus, der uns zum Bahnhof führte. Wir alle waren auch dieses Mal überglücklich

Und "Last but not least" die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Arbeits-Jubiläum von Roland Stucki waren nicht zu toppen. Gemeinsam mit all senen Freunden verfassten wir eine 20-seitige Festschrift über die Stärken und Schwächen von Roland. Unvergsslich das Bild in Schweizer Militär-Klamotten bei den Telefönlern, das mich an den Charly Chaplin erinnerte. Nur anstelle eines Hutes trug Roland einen Stahlhelm wie Charly Chaplin. Er lud zu sich ein, wir Freunde kochten aber die verschiedensten Saucen zu Spaghettis. Ich erinnere mich noch gut, wie ich mit Alice Fahrion am Tag davor während Stunden eine Gewalts-Portion Pesta-Sauce kochte Es wurde ein unvergessliches Fest, zu dem auch Nicole Schraner mit einem unerwarteten Schnitzelbangg beitrug.

30. Oktober 1994: Abschied von IV-PE

1994 - 1998: IT-Controller in PBO ( = Pharma Basel Operation)


Daten-Diskette mit Transparenz-Ergebnisse(1996)

Nach 10 Jahren aktiver IT bei einem Benutzer nämlich der PE (Pharma Entwicklung) zog es mich auf den 1 Nov. 1994 zu Karl Immer und seinem Nachfolger Werner Lang, den Leitern der Basel IT-Organisation, wo ich als IT-Controller "Kostentransparenz in der kommerziellen IT" durchsetzen sollte. Diese Aufgabe hat meinen späteren Berufsweg stark gepägt. Bereits im Sommer/Herbst 1995 lag das damalige "YELLOW-BOOK" als Preisbuch mit Beschreibung und nachvollziehbaren Kostenansätzen der IT-Services vor und erstmals budgetierten die Abteilungen emotionslos auf Basis von SLA's (Service Level Agreements).

Nach meinem Erfolg wurde nach derselben Methode im Rahmen des Projektes SEPRABA die Kalkulation und Weiterverrechnung der Infrastruktur-Kosten des Werkes Basel wie Strom, Wasser, Dampf, Telefon, Kantine, Feuerwehr etc aufgebaut.

Für meine ehemaligen Mitarbeiter in der IVPE war diese Nachricht meines Transfers ein sichtbarer Schock, als ich es Ihnen mitteilte. Aber sie machten das Beste daraus und organisierten am 30. Oktober 1994 ein Abschiedsfest für mich. Es wurde ein unvergesslicher Abend, der im Radio Basilisk begann, von einem exzellenten Dinner im "Chateau Lapin" unterbrochen und im Gifthüttli abgeschlossen wurde. In Gedenken an einige meiner Ausrutscher wurden mir echte Roller-Skates samt Knie- und Ellbogenschoner verliehen, die ich im Basilisk-Haus zum Schreck des dortigen Radio-Personals zwischen einem Nackten und dem Studio 1 ausprobierte.

7. März 1996 Merger CIBA-GEIGY und SANDOZ zu NOVARTIS

Ich erinnere mich noch bestens an den 7. März 1996, als jeder Mitarbeiter an den Porten einen Zettel in die Hand gedrückt bekam, in dem der Merger zwischen SANDOZ und CIBA-GEIGY zu NOVARTIS bekannt gegeben wurde. Es war eine Sensation und Schock zugleich! Einige waren stolz über diesen Ueberraschungs-Coups, andere beunruhigt. Ich spürte von beidem etwas, fing mich aber nach wenigen Stunden auf und blickte interessiert in die noch ungewisse Zukunft.

Alle damaligen IT-Vorgesetzten beider Firmen wurden vom designierten neuen CIO von Novartis Josef Meyer im Restaurant Rhypark zusammengerufen. Es galt die IT neu zu organisieren, um die Fach-Abteilungen beim Merger zu unterstützen. Ich gehörte auch dazu. Wir waren alle sehr nervös, denn wir wussten ja nicht, wie es weitergehen sollte. Ich sass vis-a-vis von Josef Meyer. Wir waren uns schnell sympatisch, als er feststellte, dass ich etwas vom Radsport verstand. Er erzählte von seinem Hobby und hatte ein kleines Blackout, als er vom Bretonen sprach, der mehrmals die Tour de France gewann. "Du meinst "Bernard Hinault" warf ich ein".... und hatte den Sepp im Sack! Ich kam gut mit ihm aus. Wir waren uns schnell sympatisch, obwohl der Sepp kleiner als ich war. Er war aber stark genug und musste keine Schuhe mit hohen Absätzen tragen.

Zu Beginn des Meetings wollte er, dass sich jeder vorstellen und seine Ziele formulieren würde. Jeder erzählte von Karriere, Projekte leiten, Erfolg haben. Als ich daran kam, meinte ich trocken, dass auch ich Erfolg haben wolle, was ja selbstverständlich sei. Ich habe jedoch zusätzlich ein geschäftliches wie auch privates Ziel: Ich möchte vorzeitig pensioniert zu werden! Das Gelächter war auf meiner Seite! Ich wusste damals noch nicht, wie goldrichtig dieser Satz ein paar Jahre später werden sollte.

Einen Merger muss man einmal im Leben erlebt haben. Es ist unvorstellbar, was da alles abläuft. Ich war noch nie so selbständig und mit fast "unbeschränkten" Kompetenzen ausgerüstet, wie zu jener Zeit.

Man muss dazu wissen, dass die Sandoz auf dem linken Rheinufer stand, die CIBA-GEIGY direkt vis-à-vis auf der anderen Seite. Ueber die Dreirosenbrücke konnte man vom einen Partner zum anderen gelangen. Anfänglich hatte ich mehrere Büros und was noch viel schlimmer war, die Sitzungen fanden auf 3 verschiedenen Arealen nämlich St. Johann, Klybeck und Rosenthal statt. Ich erhielt deswegen unverzüglich mein erstes mobile Telefon und ein Novartis-Fahrrad. Auf diese Weise war ich immer erreichbar und schnellstens am nächsten Ort.

Schon kurze Zeit darauf wurde ich von Josef Meyer (=Velo-Meyer) als Leiter zweier Migrations-Teams berufen. Das eine Team "Computer Systems Validation TaskForce" sollte weltweit gültige Regeln für die Validierung von Informatik-Applikationen aufstellen und das andere "globaler IT-Controlling" die Transparenz der globalen Informatik-Kosten sicherstellen. Schon bald stellte ich fest, dass ich die einmalige Chance bekam, mit (relativ) wenig Aufwand, viel zu verändern, indem man das bessere aus beiden alten Organisationen übernahm.

Es dauerte Monate bis am 17. Dez. 1996 die amerikanische Kartellbehörde FTC der Fusion Ciba und Sandoz zu NOVARTIS zustimmte. Die Firmenschilder wurden noch am selben Tag ausgewechselt. Endlich konnte ich mich meiner neuen Aufgabe als weltweiter Informatik-Controller widmen. Die Fusion hatte mir Glück gebracht!

Computer Systems Validation (CSV)

Die Gesundheitsbehörden in aller Welt verlangen, dass jeder Schritt in Forschung, Entwicklung und Produktion dokumentiert wird und nachvollziehbar ist. Dies kontrollieren sie in regelmässigen Audits. Bei schlechten Ergebnissen konnte dies katastrophale Folgen für die betroffene Forma haben. Es konnte die Produktion von Medikamenten untersagt werden. Daraus wird klar, wie wichtig es war, dass die "Computer Systems Validation" in Novartis klar und eindeutig geregelt wurde.

Bei Laborprotokollen ist es noch relativ einfach. Die Papiere müssen unterschrieben werden! Komplizierter und aufwendiger ist es bei allen Tätigkeiten, in denen computerisierte Systeme benutzt werden. Bei diesen müssen z.B. die Testprozeduren aber auch die Versionskontrolle bei Aenderungen der internen Programme dokumentiert werden. Bei einem Drucker z.B. muss bewiesen werden, dass der auszudruckende Buchstabe "A" wirklich als "A" auf dem Papier erscheint. Dazu dienten regelmässige Test-Ausdrucke.

Den Aufwand, den wir leisteten war enorm. Die Verfahren und Vorschriften wurden in 3 Bundesordner beschrieben.

Die Sitzungen der "Computer System Validation" Gruppe hielten wir anfänglich zwar in Basel, dann aber immer im Raume Summit und East Hanover in New Jersey ab. Für mich war dies immer eine Gelegenheit, ein paar Tage länger in den Staaten zu verbringen. So führten mich Ausflüge mit der Bahn nach New York zum Shopping oder in eine Aufführung des Musicals Cats. Ein anderes Mal ging es mit dem Flugzeug in den Süden nach Florida, wo ich in den berühmten Outlet Centers in Orlando mich mit der aktuellsten Freizeit-Mode eindeckte (Bem: wenige Wochen vorher wurde mir auf der Fahrt nach Istrien der ganze Wohnwagen mit all meiner Freizeitbekleidung ausgeraubt.). Weiter führte mich der Weg nach Saint Petersburg ins dortige Salvador Dali Museum und zum Weltraum-Bahnhof Cape Canaveral zu den mächtigen Saturn-Raketen.

Ich war nicht das erste Mal in East Hanover, aber zum ersten Mal hatte ich Zeit und Muse mit der Eisenbahn in die City von New York und zurück zu fahren. Es war schon ein besonderes Erlebnis, denn die Eisenbahn zeigte in der 1-stündigen Fahrt Einblicke in weniger bekannte Landschaften, Wohngegenden, Slums und Industrieviertel der amerikanischen Way of Life.

Das Validierungs-Team bestand je zur Hälfte aus Amerikanern und Schweizern. Anfänglich war Dave Cornish der Chef dieser Arbeitsgruppe. Ich kannte ihn sehr gut aus den Vorjahren während der Sandoz-Zeit. Später wurde ich sein Nachfolger als Leiter dieses Teams. Er führte uns zu immer neuen kulinarischen Höhepunkten im Raume um New York. So genoss ich das erste Mal in meinem Leben Lobster oder Hummer. Ein Gedicht von einem feinen Gaumen-Schmaus.

Validierungs-Arbeitsgruppe

Dave Cornish

Ich erhalte die Schürze vor dem Hummer-Essen

Der Merger und die vielen Kontakte mit Kollegen aus anderen Ländern war für mich eine grosse Herausforderung. Vielleicht sogar die grösste Herausforderung meines Berufslebens. Von einem Tag auf den anderen spielte sich alles in Englisch ab. Ich der Sprachbanause musste alle meine Englisch-Kenntnisse aus der Technikums-Zeit zusammenkratzen. Glücklicherweise hatte ich wenige Hemmungen und ein grosses Selbstbewusstsein, mit meinen geringen Sprachkenntnissen mich der Herausforderung zu stellen. Jeden Tag lernte ich neue Vokabeln. Oft sorgte ich für Gelächter, wenn ich mit verunglückten Sätzen etwas lustiges sagte, das ernst gemeint war. Nun entdeckte ich meine Grenzen. Ohne umfassende Englisch-Kenntnisse hat man in der modernen globalen Industrie keine Chancen mehr. Ich realisierte, dass meine Karriere kurz vor dem Abschluss stand.


Meine Visitenkarte 1996

Global IT-Controller

Es war eine grosse, fast unlösbare Aufgabe, die beiden unterschiedlichen Finanzsysteme und -Methoden der beiden Fusionspartner Sandoz und CIBA zusammenzubringen. Die Weiterverrechnung der IT-Kosten im 1. Jahr Novartis war eine ganz spezielle Herausforderung. Die "Out-of-pocket-Kosten" hatten wir im Griff, nicht jedoch die für mich heute noch dubiosen Weiter-Verrechnungen gewisser IT-Abteilungen der CIBA.

Dank der von mir auch in Novartis durchgesetzten Transparenz der IT-Kosten mit klar definierten Services inkl. deren Beschreibungen, Vergangenheitskalkulationen und Mengengerüsten war das Outsourcing der IT-Infrastruktur (Server, Support, Netzwerk etc) im 1997 an IBM zu akzeptablen Bedingungen und Rückverechnungen möglich. Der Grundstein fürs heutige Service-Management war gelegt. Dies war mein Werk!

Auf dem Gebiet der Kosten-Transparenz und Weiterverrechnung war ich eine Kapazität. Mehrmals im Jahr wurde ich an internationale Konferenzen als Referent eingeladen. Meinen letzten Vortrag hielt ich 3 Monate nach meiner Pensionierung in München an einer Gartner-Group-Veranstaltung.

Grosse und kleine Vorgesetzte, am Beispiel von Peter Sany

Während meiner ganzen Berufszeit hatte ich immer Probleme mit kleineren Vorgesetzten, oder vielmehr mit jenen, deren körperliches Selbstvertrauen angeschlagen war. Diese konnten zu gefährlichen Ungeheuern werden. Ich hatte 2 dieser Chefs: Manfred Bramel und Peter Sany. Einzig beim Sepp Meyer war es anders. Mit ihm verband sich von Anfang an eine Freundschaft, die noch heute anhält. Er unterschied sich dadurch von den beiden anderen, dass er keine "hohen" Absätze trug und nicht über die Schuhe hoch-wippen musste.

Peter Sany war unbestritten einer der besten IT-Profis, die ich kannte. Aber in der Menschenführung eine Katastrophe. Er war ein dominierendes Alphatier, das sich durch nichts aufhalten liess. Er begann praktisch jede Sitzung mit einem Beweis, dass er alles selbst machen müsste. Er hielt jeden von uns für eine erbärmliche Null.

Er wurde nicht durch Boshaftigkeit getrieben, sondern es war sein unbändiger Wille zur Macht. Sein Selbstvertrauen war grenzenlos, sein Optimismus unverwüstlich. Wer ihm mit einer anderen Meinung im Wege stand, wurde beiseite geräumt. Mobbing war seine Masche. Damit bekam er jedermann klein!

Peter Sany hatte keine Freunde in Novartis. Er wurde einzig von ein paar Schleichern mit brauner Zunge umschwärmt. Peter Jung war einer davon. Er war für den Support zuständig. Er war hochintelligent, aber ein Nichtsnutz und nicht bereit im Rahmen der IT-Teams zusammen zu arbeiten. Er ist der einzige Mensch in meiner ganzen Berufszeit, den ich auch heute noch, zusammenschlagen könnte, sofern er mir über den Weg laufen würde. So weigerte er sich, meine abgesegneten Weisungen für die Kostenverrechnung umzusetzen. Er versuchte das ganze System der aufwandsgerechten IT-Verrechnung zu torpedieren. Im Prinzip hätte man ihn damals fristlos entlassen müssen. Aber er stand unter dem Schutz von Peter Sany.

Peter Sany kam erst ein paar Jahre nach dem Merger zu Novartis. Er hatte demnach keine Ahnung, wie schwierig es war, die Buchhaltungen und Verrechnungssysteme zweier Firmen, wie es bei der Fusion zu Novartis nötig war, zusammenzufügen. Und dennoch äusserte er sich, ohne es begründen zu müssen, unsere Arbeit sei ein Misserfolg und unbrauchbar gewesen. Es nervte ihn, dass ich deswegen einen guten Namen bei den Fachleuten hatte.

Kurzum, bereits bei seiner Vorstellung begann es zwischen uns beiden zu funkeln. Ich sehe ihn noch vor mir, als er auf und abwippte! Kurzum: ich erlebte “Mobbing” in Reinkultur und möchte diese Erfahrung niemandem wünschen. Ich hatte aber das unsagbare Glück, dass Georg Acklin, der Leiter von Novartis Schweiz, und Werner Lang (IT-Leiter Werk Basel) auf diese Situation aufmerksam wurden und mich am 17. März "abwarben": Ich sollte die Informatik des grössten Werkes von Novartis in Stein (AG) übernehmen resp. aufbauen. Seit dem 5. Mai 98 pendelte ich 35 km hin und 35 km zurück. Eine neue tolle Herausforderung, überraschend in meinem Alter. Es schien, als ob ich nochmals das grosse Los gezogen hätte.

Auch aus Distanz musste ich aufpassen, mir ja nichts zu schulden kommen zu lassen, denn indirekt und fachlich war ich immer noch Sany unterstellt. Aber in der Zwischenzeit hatte auch ich ein paar Trümpfe in der Hand. So war es für Peter Sany unerträglich, als er feststellen musste, dass ich Mitglied der Werksleitung Stein wurde und dabei über einen Privat-Parkplatz auf dem Werksgelände verfügte, während er auf einem Parkplatz der Mitarbeiter sein Auto sprich Porsche/Mercedes abstellen musste.

1998 - 2000: Leiter Infrastruktur im Werk Stein

Die Zeit zwischen Mai 1998 und Ende 1999 verbrachte ich im Werk Stein, dem grössten pharmazeutischen Werk von Novartis. Ich war nicht freiwillig hier. Ich wurde von Werner Lang, dem IT-Leiter Basel und dem Werk Basel Chef Georg Acklin aus dem Gefahrenkreis Basel entfernt, als durchsickerte, dass Peter Sany mich als Global IT-Controller ablösen wollte. Er war körperlich kleiner als ich und hat nie verstanden, wie ich bei der Fusion die IT-Finanzen der beiden Firmen zusammengelegt hatte.


Meine Visitenkarte 1999

Das Werk Stein war etwas besonderes und absolutes Neuland für mich. Eine eigene Welt mit unterirdisch fahrenden, "musizierenden" Transport-Robotern, die die Einsatzstoffe, Verpackungen und die Fertigprodukte zwischen dem vollautomatisierten Lagerhaus und den Betrieben hin- und hertransportierten.

Ich hatte die notwendige Infrastruktur wie Server, Netzwerke und den Support für den laufenden Betrieb aber auch für das Projekt NOPPS (Novartis Produktions- und Planungssystem) bereitszustellen. Beides habe ich in einem tatkräftigen Team mit Hilfe von Jutta Clemens, Christoph Koch (ein externer Profi von IGS), Werner Gysin Marcello Scaglia und Lena Thomma und vielen anderen tollen Kollegen geschafft.

An Jutta Clemens erinnere ich mich ganz besonders. Als ich nach Stein kam, wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass Jutta Clemens an Krebs erkrankt sei, deswegen nur halbtags arbeite und nicht mehr lange zu leben habe. Dies war für mich ein Schock, denn ich konnte mit Invaliden und Schwer-Kranken nicht umgehen. Sie taten mir unendlich Leid. Jutta gab mir aber Gelegenheit, mich mit ihr zu unterhalten, über ihre Krankheit zu sprechen und zu verfolgen, wie sie mit ihrem positiven Leben noch mehrere Jahre lebte. Sie verstarb erst 2½ Jahre später.

Diese beiden Jahre in Stein waren eine ganz besondere Zeit. Ich konnte nochmals etwas bewirken und die Informatik den Mitarbeitern von Stein etwas näher bringen. Die gegenseitige Sympathie zu den Werkleitern Georg Acklin und anschliessend auch zu Eduardo von Achenbach hat mir dabei sehr geholfen. Ich konnte immer auf ihre Unterstützung zählen. Schon nach kurzer Zeit war ich zum grossen Aerger von Peter Sany Mitglied der Werksleitung Stein. Oft liess ich ihn auflaufen, weil ich gewisse Forderungen von ihm bereits realisiert hatte, bevor er sie von mir an der Werk Stein Sitzung forderte. Aber es war auch eine mühsame Zeit, denn gewisse Dienstleistungen von Basel waren nur über Beziehungen oder Bestechung erhältlich.

Den Milleniums-Jahreswechsel von 1999 auf 2000 erlebte ich im Einsatz und sah von meinem Büro aus das grosse Feuerwerk über dem Barock-Münster von Bad Säckingen. Das kritische an diesem Jahreswechsel war, dass man nicht wusste, ob die IT-Systeme den Datumswechsel aufs neue Jahrtausend richtig durchführen würden. Im Anfang der EDV hat man nämlich beim Programmieren Platz sparen müssen und hat nicht mit 4-stelligen Jahreszahlen gerechnet sondern nur mit den letzten 2 Stellen. Das neue "00" hätte in diesem Fall auch "1900 "sein können. Als Massnahme hat man alle Computer-Programme von Hand überprüft und nötigenfalls korrigiert. Problematisch waren aber die unzähligen kleinen Steuerungs-Chips, wie sie in vielen Maschinen eingebaut waren. Man wusste nicht, ob der eine oder andere Lift oder die grossen Strom-Alternatoren richtig funktionieren würden!

Uebers Fernsehen konnte ich jedoch bereits Stunden vor unserer Mitternacht beruhigend feststellen, dass Länder wie Australien keine Probleme mit dem Jahreswechsel hatten und nichts ungewöhnliches passierte. Trotzdem war es ein mulmiges Gefühl, als der Sekundenzeiger sich dem hiesigen Jahreswechsel näherte und dann auch übersprang. Ein grosser Stein fiel mir vom Herzen, als ich realisierte, dass unsere Massnahmen erfolgreich waren. Es hatte sich bewährt, dass wir über 30 Server ausser Betrieb nahmen und alles testeten (auch die Notstromversorgung). Wir waren für alle Fälle gerüstet und hatten die beste Notfallplanung, was uns Peter Sany bestätigen musste. Wir wussten zum Beispiel genau, an welcher Steckdose unsere Kaffeemaschine unter Diesel-Generator gelaufen wäre.

2000: Zurück in Basel beim LFIM TechOps

Es war im Frühling 1999 anlässlich eine Projektsitzung in Stein, als mich mein Mentor und früherer Vorgesetzter Werner Lang aus dem Meeting holte und fragte, ob ich immer noch daran interessiert sei, vorzeitig pensioniert zu werden? Ich war überrascht, dass es nun soweit war! Viele Gedanken schossen durch meinen Kopf! "Ja, das habe ich gesagt und ich stehe immer noch dazu!" meinte ich nach einer Schrecksekunde und Werner Lang erzählte mir, dass Karl Landert, der Schweizer CIO, 10 IT-Leute für Frühpensionierung per 31. Dez. 2000 benennen müsse. Ich müsste als einzige Bedingung 58 Jahre alt sein!... und genau dies wurde ich an diesem Tag!

Ein paar Wochen später, ich weilte in Istrien in den Ferien, erhielt ich in Porec auf meinem Handy ein Telefon von Karl Landert, der mich baldmöglichst sprechen wollte. Ich sass ins Auto und raste in die Schweiz. Zwei Tage später unterzeichnete ich bei Karl Landert den goldenen Vertrag zur Frühpensionierung: Volle Pension, wie wenn ich bis 65 Jahre gearbeitet hätte. Die AHV-Rente wird von Novartis übernommen. Ich müsse einzig die AHV-Prämien bis zu meinem 65.-Altersjahr bezahlen. Mein letzter Arbeitstag sei der 31. Dez. 2000, meinem 58. Geburtstag! Ich bin doch ein Glückspilz!

Mein letztes Jahr in Novartis verbrachte ich in Basel, um meine Erfahrungen dem LFIM (Local Functional Information Manager) TechOps Team mit Agnes Baumgartner, Beatrice Buttigli, Christoph Freyburger, Wolfgang Glasbrenner, Christoph Guyot, Karl Hans Schrader weiterzugeben. Die Rückversetzung von Stein in den düsteren, rauchgeschwängerten 3. Stock des Bau WSJ-210 hat mich mehr beschäftigt, als ich anfänglich wahrhaben wollte. Ich war frustriert und moralisch angeschlagen.

Mit Wolfgang Schmitt hatte ich aber einen ganz besonderen Vorgesetzten. Um in seinem Team neue Kräfte freizumachen, liess er ab Mai 1999 monatlich mit Frau Sonja Herzog-Lang eine Power-Frau sprich Psychologin einfliegen, die mit seinen Direktunterstellten ein Team formen und unsere Gefühle aktivieren sollte. Sie lehrte uns, mit unseren Gefühlen zu führen. Es war erstaunlich, wie die eigene Effizienz anstieg. Sie hat mich aus meinem privaten und geschäftlichen Tief herausgeholt und mich entdecken lassen, was sich in meiner inneren Gefühlswelt alles abspielte. Sie hat dies fortgesetzt, was Jahre vorher Dr. Philipp Basci begann. In grossen Schritten wurde ich zum zweiten Mal ein anderer Max.

Abschluss meines ersten Lebensabschnittes und Uebergang in meine Selbständigkeit

Eine Episode in den letzten Monaten bei Novartis ist erwähnenswert und zeigt, wie eigenartig der Körper spinnen kann. Es war Mitten Im Sommer 2000 als ich immer öfters Kreislauf-Probleme und Schwindelanfälle bei der Arbeit bekam. Dies vorallem, wenn ich zum Essen in die Kantine gehen wollte. Da kam es sogar vor, dass ich mich an einer Fahnenstange vor der Kantine halten musste. Einmal ging es mir gar nicht gut. Ich ging nach Hause wegen der Schwindel, realisierte aber im Bett, dass ich ja gar niemanden hatte, der über mich wachen konnte, sofern es mir noch schlechter gehen würde. Also setzte ich mich wieder ins Auto und fuhr zum Werkarzt, dem ich meine Probleme schilderte. "Haben Sie private oder berufliche Probleme oder Stress?" fragte er mich! "Nein im Gegenteil, ich werde ja in wenigen Monaten pensioniert!" erwiderte ich. Er lachte und meinte "dies ist ihr Problem. Es gibt auch positiven Stress. Erzählen sie möglichst allen Leuten von ihrem Glück!" meinte er und bereits fühlte ich, dass es mir besser ging. Ich atmete nämlich durch den Stress falsch. Ich hechelte zu viel Sauerstoff ein, was zu Schwindel führte!

Je länger das Jahr 2000 dauerte, je mehr war mein Ehrgeiz und die Motivation in Novartis dahin. Meine Gedanken befassten sich mehr mit dem, was im 2001 auf mich zukommen würde. In dieser Zeit fädelte ich bereits auch meine berufliche Zukunft nach der Pensionierung ein, indem ich mich mit zwei Kollegen der Firma C/S Consult anschloss. Ich begann, eine eigene Homepage mit meinem Angebot "Kostentransparenz und Outsourcing" aufzubauen. Diese Homepage bildete die Basis meiner jetzigen Internet-Umgebung.

Ein erster Schritt in die berufliche Zukunft begann am 29. August 2000 als ich den Eröffnungs-Vortrag an der Euroforum Konferenz "IT-Controlling" in München mit dem Thema "Kosten-Transparenz und business-gesteuerte Informatik" hielt. Ich hatte grossen Erfolg und bekam eine überdurchschnittliche Bewertung durch die gegen 100 Zuhörer (Controller und IT-Leiter). Ein daraus resultierender Kontakt zur Deutschen Post brachte uns eine Anfrage zur Unterstütztung im Outsourcing beginnend ab 1.1.2001 ein. Ich habe jedoch abgelehnt, denn ich wollte nicht bereits am 1. Tag nach Novartis in Darmstadt weiter-stressen. Zuerst wollte ich 3 Monate ausspannen.

In den letzten Wochen und Tagen vor meiner Pensionierung wurde ich wieder etwas nervös. Im Magen entwickelten sich Stress-Gefühle. Ich glaube, ich hatte etwas Angst vor dem Neuen. Ich wurde unsicher. Ich blickte gespannt in meine nächste Lebensphase. Ich realisierte, erstmals in meinem Leben werde ich keinen Vorgesetzten haben. Anfänglich übernahmen diese Funktion meine Eltern, dann die Lehrer, im Militär die höheren Offiziere und im Berufsleben die Vorgesetzten, die mir Aufgaben übergaben, der mich lobten oder kritisierten. Was wird die Zeit mir wohl bringen?

Im letzten Jahr in meines Berufslebens war ich ein fauler Hund. Mein Hauptaugenmerk galt dem Internet und meiner jetzigen Homepage, die ich damals begann zu entwickeln. Die Aufträge von Wolfgang Schmitt löste ich durch Externe wie René Schelling und Paul Eberle. Das verrückte war, dass mich mein Chef als Vorbild hinstellte, weil ich um die Termine einzuhalten auch Externe beizog!

Zwei Tage vor meinem Geburtstag am Freitag, 29. Dez. 2000 war mein letzter Arbeitstag. Ich packte meine privaten Sachen in meinem Büro in den Schoren WRO-1241.101 ein, ebenfalls den Laserdrucker HP-LaserJet-4000, den ich mitnehmen durfte. Ich war ganz alleine. Niemand verabschiedete mich. Ich sah ein Bild vor mir: den Charly Chaplin, wie er alleine und etwas traurig dahin spazierte!

Blick in meine geplanteZukunft

Ich war (und bin es mmer noch) ein grosser Glückspilz. Ein 6-er im Lotto hätte mir nicht mehr Freude bereiten können. Ich war voller Pläne und Ideen, was ich alles machen wollte:

Ein Teil von allen diesen Plänen habe ich realisiert. Nach einer kurzen Uebergangszeit habe ich mich jedoch ganz neu orientiert. Ich wurde zu einem Weltenbummler.

 

Autobiografie von Max Lehmann
Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen
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