Technikum Winterthur (1967 - 70) - Klasse Ca
(Kapitel aus meiner Autobiografie "Ich habe gelebt". Letzte Aenderung: Version 1.2 vom 5. Dez. 2015)

Es galt mein letztes Ziel, das ich mir in der Zeit des Aufbegehrens gegenüber meinem Vater gestellt hatte, zu erreichen: "Chemie-Studium am Technikum Winterthur".


Max mit Bart (1970)

Aufnahmeprüfung am Technikum Winterthur

Ich war besessen, das Technikum Winterthur zu besuchen. Es gab keinen Plan B. Der Weg dorthin führte über die obligatorische Aufnahmeprüfung in den Fächern Geometrie, Mathematik und Algebra, sowie einem deutschen Aufsatz. Als Vorbereitung besuchte ich Abend-Kurse in der Basler Privatschule Athenaeum.

Die erste Aufnahmeprüfung ging voll in die Hosen. in keinem der Prüfungsfächer hatte ich eine Chance. Ich kämpfte gegen eigene Blackouts und Panik. Ich merkte, dass es nicht lief. In den "Gschichtli Rechnungen" fand ich keine Lösungswege, in der Geometrie hatte ich ein Brett vor dem Kopf. Kurzum, nach Abschluss der Tests wusste ich, ich hatte versagt. Total ungenügend! Und so war es auch!

Im zweiten Anlauf ein Jahr später ging es viel besser. Ich entdeckte sofort die Lösungswege und war in allen Fächern bereits nach der halben Zeit fertig. Ich musste einzig gegen meinen Uebermut ankämpfen. Glücklicherweise habe ich in meiner Euphorie nicht sofort abgegeben, sondern alles nachgerechnet. In jeder Aufgabe entdeckte ich Flüchtigkeitsfehler. Ich konnte diese alle korrigieren und war schlussendlich einer der besten Prüflinge. Wie nahe können doch Erfolg und Misserfolg sein. Hätte ich nicht alles minutiös nachgerechnet, ich wäre wiederum abgestürzt.

In den Wochen und Monaten darauf sammelt ich in meinem Labor in der CIBA alle Arten von Glas-Geräten, Spachteln und Klammern zusammen sowie wichtige Substanzen, die ich im Tech brauchen konnte. Denn am Technikum musste man alles kaufen resp. mieten. Die CIBA war sehr grosszügig.

Meine Zeit im Technikum Winterthur

Im Frühling 1967 startete ich als 24 jähriger meine Karriere als Student an der Chemie-Abteilung des Technikum Winterthurs. Ich war damals der Zweit-älteste in der Klasse. Einzig Werner Dreier war älter als ich, war jedoch dem Lernstress nicht gewachsen und verliess das Technikum am Ende des 1. Jahres. Somit war und blieb ich der Senior. Ich war auch der einzige aus der 1. Reihe, der das Technikum erfolgreich abgeschlossen hatte.

In den 3 Jahren Chemie-Studium sind viele Freunde gegangen, weil sie die Noten-Hürden nicht nehmen konnten, es kamen aber auch ein paar Neue dazu, weil sie eine Klasse wiederholen mussten.

Bis Mitte des 2. Semester wohnte ich in Winterthur in einem Zimmer bei einer älteren Dame an der Jonas-Furrerstrasse. Anschliessend zog ich zu meiner späteren Frau Marlies Kobler nach Glattbrugg. Den Weg von Glattbrugg nach Winterthur und zurück überwand ich bei jedem Wetter mit meiner Lambretta. Später bildete ich eine Fahrgemeinschaft mit Ruedi Bucher, der unweit von mir in Oerlikon wohnte, und Margrit Richli v/o Hitsch in ihrem Simca-1000.

Hitsch war eine gute Autofahrerin. Ihr Simca-1000 war zuverlässig, auch wenn er einmal bei tiefsten Winter-Temperaturen nicht heizen wollte. Mehrmals mussten wir auf der Fahrt nach Winterthur aussteigen, um das Eis Innen und Aussen auf der Windschutzscheibe abzukratzen. Ruedi und ich nahmen es sportlich, Hitsch weniger. Sie ärgerte sich masslos über ihren "Schlitten".

Wir waren ein fröhliches Fahrtrio und liessen es uns auch nicht nehmen, zwischendurch einen Halt im Kaffeehaus in Winterthur-Töss bei der Garage Erb zu machen. Ein Kaffee war besser, als 1 Stunde langweiliger Verfahrenstechnik beim "Schang".

Margrit Richli stiess erst im 3. Semester zu uns. Sie war eine dunkelhaarige Schönheit und von uns Studenten aber auch den Professoren umworben. Schlussendlich hat "Hitsch", wie ihr Verbindungs-Vulgo lautete, den Heini Bachmann v/o Sais geheiratet. Daraus entstanden 4 Buben.

Im Gegensatz zu einem Universitätsstudium hatte man im Technikum jeden Vormittag und an den meisten Nachmittagen Vorlesungen. Ferien gab es wie in den normalen Schulen die 6-wöchigen Sommerferien, sowie die 2-wöchigern Herbst-, Weihnachts- und Frühlingsferien. So blieb einzig in den Sommerferien Zeit, um Geld zu verdienen.

Rechenschieber und -scheibe

Rechenschieber

Zur damaligen Zeit gab es noch keine elektronischen Taschenrechner. Man rechnete von Hand auf Papier oder nutzte mechanische Rechenmaschinen.. Das wichtigste Werkzeug in der Hand der Ingenieure war der Rechnenschieber oder die Rechenscheibe nach System Rietz oder Darmstadt. Erst kurz nach der Tech-Zeit wurden diese analogen Rechengeräte durch die elektronischen Taschenrechner abgelöst. Die ersten HP-Rechner kosteten viel Geld. Das mehrfache eines Rechenschiebers.

Das Prinzip eines Rechenschiebers bestand in der Addition oder Subtraktion von Strecken, die sich als logarithmische Skalen auf dem festen und dem beweglichen Teil des Rechenschiebers befanden. Durch verschieben der Zungen konnte man mit diesen handlichen Werkzeugen alle Arten von Rechen-Operationen durchführen.

Diese mechanischen Rechengeräte gab es in allen Grössen. Die üblichen Rechenschieber waren etwa 30 cm lang, aus wertvollem Holz und feiner weisser Kunststoff-Oberfläche. Es gab aber auch die kleinen, die in der Tasche Platz hatten. Deren Rechengenauigkeit war jedoch geringer. Mit den runden Rechenscheiben konnte man 1 Stelle genauer rechnen, denn die gegen 25cm Durchmesser entsprachen einer Rechenschieber-Länge von rund 45 cm. Die wenigsten Studenten haben sich diese grossen Scheiben leisten können. Sie waren aus Aluminium und sehr teuer.

Das A und O des "Rechenschieberns" war die Schätzung des Resultates, denn mit den Rechenschiebern rechnete man absolut und musste die Kommastelle schätzen oder eben im Kopf überschlagen. Um dies zu lernen, hatten wir im 1. Semester in der Mathematik mehrere Wochen Training im Rechnen mit der Rechenstab. Dank Prof. Prokop lernten wir, die Resultate und vorallem die Kommastellen schätzen. Diese Fährigkeit war mir mein ganzes Berufsleben ein grosser Gewinn, auch als die elektronischen Taschenrechner für jedermann verfügbar wurden. Ich konnte Zahlen-Werte jederzeit schätzen.

Meine Professoren und ihre Vorlesungen

Die Lehrer am Technikum Winterthur nannte man "Professoren", wie an einer Universität. Dieser Ausdruck war für mich etwas befremdend, aber es gab unter der Lehrerschaft wirklich ein paar echte Professoren, die es zu hohem Ansehen gebracht haben, wie z.B. der "Fraueli" Prof. P. Frauenfelder, seines Zeichens Physik-Professor. Viele Professoren meinten, sie seien berühmt, aber dem war nicht so. Die Professoren am Technikum waren vornehmlich Lehrer. Die meisten waren gute Lehrer.

Prof. Walti: Anorganische Chemie

Das spezielle und ungewohnte bei ihm war, dass wir für die periodischen Prüfungen offiziell Spickzettel oder auch Bücher brauchen durften. Was so simpel tönte und wie eine Einladung zum Betrug aussah, erwies sich viel schwieriger, als wir alle erwarteten. Denn ein Spickzettel musste verfasst werden. Ein Spickzettel machte nur einen Sinn, wenn darauf Dinge standen, die man nicht beherrschte. Durch das Schreiben in Stichworten oder als Kurzfassung aber, hat man sich meistens dieses Thema eingeprägt. Damit war der Spickzettel bereits überholt. So habe ich mir angewöhnt, mit Spickzetteln zu lernen. Aus dieser Erkenntnis heraus, habe ich für alle Fächer solche Spickzettel-Büchlein mit auswechselbaren Blättern im Format A6 angelegt.

Berühmt bei Prof. Walti war seine grosse Show mit "Flüssiger Luft". Dies war seine Sternstunde. Er genoss es, wie er uns mit der "rauchenden" füssigen Luft ueberraschen konnte. Etwa -200°C kühl ist flüssige Luft. Er demonstrierte uns, wie er einen Quecksilber- und Wienerli-Hammer erstellte, und damit Nägel in ein Brett schlagen konnte. Sein Assistent Stäger durfte dabei nicht fehlen.

Die Show des Prof. Walti
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Prof. Walti mit Quecksilberhammer Prof. Walti und Stäger

Prof. Prokop vulgo "Pk": Mathematik

Er war ein sehr guter Lehrer, ja ein hervorragender. Ein lieber Kerl und immer berechenbar. Er führte uns in die Geheimnisse des Rechenschiebers ein, brachte uns dann auch noch Geometrie und Algebra bei. Von ihm lernte ich, mich genau und exakt auszudrücken. PK hat mir viel gebracht und vorallem meine logische Denkweise weiterentwickelt.

Prof. Prokop (Mathematik)
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Prof. Walti, Chaperon, Prokop Prof. Prokop

Prof. Fritz Hügli: Physikalische Chemie

Das Fach "Physikaliche Chemie" blieb während der ganzen Tech-Zeit ein Buch mit 7 Siegeln. Obwohl die physikalische Chemie ein trockenes Thema war und nur aus Gesetzen und Formeln bestand, verstand es Prof. Hügli die Lektionen humorvoll und spannnend zu vermitteln. Dem haben wir aber auch etwas nachgeholfen. Es war immer unser Ziel, ihn mit einem von uns eingeworfenen Stichwort dazu zu bewegen, eine halbe oder die ganze Stunde über ein fremdes Thema zu sprechen. So äusserte er sich über Politiker oder andere Länder. Er beschrieb uns den effizientesten Staubsauger. "Er bestehe einem Schlauch in den Weltraum, in dem absolutes Vakuum herrsche. Dadurch würde der Staub in den Weltraum abgesaugt". Prof. Hügli war ein gern gesehender Gast an unseren Klassenfesten. Er genoss es, bei uns mit seinen markigen Sprüchen zu brillieren.

Unsere beiden Prof. Chaperon und Hügli an Klassenfesten
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Prof. Hügli mit Hitsch
Klassenfeste mit Chaperon, Huegli und Hitsch

Prof. Karl Tanner vulgo "Kari": Technische Chemie

Prof. Karl Tanner vulgo "Kari" unterrichtete uns in "Technischer Chemie". Ich liebte dieses Fach, denn es handelte von technischen Verfahren zur Herstellung von irgendetwas wie Seife, Flüssiger Luft, PVC etc. "Kari" war der Gentleman unter den Professoren. Er rauchte wie ein Schlosshund Chesterfield, auch während den Vorlesungen, aber immer mit edlem Mundstück! Er war gross und schlank, immer fein gekleidet im Zweireiher. Er fuhr einen schnittigen Amerikaner-Schlitten mit Faltdeck.

Unser Kari mit Chesterfield und Blazer
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Prof. Karl Tanner Prof. Tanner mit Zigarette

Prof. Chapéron vulgo "Schäppi": Analytische Chemie

Er war unser erster Klassenlehrer und an jedem Klassenfest dabei. Er liebte Festivitäten und den studentischen Gesang. Gelernt haben wir auch etwas bei ihm. Er unterrichtete "Ionen-Baden", auch analytische Chemie genannt.

Man erhielt von ihm ein Pulver oder eine Flüssigkeit und musste herausfinden, aus welchen Bestandteilen sprich "Ionen" sie besteht . Jede seiner magischen Gemische waren in seinem schwarzen Büchlein mit einer Nummer vermerkt. Wenn man meinte, die Lösungen gefunden zu haben, ging man in sein Büro und berichtete: "Natrum und auch Schwefel". Schäppi meinte aber, dass auch noch Acetat hätte gefunden werden sollen. Also ging man wieder ins Labor und machte den entsprechenden Nachweis. Oft fand man auch beim zweiten Mal nicht das richtige. Vielleicht hat er ja auch falsches zusammengemischt. Aber man erzählte strahlend: "Ja, Acetat habe ich gefunden!". Und Schäppi war glücklich, der Student auch.

Prof. Chapéron alias "Schäppi"
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Prof. Chaperon mit Studenten Prof. Chaperon

Prof. W. Bantle: Physik

Prof Bantle war ein Bünzli und jähzornig. Es galten nur seine Worte und Meinungen. Er war aber auch ein Frauenheld, obwohl er gar nicht danach aussah. Lange machte er unserem Hitsch den Hof. Es war für Margrit ärgerlich, denn sie konnte ihn ja nicht abweisen. Er hätte sie zerstört!. So musste sie sich sehr diplomatisch verhalten und schauen, dass sie nie alleine mit ihm und immer einer von uns dabei war. Es geht die Geschichte um, dass er nach uns eine seiner Studentinnen geheiratet haben soll. Sie war bestimmt mehr als 20 Jahre jünger.

Man konnte bei ihm viele Fehler machen. Wehe, einer erkannte nicht, dass diese berüchtigte "kinetische Energie" in gewissen Zuständen eine wichtige Rolle spielte. Am besten fuhr man, im Zweifel das Wort "kinetische Energie" in die Runde zu werfen, und man war ein physikalisches Genie.

Wehe aber, man war auf Bantle's Negativ-Liste. Dann konnte man es nie mehr gut machen. Er macht einem lächerlich vor allen Mitstudenten. Am besten kam man davon, wenn man ihn als Autorität akzeptierte und ihn immer wieder um seine Meinung fragte. Dann lebte er auf, weil er fühlte, dass man ihn als Kapazität achtete. Ich kam recht gut mit ihm aus. Im Physik-Praktikum arbeitete ich immer mit Suter Franz zusammen. Er war geistig und fachlich der bessere, und machte die Versuche. Ich schrieb die jeweiligen Berichte und dokumentierte sie mit tollen Tabellen, Kurven-Grafiken und Schwarz-Weiss-Fotos aus eigenen Foto-Labor. Bantle war immer fasziniert und wir zwei bekamen die guten Noten.

Prof. Bantle, unser Physik-Lehrer
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Prof. W. Bantle und Studenten im Praktikum Prof. w. Bantle

Prof. Geiger vulgo "Gix": Org. Chemie

Beim Schreiben dieses Abschnittes hatte ich Mühe, mich an etwas von Prof. Geiger zu erinnern. Pedro Wettstein war unser OCh-Genie und sonst? Organische-Chemie war ein trockenes Thema, gleich wie der Professor. Er lachte nie. Die Reaktionen wollten mir nicht recht in den Kopf. Es war mir einfach nicht logisch! Ich war dennoch ein guter Schüler. Im Labor ging es dann schon besser. Da war ich eher in meinem Element.

Prof. Jean Aeschbacher vulgo "Schang": Verfahrenstechnik

"Schang" hatte einen Assistenten, den Angelo. Er war die liebe Seele und half uns, wo er nur konnte. In der grossen Werkhalle durfte ich sogar an meinem DKW-1000 den Anlasser ausbauen.

"Schang" unterrichtete uns in Verfahrenstechnik. Bestimmt das wichtigste Fach für angehende Technikums-Chemiker. Sein berühmter gelber Ordner war bei den meisten von uns die Basis in ihrer zukünftigen Arbeit.

Prof. Jean Aeschbacher (Verfahrenstechnik) und Prof. Geiger (OCh)
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Prof. Aeschbacher Prof. Aeschbacher Prof. Geiger

Prof W. Diethlem vulgo "Stahlhelm": Deutsch

Er versuchte uns, Literatur näher zu bringen, was ihm nicht bei allen meinen Freunden gelang. Bei mir kam er gut an. Ich mochte seinen Unterricht und hing an seinen Lippen. Ich war versessen auf moderne und alte Schriftsteller und deren Literatur. Ich lass viel.

Prof. Penelope Scott vulgo "Penny": Englisch

Sie gab sich unendliche Mühe, uns ihre Muttersprache beizubringen. Aber wir realisierten noch nicht, wie wichtig es gewesen wäre, Englisch bei ihr zu lernen. Erst später in der beruflichen Praxis kamen wir auf die Welt und vermissten das Verpasste. Penny starb ein paar Jahre nach unserer Zeit bei einem Tauchunfall.

Prof. Penelope Scott (Englisch) und Prof. Walter Diethelm (Deutsch)
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Penelope Scott, Englisch Lehrerin Prof. Walter Diethelm

Der Schulbetrieb

Unser Wochenprogramm bestand zwischen 37 und 39 Vorlesungs- und Laborstunden. Also kein Universitäts-Betrieb mit relativ wenigen Wochenstunden, sondern ein Schulbetrieb mit zusätzlichen Haus-Aufgaben. Trotzdem blieb genügend Zeit fürs Studentenleben. Wir alle hatten bereits einen Beruf und waren erwachsene Menschen. Wir konnten fast ausnahmlos effizient lernen und arbeiten. Einige von uns waren aktiv tätig in Verbindungen wie der "Titania", so hiess die Verbindung der Chemie-Studenten. Mich hat dieses Leben nicht gereizt. Ich wollte nicht auf Befehl saufen und lustig sein. Das heisst nun aber nicht, dass auch ich gerne bei Biertreffs dabei war. Aber eben dann, wenn ich es wollte und nicht jeden Freitag Abend.

All die Verbindungsstudenten bekamen ein "vulgo", d.h. einen Uebernahmen wie z.B. "Hitsch" für Margrit Richli, oder "Sais" für Heini Bachmann, oder Gilb, Proton, Caruso, Minus oder "Pfupf" für Hubert Seitz.

Klassenfest im 1. Semester
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Klassenfest: Gilb als Schankbursche Klassenfest 1. Semester
Klassenfest 1. Semester Klassenfest: Produktion von Prof. Chaperon
Prof. Chaperon war in seinem Element

Apropos Festivitäten. In jedem Semester trafen wir uns zu einem Klassenfest, zu dem wir einige unserer Professoren einluden. Prof. Chaperon alias "Schäppi" war ein beliebter Zeitgenosse. Er genoss die Abende mit uns sichtlich. Unvergesslich auch eine der ersten Deutsch-Stunden im nahen Allmend-Restaurant mit Prof. Diethelm. Als wir ab dem 3. Semester mit Margrit Richli v/o Hitsch auch ein weibliches Wesen in unserer Klasse hatten, kamen immer mehr Professoren an unsere Feste. Prof. Hügli und vor allem Prof. Bantle verehrten Margrit. Caruso alias Robert Sprenger war unser "Alpenkalb". Bei jeder Gelegenheit hatte er einen guten Spass auf Lager.

Unvergessliche Klassenfeste
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Klassenfest: Produktion Caruso Klassenfest: Heini Sais Bachmann Klassenfest
Klassenfest: Nieder mit dem Fass Klassenfest: Max mit Hitsch
Max mit Hitsch

Eines der ganz grossen und unvergesslichen Klassenfeste war dasjenige auf dem Segel-Flugplatz in Oberwinterthur Mitte des 3. Semesters. Richi Sommer v/o Acro war im Besitz des Segelflug-Brevets und jeder von uns konnte mit ihm eine Platzrunde fliegen. Es war ein wunderbarer Sommertag. Wir starteten den Segler mit einer Seilwinde. Jeder musste mitarbeiten. Abends grillierten wir im Clubhaus, "ernteten" aber vorher auf dem benachbarten Feld eines Gemüsebauern ein paar Salate. Es ist eben schon so, ein gestohlener Salat schmeckt viel besser, als ein gekaufter. Selbstverständlich hatten wir auch 1 oder 2 Fass Bier bei uns. Gegen Mitternacht kletterten wir über den Zaun des nahen Schwimmbades, um uns abzukühlen.

Flugplatz-Fest (Juni 1969)
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Segelflieger
Flugplatzfest: Max im Flieger
Max als Pilot
Flugplatzfest Salat

Leben wie ein König

Wie habe ich die Lebenskosten in den 3 Jahren bestritten, in denen ich ja fast kein Geld verdienen konnte. Mein Vater war gestorben, von meiner Mutter bekam ich nichts, denn sie lebte von ihrer Rente und dem, was sie zusätzlich verdiente. Um ehrlich zu sein, ich wollte von ihr auch kein Geld. Ich wollte mich selber durchbringen und mein Ziel erreichen. Ich hatte Erspartes auf dem Bankbüchlein. Von der CIBA bekam ich ein nicht zurückzahlbares grosszügiges Stipendium. Beim Staat bewarb und erhielt ich ein Zusatz-Stipendium, das ich aber zurückzahlen musste. Ich kam gut über die Runden und hatte sogar Geld, um mir einen KIP-Wohnwagen und ein Auto DKW-1000 zu leisten. Mit einem Bank-Darlehen kaufte ich mir unmittelbar nach dem Tech sogar noch eine Segelboot-Jolle des Typ "Toy" aus der Fabrikation Fireball. Es ist verrückt, mit wie wenig Geld man auskommen kann, ohne hungern zu müssen.

Mein DKW-1000

Anfangs 1969 habe ich mir in der Tat einen 10 Jahre alten, blauen DKW-1000 mit gegen 100'000 km geleistet. Ich musste nur Fr. 300,-- dafür bezahlen, brauchte aber, um ihn flott zu bekommen und ihn vorführen zu können, 4 neue aufgummierte Reifen, viel Polyester und Teer-Paste, um den Unterboden zu reparieren. Vom Abbruch holte ich mir Bremsventile und aus dem Zubehörhandel Austausch-Bremsbacken. Nach vielen Stunden Arbeit habe ich ihn vorgeführt und bin mit ihm gegen 27'000 km gefahren. Da ich zweimal einen Unfall hatte, an dem ich unschuldig war, habe ich mir die beiden Schäden in Franken ausbezahlen lassen. Auf diese Weise habe ich mir meine Autokosten finanziert.

Einmal bin ich der Polizei mit meinem zerbeulten DKW aufgefallen und musste ihn auf dem Strassenverkehrsamt in Zürich vorführen. Die damaligen Experten waren gefürchtete Respektspersonen. Sie trugen Stiefel und schwarze Ledermäntel wie die Berufsoffiziere des Militärs.

Meinen DKW habe ich für die Prüfung auf Vordermann gebracht. Jedoch ein oder zwei Wochen vor dem Vorführ-Termin holte mich ein gewaltiger Schock ein. Mein Unterboden hatte mehrere Löcher und bei Regenfahrt füllte sich der hintere Sitzbereich mit Wasser. Wenn ich bremste, schwappte Wasser über meine Füsse in den vorderen Bereich. Ich musste das Wasser mit einer Kelle ausschöpfen. Es durfte auch niemand auf der hinteren Sitzbank aufstehen. Es hätte die Gefahr bestanden, dass er durch das Bodenblech durchgebrochen und auf der Strasse gestanden wäre. Undenkbar, wenn dies während einer Fahrt passiert wäre. Mit einem derartigen Mangel konnte ich niemals das Auto vorführen. Aber glücklicherweise regnete es an besagtem Vorführ-Tag nicht.

Aber es folgte am Tag vor der Vorführung ein zweiter Schock. Der Anlasser funktionierte nicht. Nur ein "Klick" war zu hören. Guter Rat war teuer. In der kurzen Zeit liess sich der Anlasser nicht revidieren. Aber der Garagist hatte eine Idee. Mit einem Schlag auf den Anlasser rutschte der Kohlen-Kontakt auf den Rotor und der Anlasser drehte. Dies probierte ich mehrmals durch und es funktionierte.

So fuhr ich am Prüfungstag mit einem Hammer auf dem Nebensitz und einer Schöpfkelle im Kofferraum zum Strassenverkehrsamt. Dort angekommen öffnete ich kurz die Motorhaube und gab dem Anlasser den eingeübten Schlag. Dann wartete ich auf den Experten. Der bat mich, auf den Prüfplatz zu fahren. Der Motor lief sofort an. Am Prüfplatz kniete er vors Auto und leuchtete mit einer Taschenlampe unters Auto und den schönen schwarzen Unterboden ab. Er war zufrieden. Er beanstandete nur meinen Blinker und gab mir den folgenden Tip: "Der Blinker sei matt. Ich soll ihn doch innen mit weisser Farbe bestreichen, dann sehe man das Licht viel besser¨. Ja, sowas war damals noch möglich.

Dann begann er über meinen DKW und den tollen Sound des 2-Takters zu schwärmen. Ich war verunsichert und meinte, dass ich den Auspuff auf Löcher kontrolliert hätte. Er beruhigte mich. Ein Loch könne er keineswegs haben, denn dann hätte der Wagen keinen Saft mehr und würde absterben. Er gab mir die Hand, verabschiedete sich und ging zurück ins Büro. Ich öffnete die Motorhaube, gab einen Schlag auf den Anlasser und fuhr aus dem Prüfgelände. Keine 200 m ausserhalb krachte und schäpperte es hinter mir. Der Auspuff, der doch kein Loch gehabt haben soll, war abgebrochen. Ich schleppte ihn hinter mir her.

Mein KIP-Wohnwagen

Camping war bereits damals ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Nachdem ich im ersten Tech-Jahr während des ganzen Sommers mit dem Zelt am Greifensee campierte und dort die Wochenenden verbrachte, kaufte ich mir im 1969 für Fr. 1'000.-- einen 4 m langen KIP-Wohnwagen mit dem ich später sogar Wintercamping in Unterwasser (Toggenburg) machte. Ich erlebte mit ihm eine ganz tolle Zeit. Anstatt fürs Schluss-Diplom zu lernen, bemalte ich mit Ruedi Bucher den Wohnwagen in der Farbspray-Technik. Es war eine Heidenarbeit und der Wohnwagen sah anschliessend wieder schön weiss aus. Ich hatte zwar an den Diplom-Prüfungen ein schlechtes Gewissen, aber es ging alles gut. Aber noch Jahre später litt ich unter Angstträumen, weil ich statt auf die Prüfung zu büffeln, den Wohnwagen gestrichen hatte.

Grossbrand am Technikum Winterthur (21. Mai 1968
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Grossbrand am Technikum Winterthur Grossbrand Technikum Winterthur

21. Mai 1968: Grossbrand am Tech Winterthur

Es war dramatisch, als um etwa 11 Uhr Feueralarm gegeben wurde. Es brannte im Hauptgebäude des Technikum Winterthurs. Interessant ist die damalige Sensations-Berichterstattung des BLICK, der Schweizer Zeitung mit den grossen roten Buchstaben:

Nicht begriffen

Um 11 Uhr vormittags rannte ein Student aus der Aula in den Erfrischungsraum und rief der dort amtierenden Frau Aeberli zu: "Es brennt!"

Mit Wasserkübeln und später mit Schaumlöschern versuchten nach dem Verlust wertvoller Minuten einige Studenten und der Hausabwart dem sich in einer Pavatexwand ausbreitenden Feuer Herr zu werden. Doch es war schon zu spät. Explosionsartig breiteten sich die Flammen aus und dichter schwarzer Rauch zog in das Treppenhaus hinaus.

Um 11.13 alarmierte man die Feuerwehr, um 11:14 rückte die erste Löschtruppe aus. Nach einer halben Stunde waren 100 Feuerwehrleute auf der Brandstelle.

Eine vielhundertköpfige Menschenmenge stand vor dem Technikum und war Zeuge, wie die Studenten über Feuerwehrleitern und Abflussrohre aus dem brennenden Haus flüchteten.

 

Gemütlicher Hux

Supergemütlich nahm es Professor Hux, der trotz des Brandes erst seine Staatskundelektion beenden wollte.

Als Mappen und Mauerstücke an den Fenstern seines Schulzimmers vorbeiflogen, schickte er einen Schüler in den Gang hinaus, um sich zu erkundigen. "In der Aula brennt es!" meldete der Schüler, doch sen Professor meinte kühl: "Ja, wahrscheinlich ist etwas passiert. Aber wir fahren weiter."

Um zehn vor zwölf forderte man die Klasse auf, ihr Zimmer zu verlassen. Professor Hux meinte lakonisch: "Es läutet jeden Moment, dann können Sie gehen!"

Während die Klasse 1 EC noch brav Staatskunde büffelte, verkohlte rundherum das ganze Schulgebäude. Nur vor den Schulzimmertüren machte das Feuer erstaunlicherweise Halt.

Obwohl die Türen des 1874 gebauten Schulhauses nur aus Holz sind, brannte keine der Türen durch und somit wurde auch kein einziges Schulzimmer und damit Lehrmaterial beschädigt.

 

Bange Minuten

Doch bevor sie gerettet wurden, machten viele der Studenten einige bange Minuten durch. Die Klassen 3 MD und 5 MD im dritten Stock mussten 20 Minuten im raucherfüllten Schulzimmer ausharren, bis sie über die Autodrehleiter ins Freie steigen konnten.

"Wir wussten gar nicht recht, was los war," erzählte ein Schüler der 3 MD. "Wir hörten zwar die Sirenen der Feuerwehr, doch erst, als die Rauschwaden schon an der Zimmertür standen, entdeckten wir, dass es in unserem Schulhaus brannte."

Da die Nachbarklasse noch mehr im Rauch zu ersticken drohte, wurde die Verbindungstüre zwischen den beiden Schulzimmern aufgebrochen und gemeinsam warteteten die Schüler der zwei Klassen mit Taschentüchern vor dem Mund auf Rettung.

"Wir warfen unsere Mappen mit den wichtigsten Dokumenten aus dem Fenster und retteten als erstes natürlich die Klassenkasse." erzählte ein Student.

Feuerwehrkommandant Major Vaterlaus kroch auf allen Vieren unter dem Rauch durch und rief den Schülern zu: "Schliesst die Türen, wir holen euch dann von aussen raus."

Durch das Treppenhaus konnte man schon lange nicht mehr fliehen. Der ausserordentlich dicke Rauch drohte einen zu ersticken und raubte jede Sicht. So wurden die restlichen Studenten des 3. Stocks über die Drehleiter gerettet.

 

Grossbrand am Technikum Winterthur (21. Mai 1968
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Grossbrand am Technikum Winterthur: Auditorium Grossbrand Technikum Winterthur: Säulen im Hauptgebäude

Arbeit während der Sommerferien in der CIBA

Ohne Geld kein Studentenleben. Deshalb mussten wir alle in den Sommerferien arbeiten. Da die meisten von uns in der Basler Chemie einen Ferien-Job bekamen, trafen wir uns einmal in der Woche zu einer Sauftour durch das Basler Nachtleben. Treffpunkt war das Restaurant "Brauner Mutz" am Barfüsserplatz, dann ging es quer durch die ganze Stadt bis ins Kleinbasel, wobei in jedem Restaurant unterwegs ein grosses Bier getrunken wurde. Gegen Mitternacht langten wir in der Rheingasse im Kleinbasel an und tranken dort unser Letztes. Keiner von uns musste Durst leiden. Jeder kam auf etwa 4-5 Liter Bier. Ob wir wohl am kommenden Tag im Labor brauchbar waren?

Daneben musste aber auch gearbeitet werden. Auch ich! Man erwartete, dass wir unser Gelerntes anbringen konnten. Aber ich war ein schlechter angehender Chemiker. Eher ein guter Laborant, denn ich konnte das Gelernte nicht anwenden, weil ich das Gelernte nie begriffen hatte. Bereits damals reifte in mir der Entschluss, nie im Labor zu stehen zu wollen.

1969/70: Präsident des STA = Studentenausschuss des Technikums Winterthur

Politik ist ein schmutziges Geschäft. Da wird gelogen und betrogen. Ich war in meiner Studentenzeit 1 Jahr Präsident des Studentenausschusses (STA Winterthur) und hatte die Studenten des Tech.- Winterthurs gegen Aussen zu vertreten. Es war kurz nach dem 68er-Jahr und den Studentenunruhen in Zürich (Globus-Krawalle). Ich war ein "Rechter" und stand eher der Freisinnigen Partei nahe. Die "junge Linke" war mein Gegenpart. In allen anderen Universitäten und Hochschulen waren sie an der Macht. Sie wollten auch hier am Technikum unbedingt das Sagen haben. Sie machten aber nicht die Rechnung mit den bestandenen Berufsleuten, die die Studentenschaft am Technikum Winterthur ausmachten. Sie gingen den Linken und ihren abstrusen Ideen nicht so schnell auf den Leim.

Die Zusatzbelastung als STA-Präsident war gross. Viele der Vorlesungen besuchte ich nur noch selten. Ich schätze, dass ich etwa der Hälfte fernblieb. Erstaunlicherweise war ich aber in dieser Zeit nicht schlechter. Meine Zeugnisnoten waren im Gegenteil besser, als im Jahr davor. Ich vermute, dass ich effizienter und intensiver lernte .... oder die Professoren drückten mehrere Augen zu?

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STA-Vorstand Technikum Winterthur 1969/70

In einem Technikum oder heutigen Fachhochschule setzt sich die Studentenschaft anders zusammen, als in Universitäten. Die meisten sind Berufsleute und studieren im zweiten Bildungsweg. Es sind keine Theoretiker mehr, sondern Praktiker. Als es in Winterthur darum ging, einen neuen Studentenausschuss zu wählen, weil der derzeitige eben das Diplom machte und zurücktrat, kamen der abtretende Präsident und meine Klassenkollegen auf mich zu und baten mich, dass ich mich als Präsident zur Verfügung stellen sollte. Zu den Befürwortern gesellte sich auch die Technikums-Leitung. Sie meinten, ich wäre für dieses Amt wie geschaffen. So kam ich wie die "Jungfrau zum Kinde", denn ich wollte mir nicht neben dem Studium noch mehr Arbeit aufladen. Meine Klassenkollegen meinten, sie würden mit gerne und auch bei verpassten Lektionen helfen.

So wurde ich in einer geheimen Wahl mit grossem Vorsprung als Präsident des Studentenausschusses gewählt, der aus 7 Personen bestand. Die meisten der anderen Ausschuss-Mitglieder waren auch liberal oder unpolitisch. Jedoch 2 waren extrem. Der eine war René Lechleiter, der Sohn des Zürcher PdA-Parteipräsidenten. PdA stand für "Partei der Arbeit" und war der Ableger der kommunistischen Partei (Bild oben: 3. von rechts). René Lechleiter war Zeit seines Lebens ein "ROTER". Einer seiner Freunde mit Namen Dietiker (Bild oben: 1. von rechts) war als Mitglied der POCH (Progressive Organisation der Schweiz) auch ein dunkel-roter. Beide waren Sympatisanten oder Mitglieder der "Jungen Linken", wie sie sich damals nannten.

In meiner Präsidial-Zeit habe ich von den "Jungen Linken" viel gelernt. Ich lernte "on the job", d.h. an den Ausschuss-Sitzungen und den Gross-Versammlungen, wie man sich gegen Andersdenkende wehrt. An einer der ersten Ausschuss-Sitzungen musste ich bereits erkennen, dass die Vertreter der "Jungen Linken" sich extrem gut vorbereitet haben und einige meiner Vorschläge mit Hinweis auf die Statuten leicht abschmetterten. Ich stand mit heruntergelassenen Hosen da und war deprimiert. Aber ich hatte gute Freunde in meiner Klasse. Wir besprachen meine Niederlage und meine Fehler!

Ich war lernfähig! In der Folge studierte ich alle Statuten, Reglemente und Vorschriften, die irgendetwas mit dem Technikum zu tun hatten. An der nächsten Grossversammlung, die über meine Vorschläge schlussendlich abstimmen musste, hatten die "Roten" keine Chance mehr, denn ich wusste jede ihrer Voten mit einem Artikel aus den Statuten oder Reglementen zu widerlegen. Ich wurde als grosser Sieger von meinen Freunden aus dem Saal begleitet. Ich muss grossartig gewesen sein, was mir auch die Schulleitung und die Professoren bestätigten. Von nun an hatte ich die volle Unterstützung der Direktion. Sie waren froh, dass durch meine Präsidentschaft mit Ruhe am Technikum gerechnet werden konnte. Alle Universitäten und Hochschulen hatten zu der Zeit Angst, dass es auch bei ihnen zu Studentenunruhen kommen könnte.

Das Tech-Fussball-Turnier
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Max als Fussball-Goalie Max als Stürmer

Die Aufgabe des STA waren nicht nur politischer Natur, wir vertraten die Studentenschaft im SSR (Schweizer Studentenreisedienst) und organisierten kulturelle und sportliche Veranstaltungen. Eine dieser Aktivitäten war das über den ganzen Sommer gehende Fussball-Turnier. Sein Erfolg war nicht immer optimal, denn oft waren die Fussball-Plätze nicht verfügbar. Ich machte aktiv in meiner Klasse mit, entweder als Torhüter oder auch als Stürmer.

Ich legte mich mit der Presse und der Politik an

Wie lautete die Schlagzeile des Winterthurer Landboten vom 9. Okt. 1969: " Stille Demonstration der Technikum-Studenten", In der Tat organisierte ich mit meinen Freunden einen Sportstag mit einem Kleinfeld-Grümpel-Turnier und einem Orientierungslauf. Ich wollte die Studenten dazu bringen, nicht nur zu lernen und zu saufen, sondern auch Sport zu treiben. Ein Sportunterricht war damals nicht Teil des Unterrichtes. Wir hatten enormen Erfolg. 31 Schüler- und 1 Professoren-Team bestritten das Handball-Turnier und 80 Equipen nahmen an Dreier-Orientierungslauf auf dem nahen Eschenberg teil.

Artikel im Landbote vom 9. Okt. 1969

Stille Demonstration der Technikumsstudenten

Mit einem Sporttag unterstreichen sie die Forderung nach einem Sportplatz

hp. Als weitere Gruppe fühlen sich nunmehr auch die Technikumsstudenten von der akuten Sportplatznot, welche in Winterthur herrscht, betroffen. Mit der Durchführung eines gutorganisierten und gutbesuchten Sporttages unterstrichen sie ihren Wunsch, dass ihnen die Behörden einen Sportplatz zur Benützung zur Verfügung steilen sollten. "Leider ist es nämlich so, dass wir keine Fussballplätze regelmässig nach Schulschluss (ab 17 Uhr) erhalten, weil die Plätze dem Firmensport reserviert sind", schrieb der Studentenausschuss in der Ankündigung zum Sporttag, den er als "stille Demonstration" bezeichnete.

Der Lehrplan des Technikums sieht keine sportliche Betätigung vor. Um so begrüssenswerter ist es, dass die Studenten aus eigener Initiative in dieser Hinsicht etwas unternehmen, Das sich über eine ganze Saison erstreckende Fussballturnier, an dem sich alle Klassen beteiligen, stösst jedoch bei der Abwicklung auf grosse Schwierigkeiten, weil kein geeigneter Platz vorhanden ist. In einem der Vorjahre musste es sogar abgebrochen werden.

Max Lehmann, der Präsident des Studentenausschusses, erklärte: "Wir hoffen, dass einmal mit dem Vierjahrestech ein Sporthalbtag für alle Klassen eingeführt wird." Doch werde es mindestens fünf bis zehn Jahre dauern, bis die Schulzeit von drei auf vier Jahre erhöht werde, und bis dahin muss irgendeine andere Lösung gefunden werden.

Die Studenten sind sich der Schwierigkeiten, welche die Stadt Winterthur (allerdings infolge Selbstverschuldens) bei der Zuteilung von Sportplätzen hat, durchaus bewusst. In unserem Gespräch mit Max Lehmann schälten sich einige mögliche Lösungen heraus:

  1. Da es sich um eine kantonale Lehranstalt handelt, sorgt der Kanton in Zusammenarbeit mit der Stadt für die Errichtung eines Sportplatzes. Tagsüber stände er vor allem den Handelsschülern zur Verfügung, deren Lehrprogramm Turnstunden enthält, abends dagegen den Techstudenten. Geeigneter Platz an idealer Lage zur Erstellung eines solchen Feldes ist genügend vorhanden: Man denke nur an die Pünten und die brachliegenden Felder auf der untern Schützenwiese.

  2. Als Kantonale Lehranstalt räumt die Kantonsschule den Techstudenten Priorität ein vor den Vereinen.

  3. Die Stadt reserviert den Technikumsstudenten auf bestehenden Plätzen gewisse Zeiten.

Die Studenten setzen dabei zum Teil ihre Hoffnungen auf Stadtpräsident Urs Widmer, da er als Mitglied der Aufsichtskommission des Technikums besser weiss, als sie selbst, wer letzten Endes zu bezahlen hätte, die Stadt oder der Kanton.

Dass das Interesse der Studenten an sportiicher Betätigung gross ist, beweist nicht nur die Zahl der Mannschaften am Fussballturnier, sondern auch die hohe Teilnehmerzahl am Sporttag vom letzten Mittwoch, an dem 31 Schüler- und ein Professorenteam ein Kleinfeld-Handballturnier auf dem Deutweg bestritten und rund 80 Equipen an einem Dreier-Orientierungslauf auf dem Eschenberg teilnahmen.

Am Sportstag selber waren Presse und auch eine Equipe des Schweizer Fernsehen zugegen. Der Reporter des Fernsehens plapperte wie ein Uhrwerk, ohne anzustossen oder sich zu verhaspeln, als er über unseren Anlass berichtete. Ich war erstaunt über seine Fähigkeit. In einer Erklärung vor den Medien habe ich die Anliegen der Studentenschaft präsentiert, der im obigen Artikel ihren Niederschlag fand. Es fehlte mir damals an politischer Weitsicht und Erfahrung mit den Medien. Ich gebrauchte ein paar unglückliche Worte, als es um mögliche Alternativen ging. : "Es sei genügend Platz vorhanden. Man denke nur an die Pünten (=Schrebergärten) und die brachliegenden Felder auf der unteren Schützenwiese."

Darauf kam ein regelrechter "Shitstorm" an Pressekommentare und Leserbriefen auch aus dem Winterthurer Gemeinderat über mich und das Technikum. Der harmloseste Titel lautete "Was sind das für Manieren?" Dank der Mithilfe durch die Professoren und den Vizedirektor vom Technikum konnte wir die Angriffe parieren und zu unseren Gunsten drehen. Eine Sitzung mit dem Stadtpräsidenten von Winterthur brachte alles wieder ins Lot. Alle Seiten waren beruhigt. Auch die Studentenschaft. Wir durften fortan wöchentlich an zwei Abenden einen Fussballplatz benutzen.

Leserbriefe im Landbote zum Thema unseres Sporttages

Leserbrief im Landbote vom 23. Okt. 1969

Was sind das für Manieren?

Im "Landboten vom 9. Okt. Nr. 230 konnte man von einer stillen Demonstration der Technikumstudenten lesen, durch welche diese die Winterthurer Bevölkerung darauf aufmerksam machen wollten, dass ihnen von den Behörden für ihre sportliche Betätigung kein Sportplatz zur Verfügung gestellt werde.

Der Artikel von hp. kommt einem Interview mit dem Technikumstudenten M. Lehmann gleich.

Hätte M. Lehmann recht, so müssten wir Winterthurer uns schämen. Darum ging ich der Klage der Studenten nach und stellte eindeutig fest, dass die Studenten sich weder beim Sportamt noch beim zuständigen Stadtrat nach einem frei zur Verfügung stehenden Sportplatz erkundigt hatten, sondern es vorzogen, das Sportamt zu verunglimpfen. Das ist bedauerlich! Den Studenten sollte bekannt sein, dass ihr Lehrer Prof. P. Sattler Gemeinderat ist und sich bestimmt für sie einsetzen wird bei berechtigten Wünschen; es sei denn, er würde aus Ueberlegungen, wie sie die Unabhängigen mit ihrem "Nein" zur Sporthalle anstellten, das Anliegen als ungerechtfertigt abweisen.

Den Studenten möchte ich den Rat erteilen, ihre Wünsche den zuständigen Behörden zu unterbreiten. Die Winterthurer Behörden und die Stimmbürger sind sicherlich nicht abgeneigt, den Wünschen der Technikumstudenten nach Möglichkeit zu entsprechen.

Eine Voraussetzung ist allerdings notwendig: Die Behörden rnüssen von den Anliegen der Studenten Kenntnis haben.

Gemeinderat Fritz Höner

Antwort des Studentenausschuss an Gemeinderat Höner

Das sind Manieren

Der Studentenausschuss am Technikum VVinterthur schreibt uns:

Wir meinen mit der Ueberschrift die zuvorkommende Art und Weise, wie unsere Stadtbehörden die Probleme der Technikumsstudenten behandeln. Am Donnerstag, dem 23. Oktober, fand nämlich der Schlussakt des Sporttages 1969 der Studierenden des Technikums statt. Stadtpräsident Urs Widmer lud zu einer Sitzung in der Sache "Sportplatz für Technikumsstudenten" ein. Seitens der Behörde nahmen ferner die Herren Stadträte Dr. O. Hüssy und F. Schiegg sowie der Chef des Gesundheitsamtes, Herr Koch, teil. R. Sommer, R. Schaich und M. Lehmann vertraten dabei die Studentenschaft.

Den Stadtvätern möchten wir rückblickend im Namen aller Studierenden für das objektive Gespräch danken, das es ermöglichte, eine glückliche Lösung zu finden. Ab Sommersemester 1970 wird den Studenten wöchentlich an zwei Abenden von 17.15 bis 19.45 Uhr ein Fussballplatz zur Verfügung stehen. Wir vom STA sind überzeugt, dass das Problem nur, deshalb zur Zufriedenheit aller gemeistert werden konnte, weil die Beteiligten es vermieden, daraus ein Politikum zu machen, wie es von anderer Seite versucht wurde.

Antwort der Technikums-Leitung an Herrn Höner im Landboten 28. Okt. 1969

Herr Gemeinderat Höner wirft in seinem Artikel im "Landboten" vom 23. Oktober den Studierenden am Technikum unziemende Manieren vor und begründet seinen Vorwurf auf die Ausführungen von hp. in dessen Bericht über den Sporttag der Tech-Studenten, erschienen am 3. Oktober.

Es ist sehr bedauerlich, dass ein so prominentes Mitglied der Demokratischen Partei glaubt, jungen Staatsbürgern auf Grund offensichtlich mangelnder Kenntnis des Sachverhaltes Lektionen über richtiges Benehmen erteilen zu müssen. Wenn unsere Studierenden den Sporttag als stille Demonstration zur Unterstreichung ihres Wunsches nach einem Sportplatz bezeichnen, so scheint mir diese Art Demonstration doch sehr sympathisch im Vergleich zu dem, was andernorts von Studenten geboten wird.

Es wäre für Herrn Gemeinderat Höner leicht gewesen, sich beim Studentenausschuss oder auch bei den zuständigen Beamten des Schulamtes und des Gesundheitsamtes nach dem Sachverhalt bezüglich der Sportplatz- oder Turnhailen-Benützung zu erkundigen. Dass er es vorgezogen hat, ohne solches Bemühen Vorwürfe gegen die Studierenden zu erheben, lässt mich die Gegenfrage stellen: "Was sind das für Manieren, Herr Gemeinderat?"

WalterWanner
Vizedirektor des Technikums


Anmerkung der Redaktion: In einer am letzten Samstag veröffentlichten Zuschrift des Studentenausschusses am Technikum Winterthur wurde festgehalten, dass das Problem der Sportplatz-Benützung inzwischen zur Zufriedenheit der Studenten gelöst werden konnte; man kann die Angelegenheit mithin als erledigt ad acta legen. Zu dem oben wiedergegebenen Brief ist anzumerken, dass Gemeinderat F. Höner im Zeitpunkt der Niederschrift seines Artikels in guten Treuen gehandelt hat. Da seine Informationen von kompetenter Seite stammten, hatte er kaum Anlass, eine zeitraubende weitere Abklärung vorzunehmen. Der Tadel, der ihm nun erteilt wird, entbehrt deshalb der vollen Begründung. Dies gilt auch mit Bezug auf eine Zuschrift von Prof. P. Sattler, die im wesentlichen den gleichen Gesichtspunkten gilt; Prof. Sattler legt ausserdem Wert auf die Feststellung, dass sein Mandat als Gemeinderat nicht allen der zahlreichen Studierenden am Technikum bekannt sein konnte. Insbesondere aber lehnt er jeden Zusammenhang zwischen der aktuellen Sportplatzfrage und der Haltung des Landesrings zu dem seinerzeit verworfenen Kredit für eine Sporthalle als unbegründet ab.

Im übrigen glauben wir, das Intermezzo sei nicht eben weltbewegend; Wir freuen uns, dass den Wünschen der Studenten am "Tech" entsprochen worden ist.

Es war wohltuend für mich, wie der Lehrkörper und die Technikums-Leitung mir nach diesem Shitstorm zur Seite standen. Ich hätte zu jener Zeit nie geahnt, dass ein kleiner Nebensatz über die "Schrebergärten" zu einer derart heftigen Reaktion führen könnte.

Vordiplom und Diplomprüfungen - Meine Diplomarbeiten

Am Ende des 2. Jahres war Vordiplomzeit. Dann wurde zum letzten Mal gesiebt, denn die Professoren wollten keine Studenten in den letzten beiden Semestern, die die Diplomprüfungen nicht bestehen würden. Ich hatte keine Probleme mit den Prüfungen.

Die Diplomarbeiten mussten mit Schreibmaschine geschrieben und in 3-facher-Kopie und gebunden abgegeben werden. Wie froh war ich doch, dass ich im Militär das Zehnfingersystem gelernte hatte. Damals gab es noch keinen PC mit Delete-Taste. Mit der Schreibmaschine galt es Seitenweise zu schreiben. Etwaige Fehler korrigierte man mit "Tipp-Ex weiss" und überschrieb diese Stelle mit dem richtigen Text. Man nutzte dabei auch eine Art von "Cut and Paste", um ganze Kapitel zu verschieben, indem man die Stellen mit der Schere ausschnitt und die Seiten neu zusammenklebte.

Ich habe viel Wert auf gute Darstellung und Dokumentation durch Grafiken auf Millimeter-Papier, mit schwarzer Tusche/-Tinte gezeichnet, und Schwarz-Weiss-Fotos gelegt. Diese Bilder habe ich zu Hause im Badezimmer selber entwickelt und vergrössert. Der Aufwand war enorm, aber er hat sich in guten Noten ausbezahlt, auch wenn der Inhalt mässig war.

Im Physik-Praktikum mussten wir mehrere Semesterarbeiten schreiben. Ich tat mich mit Suter Franz zusammen. Er war der bessere Forscher und Ingenieur, ich der bessere Schreiber und Designer der Semesterarbeiten. Wir bekamen immer gute Noten.

Schriftliche Diplom-Arbeiten

Ich kann mich nicht mehr an alle Arbeiten erinnern. Ich erinnere mich einzig daran, dass ich ein grosser Bluffer war.

Die Arbeit in "Organischer Chemie" war ein typisches Beispiel dafür. Ich sollte als Diplomarbeit etwas herstellen und musste mich dazu in die Literatur stürzen. Nachdem ich in der Technikums-Bibliotheke wenig erbauendes fand, begab ich mich in die Bibliothek der ETH in Zürich. Aber auch dort fand ich fast nur japanische Literatur in japanischen Schriftzeichen. Diese kopierte ich mit grosser Akribie und versuchte die Reaktion nach den wenigen Deutschen und englischen Unterlagen zu realisieren, was aber nicht gelang. So bestand schlussendlich meine ca 1,5 cm dicke Diplomarbeit zu 80% aus einer japanischen Literatur-Sammlung, was zu einer genügend-gut Note reichte. Glück gehabt, denn Organische Chemie war definitiv mein Schwachpunkt.

In meiner Diplomarbeit "Verfahrenstechnik" habe ich ein Verfahren zur Wiederverwendung von Kunststoff entwickelt und beschrieben. Meine Ergebnisse waren meiner Meinung nach unbrauchbar. Ich habe aber bereits damals gewusst, wie man mit einer tollen Diplomarbeit und vielen Fotos den Prof. Aeschbacher v/o Schang um die Finger wickeln konnte. Er hatte mich sogar gelobt.

Schlussdiplom-Prüfungen

Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass die Schlussdiplom-Prüfungen mich nicht mehr allzu stark interessierten, denn die Erfahrungsnoten sprich Zeugnisnoten wurden ziemlich stark gewichtet. Ich wusste, mir konnte nicht viel passieren. Zudem hatte ich ja bereits einen Job beim amrikanischen Computer-Hersteller UNIVAC in der EDV. So spritzte ich zusammen mit Ruedi Bucher meinen Wohnwagen und seinen Mini-Cooper am Greifensee. Meine Motivation zu lernen, war gleich Null.

Für das Schlussdiplom am Ende des 6. Semesters im Frühjahr 1970 standen eine mündliche Prüfung in Physik, Techn. und Org.-Chemie auf dem Programm, sowie eine schriftliche Prüfung in technischer und physikalischer Chemie. Doch der Reihe nach:

Die mündliche Physik-Prüfung fand im grossen Chemie-Auditorium vor Prof. Bantle und zwei Physik-Professoren der Universität Zürich statt. Sie begann mit Fragen über Optik und Lichtbrechung, die ich brilliant beantworten konnte, denn dieses Thema interessierte mich schon aus Sicht der Fotographie. Ich konnte alle Brechungen in Linsen erklären, weil ich deren physikalische Regeln verstanden hatte. Dann kam es aber knüppeldick. Beim zweiten Thema habe ich einen grossem Bock geschossen. Es ging um die Wirkungsweise eines Elektro-Magneten. "Braucht man dazu Gleich- oder Wechselstrom?" war die Frage? Ich das Physik-Ferkel musste mich entscheiden. Die Erfolgs-Chance war 50%, denn es gab nur 2 Möglichkeiten. Wechsel- oder Gleichstrom? Ich wählte das Falsche, wie ich aus dem Lachen der 3 Experten schnellstens mit rotem Kopf feststellen konnte. Trotzdem erhielt ich eine genügende Note.

In den OCh (Org.-Chemie) ging das Desaster weiter. Ich musste Reaktionen an der Tafel erläutern. Ich erinnere mich, dass ich die erste Frage gut beantworten konnte, aber bei der zweiten stand ich wie ein Esel am Berg. Mit diesem mittelmässigen Ergebnis hatte ich gerechnet und war jedoch froh, dass die mündliche Prüfung vorbei war.

Ueber die schriftliche Prüfung in der physikalischen Chemie lege ich die Decke des Schweigens. Ich habe glücklicherweise nie ein Resultat gesehen. Was vielleicht auch besser war. Noch heute läuft es mir kalt den Rücken herunter, wenn ich mich an dieses Desaster erinnere. Ich habe ja nicht einmal die Fragen verstanden!

Rückblickend bin ich froh, dass die Erfahrungsnoten derart stark gewichtet wurden. Noch heute läuft es mir kalt den Rücken herunter, wenn ich mir daran erinnere, dass ich an der mündlichen Physik-Prüfung Wechsel- und Gleichstrom verwechselt hatte.

Meine Zeugnisnoten

Es ist erstaunlich. Meine besten Noten erhielt ich in meinem 3. Studien-Jahr, in dem ich als Präsident des Studentenausschusse extrem belastet war und gegen die Hälfte der Vorlesungen auslassen musste. Ob ich in der Zeit effizienter gelernt hatte? Dies ist schon möglich, denn diesen Effekt habe ich in den späteren Jahren noch mehrmals festgestellt: Unter grösstem Druck erreichte ich meine besten Leistungen. Oder ob die Lehrer mir wohl Freundschaftsnoten erteilten?

Mein Noten-Durchschnitt je Semester steigert sich von 4.65 in den ersten beiden Semestern auf 4.83 und 4.9 im 2. Jahr und weiter auf 5.2 im Diplom-Semester

Frackwoche und Diplomumzug

Nach Abschluss der Diplomprüfungen begannen die Festivitäten von uns diplomierten Studenten. Zuerst die Frackwoche, dann der Diplomumzug. Es war Tradition, dass die Studenten im Verlaufe des letzten Semester sich nicht mehr rasierten und einen Vollbart wachsen liessen. Um es gleich vorweg zu nehmen, mir stand der dunkle Bart gut. Ich sah gut aus.

Frackwoche
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Max mit Bart (1970)

Um die Unkosten beim Bau unseres Diplomwagens zu decken, haben wir eine Klassenzeitung "den Kühler" verfasst und verkauft. Er enthielt Geschichten über uns und unsere 3 Jahre am Tech. Margrit "Hitsch" Richli hat alles von Hand gezeichnet, geklebt und geschrieben. Zu der Zeit gab es noch keine Computer, die dies im Bruchteil der Zeit hätten machen können. Ich habe dieses Büchlein immer noch und blättere öfters in meinen Erinnerungen.

Diplom-Umzug vom 11. April 1970
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Tech-Umzug in Winterthur Vor unserem Wagen
Tech-Umzug in Winterthur Max und Peter Aeschlimann

Am 11. April 1970 stand der Diplomumzug durch Winterthur auf dem Programm, und die Woche davor war die Frackwoche. Jeder von uns trug in dieser Zeit einen Frack samt Zylinder, einen schwarzen Gehstock und eine Hebammentasche. Den Frack samt Zylinder trug noch mein Vater an seiner Hochzeit. In der Hebammentasche hatte jeder etwas wichtiges drinn. Meistens einen Flachmann mit Schnaps, einen kleineren Bierhumpen und ein paar Pariser für alle Fälle. Derart bekleidet gingen wir in die Schule und besuchten Lektionen der Klassen unterer Stufen.

Der Diplomumzug war für die Winterthurer Bevölkerung ein Volksfest. Auf der Umzugsroute standen sich die Leute auf den Füssen, um die verrückten Gefährte zu sehen. Jede Klasse präsentierte sich mit einem spassiges Fahrzeug. Dazu stellten Firmen aus Winterthur geeignete Anhänger und Fahrzeuge zur Verfügung. Wir bauten einen Chemiewagen, der Bier produzierte. Die Bierfässer samt uns Studenten zog er als Anhänger hinter sich her. Selbstverständlich waren die Bierfässer vor dem Umzug voll, leerten sich aber zusehends. Ich habe an diesem Wagen nicht mitgearbeitet, denn ich war als STA-Präsident genügend stark belastet.

Als ich meinen Bart nach dem Tech-Umzug abrasierte, habe ich mich als erstes massiv erkältet. Ein solche Bart schützt erstaunlich gut vor der Winterkälte. Es war jedoch gar nicht so einfach, den Bart zu entfernen. Ich versuchte es zuerst mit dem Bartschneider meines Braun-Rasierers, aber damit hatte ich gar keinen Erfolg. Er riss mir mehr die Haare aus, als dass er sie abgeschnitten hätte. Das Beste wäre gewesen, ich hätte mich einem Friseur anvertraut. So habe ich mich Marlies anvertraut, die mir den Bart mit einer Schere abschnitt, bis der Rest auch mit dem Bartschneider des Rasierer weiterverkürzt werden konnte.

Diplom-Umzug vom 11. April 1970
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Unsere Bierwagen Max am Umzug

Diplom-Abschlussfeier vom Freitag, 8. Mai 1970, ab 17 Uhr

256 Studenten stellten sich den Prüfungen. 250 haben bestanden, davon 52 in Chemie. Als Höhepunkt meiner Funktion als Präsident des Studentenausschusses durfte ich an der Diplom-Feier im Stadthaussaal in Winterthur die Ansprache des Diplomanden halten. Ich habe mich darauf minutiös vorbereitet und die notwendigen Unterlagen aus der ganzen Schweiz eingeholt. Ich sprach über das Thema "Stipendien Vielfalt in der Schweiz", das auch heute wieder akuell ist und im 2015 in einer Eidg. Volksabstimmung Thema war. Meine Ansprache wurde eingerahmt durch Begrüssungsworte des Dr. h.c. Walter Kilchenmann und durch unseren Deutschlehrer Prof. Dr. Walter Diethelm. Es war ein feierlicher Anlass, wobei ich anfänglich wenig mitbekam. Ich war viel zu nervös. Aber es klappte alles. Mein Vortrag kam gut an und ich erhielt viel Lob.

Meine Ansprache anlässlich der Diplomfeier vom 8. Mai 1970

Meine Damen, meine Herren,
Liebe Kommilitonen.

Es ist für mich eine grosse Freude, im Namen der Diplomanden vom Technikum Winterthur zu Ihnen sprechen zu dürfen. Ich fasse diese Aufgabe nicht nur als Ehre, sondern auch als Pflicht auf, mir einige Gedanken über unsere Zukunft und Vergangenheit zu machen. Ueber das Letztere möchte ich mich nicht direkt äussern, da es doch noch einiger Zeit und vorallem industrieller Praxis bedarf, um objektiv urteilen zu können. Die Zukunft aber und was damit zusammenhängt, scheint mir einige Gedanken wert zu sein. Dazu wäre ich froh, wenn Sie meine Damen und Hemen jetzt Ihre allfäIlige Skepsis gegen studentische Ideen ablegen und mir ohne Vorurteile zuhören würden.

Für viele von uns beginnt nicht nur eine freudige Zeit mir gutbezahlter Arbeit, mit interessanten Aufgaben usw, sondern auch eine sorgenvollere, weil mancher von uns einen Schuldenberg sein eigen nennt, den er infolge Stipendien-Misstände auf sich nehmen musste. Ich will jetzt nicht fragen, welcher von den anwesenden Studenten genügend rückzahlungsfreie Unterstützung erhielt, um leben zu können. Und zwar verstehe ich unter Ueberleben auch die Möglichkeit, dass der Stipendiat einmal ein Bier trinken, kulturelle Veranstaltungen wie Theater besuchen und sogar einmal ins Kino gehen darf. Nein, dazu brauche ich nur im letzten Bericht der Interkantonalen Stipendienberater-Kommission zu blättern, um diese Frage zu beantworten. Es könnten dabei einem die Haare zu Berge stehen,

Von den 25 Ständen (Kantonen) weisen 11 Kantone mit einem maximalen Jahresansatz für Technikumsstudenten von wenigar als Fr. 4'000.- auf. Das sind nicht einmal Fr. 350.- pro Monat. Von den genannten 11 Ständen schiesst der Kanton Nidwalden den Vogel ab, indem dort die allgemeine Möglichkeit zur Verpflichtung der späteren Berufsausübung im Kanton besteht. Und das für 1'200.- Franken im Jahr. Im weiteren gewähren die Kantone Aargau, Tessin und Genf in der Regel keine Stipendien für ausserkantonale Ausbildung, wenn die gleiche Ausbildungsmöglichkeit im eigenen Kanton besteht. Die freie Bildungswahl ist also nicht gewährleistet.

Mit dieser kurzen Zusammenfassung des 30-seitigen Berichtes, wobei ich nur extreme Tatsachen herauspickte, möchte ich doch zeigen, wie weit wir mit dem Kantönligeist gekommen sind. Ist es denn gerecht, dass ein Technikumstudent im Kanton Schwyz und Freiburg Fr, 1'000,- pro Jahr erhält, während einem anderen im Kanton Basel-Stadt Fr. 5'400.- pro Jahr ausbezahlt werden.

Noch extremer liegen die Verhältnisse beim sogenannten zweiten Bildungeweg, wo praktisch alle Kantone die selben Ansätze wie schon erwähnt aufweisen, während Basel-Stadt den Ansatz aber bis auf max. Fr. 11'800.-- erhöhte.

Zur Ehrenrettung von Zürich möchte ich trotzdem noch erwähnen, dass der Regierungsrat guten Willens ist, und in einem Antrag an den Kantonsrat vom 26. Febr. 1970 eine grosse Beitragserhöhung vorschlägt. Ob der Kantonsrat und ev. das kritische Zürcher-Volk mitmachen werden, wird sich noch zeigen.

Was ich in diesem Antrag besonders hervorheben möchte, ist die Tatsache, dass für die Höhe der Beiträge die persönlichen Verhältnisse des Bewerbers und nicht mehr jene seiner nächsten Angehörigen massgebend sind. Man will dadurch die nicht seltenen FäIle berücksichtigen, wo begüterte Eltern nicht bereit sind, ihren Töchtern und Söhnen die gewünschte Studienrichtung zu finanzieren. lch glaube, dass die Zürcher Behörden in grossen Zügen den Weg erkannt haben, wenigstens theoretisch, denn die Höhe des Stipendien-Betrages wird, wie auch in den übrigen Kantonen, immer noch von einer Kommission festgelegt.

In neuester Zeit nun wurde vom Verband schweizerischer Studentenschaften (VSS) ein neuartiges Modell der Studienfinanzierung, das Lausanner-Modells in die Oeffentlichkeit getragen. Die drei wlchtigsten Postulate der sog. Ausbildungs-Ffinanzierung sind:

  1. Elternunabhängige Finanzierung des Studiums (Also wie Zürcher Vorschlag).

  2. Finanzierung der Ausbildung für alle juristisch Mündigen, die sich in Ausbildung befinden, also kein Unterschied zwischen Hochschulstudenten, Tech-Studenten und anderen SchüIern.

  3. Eigenbeteiligung nach Massgabe des steuerbaren Einkommens. Damit will erreicht welden, dass je nach späterem Einkommen ein mehr oder weniger grosser Betrag zurückbezahlt werden muss.

Ich glaube, das Lausanner-Modell hat die Möglichkeit, die Ungerechtigkeiten innerhalb der Eidgenossenschaft in Stipendienfragen aus dem Wege zu räumen. Und trotzdem gefällt mir das letzte Postulat nicht. Warum dann diese vorgeschriebene Rückzahlung? Es gibt doch für einen Schweizer nichts schlimmeres als zu einer Leistung gezwungen zu werden. Gäbe es denn nicht die Möglichkeit, auf freiwilliger Basis diese Rückzahlung zu erreichen? Etwa durch Beilage einer freiwilligen Aufforderung plus Einzahlungsschein im Zahltags-Täschchen oder durch regelmässige Zusendung eines netten Briefes mit Einzahlungsschein ins Hause?

Damlt wäre auch das Problem behoben, dass ein ehemaliger Stipendiat durch einen Auslandsaufenthalt aufwerfen würde. Oder wie würde von ihm die Rückzahlung nach Lausanner-Modell erreicht?

Meine Damen, meine Herren, ich bitte Sie, meine kurzen Ausführungen über das Stipendien-Problem durch den Kopf gehen zu lassen und dann mitzuhelfen, dass endlich eine rechte eidgenössische Stipendienordnung, wie das Lausanner-Modell in Kraft gesetzt wird.

Zum Schluss wünsche ich dem Technikum Winterthur und der Studentenschaft alles Gute. Möge die Zusammenarbeit im Rahrnen eines fairen Mitsprache- resp. Mitbestimmungsrechtes zwischen der Direktion, den Lehrern und den Studenten eine Ausweitung des allg. Niveau mit sich bringen, sodass die Schule weiterhin als Vorbild für Schweizerische Techniken dienen kann.

Stellensuche, mein Weg in die EDV

Nun hatte ich meinen nächsten beruflichen Schritt gemacht. Aus einem Gymnasium-Schüler wurde zuerst ein Laborant und nun ein Chemiker HTL. Nur noch 1 Stufe unter den Hochschul-Akademikern. Ich war mit mir und dem Erreichten zufrieden. Leider hatte ich aber keinen Vater mehr, der mich bewundern konnte! Er war seit 6 Jahren tot.

(Klick aufs Bild für volle Grösse)
Diplom-Attest Chemiker HTL

Je länger das Studium am Technikum Winterthur dauerte, je unsicherer wurde ich, ob die Arbeit als Chemiker mich glücklich machen würde. Ich musste mir eingestehen, dass ich zwar ein guter Schüler oder Student war, aber die organische und physikalische Chemie nie richtig begriffen hatte.

Immer wieder erinnerte ich mich an die Zeit als Laborant, als ich für meinen Laborchef Dr. H.J. Poschet Lochkarten ausstanzen und sogar die ersten Schritte in der Programmiersprache FORTRAN-IV machen durfte. So war es nicht verwunderlich, dass ich mit Ruedi Bucher auf ein Inserat des Computer-Herstellers SPERRY UNIVAC reagierte, der die Ausbildung zum IT-Spezialisten im Rahmen eines "Kader- & Karriere-Kurses" anbot.

Das Chemie-Studium im Technikum Winterthur war jedoch nicht vergebens. Schlussendlich habe ich gezeigt und dies konnte ich Zeit meines Lebens gebrauchen: Ich lernte Lernen !

Was wurde aus einigen meiner Klassen-Kameraden

Ich will an dieser Stelle nicht alle meine Klassenkameraden erwähnen. Mit einigen habe ich noch regelmässig Kontakt, ein paar andere Schicksale haben mich beschäftigt, erfreut oder traurig gemacht.

Heini Bachmann

Heini Bachmann v/o "Sais" hat uns alle überragt. Er war der grösste Minimalist, aber bestimmt auch der intelligenteste. Er konnte Forellen fangen von Hand. Er hat nie auf Kosten eines Freundes Erfolg gehabt. Er hatte die gewisse Bauernschläue, die man braucht, um erfolgreich zu sein.

Heini war erfolgreich. Zuerst heiratete er uns "Hitsch" weg, hatte mit ihr 4 Söhne und wäre aus arabischer Sicht bereits ein gemachter Mann. Dann studierte er an der Universität Freiburg weiter, doktorierte, war erfolgreich bei Roche, gründete eine Firma mit einem tollen Produkt und ist immer noch aktiv (Stand 1. Juli 2015)! Dazwischen baute er baufällige Häuser um, war Gemeindepräsident ........

Margrit Richli

Margrit Richli v/o "Hitsch" war unser Chef! Niemand von uns Männern hatte es realisiert. Sie hatte uns alle und immer im Griff. Sie war Klassensprecherin, betreute unsere Klassenkasse und hielt die Klasse auch nach der Tech-Zeit zusammen. Ihr verdanken wir, dass wir uns nie aus den Augen verloren haben. Sie baute eine aktuelle Klassen-Homepage und plant bereits an der 50-Jahr-Feier unseres Jahrgangs. Eine solche Machtfülle in einer Hand, die nie missbraucht wurde, gab es seither nie mehr auf dieser Welt. Als Mitfahrer in ihrem "feudalen" Simca-1000" gehörte ich zu den Privilegierten.

Peter Belser

Peter Belser v/o "Minus" brachte es bis zum ord. Professor an der Universität Fribourg. Während der Tech-Zeit hätte man nie erwartet, dass er es soweit bringen könnte. Neben Sais war er der Intelligenteste von uns. Leider hat er sich dann aber von unserem Klassen-Leben zurückgezogen. Eigentlich verständlich, denn für ihn waren wir nur eine Durchgangsstation.

Ruedi Bucher

Mit Ruedi Bucher verband mich vieles. Wir fuhren gemeinsam mit Hitsch in ihrem Auto nach Winterthur. Wir kehrten gemeinsam der Chemie den Rücken und starteten eine EDV-Karriere bei der amerikanischen Sperry Univac. Wir landeten nach der Fusion von Sandoz und Ciba-Geigy wieder bei Novartis. Wir wohnten in Basel nur wenige 100 Meter auseinander in Binningen

Am 6. März 2008 starb Ruedi innert kurzer Zeit an Leukämie.

Henri Clemencon v/o Gilb

Henry Clemençon v/o "Gilb" war mein Brautführer, als ich im 1973 zum zweiten Mal heiratete. Obwohl er damals bereits mit Esther verbandelt war, wusste niemand davon. Er kam alleine. Gilb hatte einen trockenen, unerwarteten Humor. Er kam erst nach dem 2. Semester in unsere Klasse, nachdem er sein Studium 2 Jahre unterbrochen hatte und arbeitete als Kondukteur bei den Winterthurer Busbetrieben. In der Zeit war er der bekannteste "Büss'ler" Winterthurs. Man konnte mit ihm keinen Schritt durch seine Heimatstadt machen, ohne dass er links und recht grüssen musste, vornehmlich hübsche Mädchen.

Ganz unerwartet traf ich Gilb und seine Esther im 2013 in Hua-Hin (Thailand) auf ihrer jählichen Thailand-Reise. Seither gehört es bereits etwas zur Tradition, uns zum Essen in einer der hiesigen herrlichen Strassenküchen zu treffen und über Vergangenes zu fachsimpeln. Ich soll Gilb im OCh-Labor das Leben gerettet haben, als er Benzol über der offenen Bunsenflamme abdampfte! Heute hat Gilb immer noch dichtes Haar, aber schneeweisses.

Christian Nuesch

Christian Nuesch fiel während der Studien-Zeit aus dem Rahmen. Er war meines Wissens in unserer Klasse der einzige Linke und Anhänger der 68er-Jahre und verkehrte aktiv in deren Kreisen. Als Ruedi Bucher und ich nach der Tech-Zeit bei Univac unsere Informatik-Ausbildung begannen und mit dem Zug von Glattbrugg resp. Oerlikon zum Hauptbahnhof fuhren. Wen sahen wir auf dem benachbarten Bahnsteig? Unser Christian Nuesch im Anzug samt Kravatte mit der NZZ-Zeitung unter dem Arm. Er wechselte von Links zum Establishment innert weniger Tage! Flexibel muss man sein!

Hubert Seitz

Mit Hubert Seitz v/o "Pfupf" und Edith kam ich mit meiner Familie vorallem nach der Tech-Zeit in engeren Kontakt. Wir durften mehrere Winter-Ferien in ihrem Chalet Louise in Bellwald verbringen. Ich erinnere mich auch gerne an die eine oder andere Sommer-Wanderung hoch über dem Goms entlang den "heiligen Wassern". Oft durfte ich nicht in die Tiefe schauen, denn ich hatte Höhenangst. Aber ich bewältigte auch diese Herausforderung.

Pedro Wettstein

Pedro Wettstein war unser OCh-Genie. Hier war er in seinem Element. In anderen Fächern hatte er seine Probleme. Ich erinnere mich noch an das Vordiplom, als er nach einer missglückten mündlichen Prüfung alles hinschmeissen wollte. Er war am Boden zerstört. Er der Motorradfreak, für den sein Motorrad das wichtigste war. Es soll der Wahrheit entsprechen, dass er während des Technkums wochenlang nicht mehr baden konnte, weil er in der Badewanne sein auseinandergenommenes Motorrad deponiert hatte.

Nach der Tech-Zeit zog sich Pedro zurück. Keiner von uns hatte irgendwelchen Kontakt zu ihm. Es scheint, dass er ein tragisches Leben führte. Während der Tech-Zeit war er wie einer von uns. Aber anschliessend wurde er im Laufe der Zeit immer unzufriedener mit seine Umwelt und muss am 21. Jun 2012 einsam gestorben sein.

 

Autobiografie von Max Lehmann
Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen
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